Sonnenenergie für Strom und Wärme oder ein Windrad im Garten für die Stromerzeugung - zum Beispiel zum Laden eines E-Autos: Völlige Autonomie bei der eigenen Energieversorgung ist wohl nicht möglich, aber eine dichte Annäherung an das Ziel schon. FOTOS: DPA/ARCHIV
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Sonnenenergie für Strom und Wärme oder ein Windrad im Garten für die Stromerzeugung - zum Beispiel zum Laden eines E-Autos: Völlige Autonomie bei der eigenen Energieversorgung ist wohl nicht möglich, aber eine dichte Annäherung an das Ziel schon. FOTOS: DPA/ARCHIV

Energetischer Selbstversorger

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Ein charmanter Gedanke: Strom und Wärmeenergie selbst produzieren, unabhängig sein von externen Anbietern und Versorgern. Und das Ganze auch noch umweltfreundlich. Geht nicht hundertprozentig, aber eine Annäherung an dieses Ziel ist möglich.

Jahr für Jahr dasselbe: Die Abrechnung für Strom und Gas kommt, und man muss mal wieder draufzahlen. Steigende Preise geben die großen Energieversorger gerne an die Kunden weiter, fallende dagegen eher nicht. Wie schön wäre es dann, wenn man sich selbst mit Strom und Wärme versorgen könnte. Tatsächlich ist von Fotovoltaik und Solarthermie über Wärmepumpe und Erdwärme bis hin zum eigenen kleinen Windrad im Garten einiges möglich. Ob es auch sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

"Es geht, dass man relativ unabhängig ist. Ganz unabhängig wird nur ganz schwer zu erreichen sein", sagt Energieberater Norbert Muth mit Blick auf die Stromversorgung durch Fotovoltaik. Um das 100-Prozent-Ziel zu erreichen, wären relativ große Stromspeicher notwendig, die sich vor allem für ein Einfamilienhaus nicht rechnen würden, und des Weiteren ist die Dachfläche oftmals zu klein, um im Winter damit genügend Strom zu erzeugen.

Muth betreibt im Wettenberger Ortsteil Krofdorf-Gleiberg ein Sachverständigenbüro für Energie- und Umwelttechnik und ist als Berater für die Verbraucherzentrale Hessen, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), den Lahn-Dill-Kreis und den Kreis Marburg-Biedenkopf tätig.

Die Erfahrung mit seiner eigenen Fotovoltaikanlage beispielsweise ist jedenfalls positiv. Er ist zu gut 80 Prozent unabhängig vom Stromversorger und speist mehr ins Netz ein, als er einkaufen muss.

Grundsätzlich, so rät der Experte, solle man darauf schauen, eine möglichst niedrige Heizlast im Gebäude zu haben - also die Wärmezufuhr, die für eine bestimmte Raumtemperatur notwendig ist. Denn umso weniger Energie müsse man einbringen.

Dabei sollte man darauf achten, möglichst CO2-minimierend zu sein - "ganz CO2-neutral geht nicht". Allerdings müsse man das für jedes Haus einzeln beurteilen, pauschal sei das nicht einzuschätzen und hänge schließlich auch davon ab, wie viel jemand investieren will.

Ein weiterer Punkt ist die Dämmung. Dabei sollte man in jedem Fall einen Fachmann hinzuziehen. Die von manchen Kritikern ins Feld geführte Gefahr bei Bränden durch den Dämmstoff sieht Muth nicht. Es gebe bauaufsichtliche Zulassungen für die Dämmstoffe, die nicht brennbar oder schwer entflammbar seien und entsprechen- de Brandschutzanforderungen nach DIN mit Brandriegeln.

Eine Frage der Finanzmittel

Aus der Sicht des Energieberaters sei eine Dämmung aber immer gut, meint Muth: "Zum einen spare ich Energie ein, zum anderen habe ich einen erhöhten Wohnkomfort." Entscheidend sei, dass man neben Einsparungseffekten im Winter im Sommer mehr Schutz vor der Sonne habe. Muth empfiehlt daher gerne, andere nach ihren Erfahrungen mit Dämmung zu fragen. Die seien nach seiner Einschätzung fast ausschließlich positiv.

Eine Möglichkeit, Warmwasser für den Gebrauch und für die Heizung weitgehend selbst zu erzeugen, ist die Kombination von Holzpelletheizung und Solarthermie. Die Effizienz sei da aber wiederum abhängig davon, wie viele Personen in einem Haushalt zum Beispiel warmes Wasser benötigen oder duschen. Denn im Sommer entstehe oft ein nicht genutzter Überschuss: "Man spart ein, aber man produziert oftmals viel zu viel warmes Wasser." Allerdings liegt diese CO2-freundliche Kombination für ein Einfamilienhaus schon mal bei rund 35 000 Euro.

Eine Alternative wäre die Erdwärme. Für die einmalige Tiefenbohrung muss man zwischen 8000 und 16 000 Euro rechnen. Die Kosten für Wärmepumpen mit Erdwärme reichen von 15 000 bis 25 000 Euro.

Oder eine strombetriebene Wärmepumpe: Hierbei wird Außenluft komprimiert und dadurch erwärmt und in ein Heizsystem geleitet. Die Anschaffungskosten liegen hier bei 15 000 bis 20 000 Euro. Hinzukommen aber noch die laufenden Stromkosten. Daher sei hier eine Ergänzung mit Fotovoltaik sinnvoll.

Strom vom eigenen Dach für das E-Auto - kein Problem? "Wenn ich ein Eigenheim habe und ein Dach, das ich belegen kann, dann ist das im Rahmen des Möglichen", sagt der Experte. Aber auch da benötige man einen Speicher. Und in der Stadt sei dies schwer umsetzbar, zum Beispiel in Miet- und Wohnungseigentümergemeinschaften. Aber sinnvoll sei das auf jeden Fall.

Fazit: Vollkommen unabhängig von externen Anbietern wird man wohl nicht werden können. Aber eine große Annäherung an das Ideal ist schon möglich.

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