Energierechner liefert realistische Plandaten

Marburg (süd). Das Thema Energie liegt dem Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck am Herzen, er möchte mit den Menschen in der Region darüber ins Gespräch kommen. Das sagte er beim Interview mit der Gießener Allgemeinen Zeitung zum Jahreswechsel.

Kein Wunder also, dass Witteck die Fachtagung "Mittelhessen ist voller Energie" am Dienstag im Technologie- und Tagungszentrum in Marburg zur Chefsache machte. Er begrüßte nicht nur die rund 200 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Naturschutzverbänden, sondern führte ins Thema ein, moderierte die Veranstaltung und stellte die Referenten vor.

Die Fachtagung dient als Informations- und Austauschplattform rund um das Thema erneuerbare Energien. Der Regierungspräsident stellte den Teilnehmern zu Beginn Planungsprozess, Vorgehensweise und Ergebnisse des Teilregionalplans Energie für Mittelhessen vor, der seit einigen Tagen in den Kommunen in allen fünf Landkreisen offen liegt. Witteck sagte, das Regierungspräsidium gehe transparent mit dem Thema um, habe viele Infoveranstaltungen vor Ort, aber auch Workshops und Expertengespräche dazu angeboten. "Wir wollen einen offenen Prozess", meinte der RP. Trotzdem gebe es Unzufriedenheit. So hätten einige Kommunen ihre Planungen vorangetrieben, die sie nun auf neue Vorgaben zur Windgeschwindigkeit und zu Natura 2000-Gebieten ändern müssten.

Daten für jede Kommune

Witteck präsentierte den Tagungsteilnehmern auch ein paar Zahlen. Zum Beispiel zur Windenergienutzung. In Mittelhessen gibt es 134 Windvorranggebiete mit einer Mindestfläche von 15 Hektar, davon liegen 84 Prozent im Wald. Die Gesamtfläche der Vorranggebiete beläuft sich auf 16 500 Hektar. Zahlen und Bilanzen wie diese finden sich auf der Internetseite www.energieportal-mittelhessen.de. Was beim Energierechner alles neu ist, das erklärte Prof. Martina Klärle von der Fachhochschule in Frankfurt den Teilnehmern. Es können jetzt nicht nur Energiepotenziale ermittelt, sondern auch realistische Plandaten abgerufen werden. So sind aktuell bestehende Anlagen abzurufen. Hierzu gibt es jeweils Luftbilder. Es können zudem für jede Kommune Daten abgefragt werden. Wer eine Gemeinde oder auch einen ganzen Landkreis anklickt, bekommt neben einigen Kennzahlen die nach den bisher aktuellsten Zahlen (2011) erstellte Deckung des Gesamtstromverbrauchs durch Wind, Solar, Biomasse oder Wasser angezeigt.

Zwei Vorträge schlossen sich an. Peter Marburger, Programmleiter des Energieeffizienzprogramms bei der Siemens AG, stellte die Energieeffizienz als eine wichtige Voraussetzung der Energiewende vor. Mikko Rissanen von Dialog Basis sprach zum spannenden Thema Öffentlichkeitsbeteiligung. Umweltschutz liege laut Umfragen auf Platz zwei der wichtigsten politischen Aufgaben. Dennoch gebe es Widerstände, vor allem aufgrund lokaler Betroffenheit. Wenn die Bürger zu spät beteiligt werden, könne dies zu massiven Protesten im Planfeststellungsverfahren führen, infolge auch zu Zeitverzögerungen und höheren Kosten durch Nachbesserung der Antragsvariante. Und das auch, wenn alles juristisch korrekt laufe. Die Beteiligung der Öffentlichkeit sollte also frühzeitig und konsequent angestrebt werden, so der Referent.

Dialog frühzeitig führen

Gibt es eine Projektidee, könnten gleich damit verbundene Hoffnungen und Ängste abgefragt werden. Der Dialog müsse frühzeitig geführt werden, und zwar bevor Konflikte eskalieren. Dabei sollte klar gesagt werden, was zusammen entschieden werden kann. Rissanen nannte Beispiele, bei denen eine aktive Beteiligung der Bürger dazu geführt habe, ein breites Publikum für ein Thema zu sensibilisieren, ohne dass am Ende alle Gegner überzeugt wurden.

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