Erfahrungsaustausch mit Erzieherinnen

Lahnau (agr). Außergewöhnliche Geschlossenheit zeigte das sonst oft streitbare Lahnauer Parlament in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag in Atzbach: Alle 13 Tagesordnungspunkte, soweit nicht zurück in die Ausschüsse verwiesen, wurden ohne Gegenstimme verabschiedet.

Lahnau (agr). Außergewöhnliche Geschlossenheit zeigte das sonst oft streitbare Lahnauer Parlament in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag in Atzbach: Alle 13 Tagesordnungspunkte, soweit nicht zurück in die Ausschüsse verwiesen, wurden ohne Gegenstimme verabschiedet. Gleichwohl wurde an mancher Stelle Kritik geübt, doch dies stets in moderatem Rahmen. Den Anfang machte Bürgermeister Eckhard Schultz beim Thema "Zusammenarbeit der Kindergärten und Schulen".

Die CDU hatte beantragt, dass darüber berichtet wird. Daraufhin hatte der Ausschuss für Sport, Soziales und Kultur (SKS) beschlossen, Vertreter der Einrichtungen zum direkten Erfahrungsaustausch einzuladen. Stein des Anstoßes war für den Bürgermeister nicht der Antrag als solcher, sondern der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan, der die Grundlage der Arbeit der Einrichtungen bilden soll. Schultz kritisierte die Landesregierung, die mit dem Plan lediglich eine Empfehlung gebe und keine feste Regelung vorschreibe. Auf diese Art und Weise entziehe sich das Land der Verpflichtung, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen.

Als Beispiel nannte der Bürgermeister den Personalschlüssel für die Kinderbetreuung. Die Lahnauer Einrichtungen hätten jeweils unterschiedliche Betreuungsschlüssel, abhängig zum Beispiel davon, ob die Erzieherinnen durch hauswirtschaftliche Kräfte entlastet würden. Nach Meinung von Schultz ist der neue Bildungs- und Erziehungsplan "genauso eine Mogelpackung wie das Bambiniprogramm", das im Vorjahr aufgelegt worden war. Finanziert werde dieses aus Mitteln, die den Gemeinden vorher aus dem Finanzausgleich entzogen wurden.

Dr. Klaus-Jürgen Preuschoff, Fraktionsvorsitzender der CDU, widersprach der Einschätzung von Schultz nicht. Er forderte jedoch dazu auf, der Empfehlung des SKS-Ausschusses auf Einladung der Erzieher zu folgen, um zu schauen, wie diese mit den Vorgaben des Planes, den er als "einen Orientierungsrahmen" bezeichnete, umgehen. Einstimmig folgten die Parlamentarier der Empfehlung des SKS.

Weiterhin hatte die CDU beantragt, dass die Lahnauer Spielflächen Paten bekommen sollten. Preuschoff, der nahe dem Spielplatz an der Berliner Straße in Waldgirmes wohnt, schaut dort selbst gerne einmal nach dem Rechten. Er erzählte, wie er Scherben aus dem Sand sammelt, quietschende Ketten ölt und hervorstehende Nägel auch einmal wieder in das Holz hämmert. Größere Schäden meldee er umgehend der Gemeinde, die dann sofort die Reparatur veranlasst. Die Vergabe von Patenschaften für Spielplätze könne ein Einstieg sein, einem vereinsunabhängigen Bürgerschaftsengagement eine Chance zu geben.

Nicht zuletzt der Tatsache, dass die Spielplätze regelmäßig einmal im Monat von Mitarbeitern der Gemeinde "bereist" werden, ist es nach Angaben von Schultz zu verdanken, dass sich alle Lahnauer Spielplätze in einem "hervorragenden Zustand befinden". Er sah keinen wirklichen Handlungsbedarf für die Vergabe von Patenschaften, denn das bisherige System funktioniere offensichtlich sehr gut. Eltern, Großeltern und Anwohner beobachteten, wenn etwas im Argen läge. Er stehe den Patenschaften zwar grundsätzlich offen gegenüber, betonte Schultz, gleichwohl wäre dies keine Entlastung für die Gemeinde, da diese weiter in der Pflicht stehe. Beide Systeme könnten nur parallel laufen.

Die Bereitschaft der Grünen, den Antrag zu unterstützen, erklärte Brigitte Sauter-Hill. Sie legte jedoch ausdrücklich Wert darauf, dass kein bürokratischer Vorgang daraus gemacht werden solle. Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Heinz-Jürgen Wagner sah in den Patenschaften einen Gewinn. Man müsse auch nicht, wie dies Holger Wörner von den Freien Wählern vorgeschlagen hatte, erst Erfahrungswerte aus anderen Gemeinden einholen.

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