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Erfolgsgeschichten und Mut zum Scheitern

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Von: Katrin Hanitsch

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Gießen - »Netzwerken, netzwerken, netzwerken«: Das war das erklärte Ziel, als sich am Mittwoch und Donnerstag die mittelhessische Start-up-Szene (auch) in Gießen traf. Zwei Tage lang standen bei der Startup-Safari FrankfurtRheinMain Fragen rund um die Unternehmensgründung im Mittelpunkt. Neben Gießen waren auch Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach Schauplatz des dezentralen Events, wie Carolin Wagner und Fabian Annich, die Moderatoren und Geschäftsführer von Station Frankfurt, einer regionalen Anlaufstelle für Start-ups, zur Begrüßung sagten.

Zwischen den Orten wechseln konnten die Teilnehmer per Shuttlebus oder Online-Livestream.

Erfolgreiche Start-up-Geschichten gab es bei der Startup-Safari zuhauf. So wie die der Marburger Software-Schmiede weclapp. »Vom Start-up zum Börsenkandidaten« lautete der vielsagende Titel des Vortrags von Sebastian Jung, der den spannenden Werdegang des Unternehmens vorstellte. 2008 gegründet, gelang es weclapp schnell, die ebenfalls in Marburg beheimatete 3U-Holding von ihrem Konzept der cloudbasierten Teamlösungen zu überzeugen. Das verschaffte Gründer Ertan Özdil Zeit und die nötigen Mittel, fünf Jahre lang an der Marktreife zu arbeiten und weitere zwei Jahre auf die ersten Gewinne hinzuarbeiten. Heute hat das Unternehmen über 100 Angestellte und drei Firmensitze.

Kooperationskultur etablieren

Für Sebastian Jung gehört aber noch mehr zur erfolgreichen Gründung als ein starker Partner - nämlich ein gutes Team, die passenden Strukturen, eine Vision und Werte wie Ehrlichkeit und Transparenz, vor allem auf Führungsebene.

Neben dem Gründungsort Marburg sitzt weclapp heute auch in Frankfurt und Kitzingen am Main. Der Vorteil, wenn man nicht nur in Metropolregionen, sondern auch in ländlichen Bereichen wie Mittelhessen präsent ist, sei eine bessere Sichtbarkeit. Man gehe nicht so leicht in der Fülle der Unternehmen unter.

Neben den Erfolgsgeschichten dürfe man aber auch nicht vergessen, über gescheiterte Start-ups zu sprechen, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann, der die Start-up-Strategie des Landes Hessen vorstellte. Dabei gehe es nicht darum, potenzielle Gründer zu entmutigen, sondern im Gegenteil Mut zu machen, etwas auszuprobieren. »Ohne Trial and Error funktioniert es nicht, in keinem Ökosystem.«

Entscheidend sei, bei Veranstaltungen wie der Start-up-Safari nicht nur Netzwerke zu knüpfen, sondern »das tatsächlich etwas daraus entsteht«. Das sei nur durch eine Kooperationskultur möglich: Man müsse sich gegenseitig etwas geben, damit etwas zurückkommt.

Jede Region hat ihre Vorzüge

Um Jungunternehmer in Hessen zu halten, müsse das Bundesland noch attraktiver gestaltet werden, sagte Nimmermann. »Wir machen eigentlich schon viel«, erklärte er zu den Fördermöglichkeiten in Hessen, »aber viele wissen gar nicht, was es alles gibt. Da müssen wir besser werden.« Er räumte aber auch ein, dass es noch Luft nach oben bei Firmengründungen durch Frauen und abseits der Hochschulen gebe.

Die verschiedenen Regionen in Hessen in Bezug auf ihre Vorteile für Start-ups gegeneinander aufwiegen wollte Nimmermann nicht. »Was wir wirklich noch verbessern können, ist die Zusammenarbeit.« Man müsse die Stärken aller Regionen nutzen, Verständnis füreinander haben und jeweilige Besonderheiten besser verstehen und wahrnehmen.«

Wie und wo kann man umwelt- und klimafreundlich gründen und produzieren? Green Tech kam als Trendthema bei der Start-up-Safari natürlich auch zur Sprache. Hier sei man in Hessen wissenschaftlich sehr gut aufgestellt, befand Nimmermann. Was noch fehle, seien entsprechende Produktionsorte. »Da gibt es eine gewisse Marktlücke.«

Die Start-up-Safari bot Gelegenheit zum Austausch, vor Ort in den Pausen und beim Gin-Tasting von Gießen Gin am Abend, oder online in verschiedenen Chat-Gruppen. Reichlich Möglichkeiten also zum Netzwerken - vielleicht mit dem entscheidenden Kontakt zum Durchstarten. kan

Start-up-Safari FrankfurtRheinMain

Die zweitägige Start-up-Safari FrankfurtRheinMain fand in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Neu ist der Ableger in Mittelhessen. Die Start-ups in der Region hatten die Möglichkeit, sich im Coworking-Space SleevesUp! in der Gießener Bahnhofstraße oder auch online zu treffen. Veranstaltet wurde das Event von STATION FrankfurtRheinMain als regionale Anlaufstelle für Startups und dem Regionalmanagement Mittelhessen. Insgesamt gab es zeitgleich sechs Veranstaltungsorte: Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Offenbach und Gießen. Die Teilnehmer konnten per Shuttlebus zwischen den Städten und zu den mehr als 100 Veranstaltungen pendeln. kan

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