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Erdgeschichte bei Herbstein

  • Annette Spiller
    vonAnnette Spiller
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Wer in Hessen lebt, weiß: Der Vogelsberg ist cool. Nicht nur ganz oben am Hoherodskopf, wo Höhen- und Fernwanderweg, Gipfeltour, Geopfad und vor allem die Strecke zu Niddaquelle und Taufstein viel geliebt und begangen sind. Bei Herbstein startet ein kleiner Abstecher eines Ringweges, auf dem man in sechs Tagen rund um den Vulkan wandern kann. Die Felsentour bietet alles, was das Herz begehrt: Wiesen, Wald, Gewässer - und natürlich Steine.

Ausgangspunkt der RundTour ist das Wanderportal am Kolping-Feriendorf bei Herbstein. Wer mit dem Öffentlichen Nahverkehr anreisen möchte, findet Bushaltestellen in Herbstein (Haltestelle Thermalbad, ca. einen Kilometer bis zum Feriendorf) und Lanzenhain (Haltestelle Dorfmitte), wo man alternativ in der Mittelstraße in die Route einsteigen kann. Markierungszeichen der bestens beschilderten Extratour ist der rot-grüne Vulkan. Die Strecke lässt sich in zwei Längen planen. Insgesamt ist sie 19 Kilometer lang und dauert rund fünfeinhalb Stunden bei 278 Höhenmetern. Die Abkürzung spart etwas über sechs Kilometer und ein Drittel an Zeit. Wir starten also an der ehemaligen Grenze zwischen dem Fürstbistum Fulda und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt. 200 Jahre alte Grenzsteine zeugen davon.

Blockmeere aus Basalt

Am Ende des Waldes steht die Kreuzkapelle, die zur Besichtigung einlädt. Auf einem eingezäunten privaten Friedhof sieht man Grabstätten der gräflichen Familien Ballestrem und Westerholt. Beim Weitergehen hat man einen ersten schönen Blick auf Herbstein. Nicht lange danach erreichen wir die idyllischen Schalksbachteiche mit Wasservögeln und reicher Flora, wo wir auf dem Damm entlanglaufen und aufpassen, dass der Hund nicht schwimmen geht. Schließlich befinden wir uns hier in einem Biotop, das im Natur- und Vogelschutzgebiet liegt und außerdem als FFH-Fläche gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien besonders schützenswert ist. Hier fin- det sich zum Beispiel auch Pfeifengras - eine Wasser- und Sumpfpflanzengesellschaft von laut Info-Material herausragender Bedeutung. Picknicken könnte man hier gut - aber das hat noch Zeit. Wir durchwandern den Wald und folgen dann dem Weg, der von Lesesteinwällen und Gehölzen flankiert an einem Bach durch ein hübsches Wiesental führt. Es folgt ein Stück, das zwischen Wald und Wiesenlandschaft abwechselt, bis zum "Diebstein", mit 570 Metern die höchstgelegene Stelle der Tour und eine eindrucksvolle Felsenformation mit Blockmeer aus Basalt. Ein sogenanntes Geotop, so beschreibt es die Homepage www.geopark-vogelsberg. Das sind "Fenster zur Erdgeschichte. Man definiert sie als spezielle Orte, die wegen ih- rer Schönheit, Eigenart oder ihres hohen wissenschaftlichen Wertes für die Entwicklung der Erde und des Lebens Bedeutung haben". Zwei weitere Geotope kommen noch.

Auf einem Feldweg quert man zunächst das Vogelsbergdorf Lanzenhain mit seinen Fachwerkhäusern. Nach dem Ort geht es bald im Wald zwischen Buchen und Basaltbrocken weiter. Hier thront der "Burgfrieden", eine weitere markante Basaltformation, auch diese umgeben von einem Basaltblockmeer.

Und wieder in Wiesen und Felder, entlang an einem kleinen baumbestandenen Teich. Kurz vorher ist die Abkürzungsstrecke dazugestoßen. Durch eine wunderbare alte Lindenallee, die schönen Schatten spendet, entlang der wenig befahrenen Lanzenhainer Straße führt die Strecke jetzt, mit einer wieder anderen Perspektive, auf Herbstein zu.

Ein bisschen Anstieg folgt. Im sogenannten Aspertzer Grund quert man einen Wiesenbach über eine Holzbrücke. Ein absolutes Highlight und Naturdenkmal gibt es dann zum Schluss: Den Basaltdurchbruch "Felsenruhe". Dieses markante Geotop bildet eine riesige Stufe von Blöcken im Wald, wo der Basalt laut Wanderbeschreibung in kompakten großen Felsen erstarrt ist und durch die Erosion seine charakteristische abgerundete Form erhielt. Die Klippe hat eine Länge von etwa 300 Metern, der Wanderweg führt direkt parallel dazu. Ja, wir sind eben unterwegs auf Europas größtem Vulkanfeld.

Ein paar Schritte noch auf dem Grenzweg, und der Ausgangsort am Feriendorf ist erreicht. Ebenso wie die Hinweistafel mit Beschreibungen der sechstägigen Umrundung des Vulkans auf sechs Etappen. Das müssen wir unbedingt machen, in Teilen oder am Stück - ein andermal.

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