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Ende September sollen die Impfzentren in Hessen den Betrieb einstellen. Das Impfteam in Frankfurt hat bereits die große Festhalle verlassen, wird aber in einer kleineren Messehalle vorerst weiterarbeiten. An anderen hessischen Standorten schließen die Impfzentren hingegen komplett.

Ende mit Kritik und Wehmut

Nach Millionen verabreichter Impfdosen schließt die Mehrheit der hessischen Impfzentren zum Ende des Monats. In Zukunft setzt die Impfkampagne noch stärker auf die niedergelassenen Ärzte und mobile Impfteams. Dem Personal in den Impfzentren fällt der Abschied derweil schwer.

Obwohl sich im Frankfurter Impfzentrum in der Festhalle zuletzt täglich noch bis zu 1000 Menschen ihren Piks abholten, ist an diesem Tag auf dem Messegelände nicht mehr viel los. Stressige Zeiten habe man schon seit Wochen nicht mehr erlebt, berichtet Security-Mitarbeiter Alp Boztepe vor dem Eingang der Festhalle, wenige Tage vor der Schließung des Zentrums: »Wir hatten teilweise riesen Warteschlangen. Jetzt ist hier alles easy going.«

Am Sonntag war dann in der Frankfurter Festhalle Schluss, bis Ende September sollen die 28 Impfeinrichtungen im Land geschlossen sein. Landesweit seien seit Dezember 2020 in den Zentren rund 4,6 Millionen Dosen verabreicht worden, sagt Benjamin Crisolli, Sprecher des hessischen Innenministeriums. Ab Oktober sollen die Injektionen dann vollständig in den Händen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Betriebsmedizinern und mobilen Impfteams liegen.

Lebensqualität dank Impfung

Das Frankfurter Impfzentrum wird sich allerdings nicht ganz verabschieden, es wird sich erst mal nur verkleinern. »Wir werden in einer Halle nebenan weiter ein Impfzentrum betreiben. Es wird eine geringere Kapazität haben«, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt, Peter Tinnemann. Dort seien dann ab Dienstag noch 500 bis 1000 Impfungen am Tag möglich. Vor dem Umzug komme ein bisschen Wehmut auf, sagt der Leiter des Impfzentrums, Benedikt Hart. Im Sinne des Kampfes gegen die Pandemie und des Impffortschritts habe man sich einerseits über die Verkleinerung gefreut. »Eine kleine Träne darüber, in dieser schönen Kulisse nicht weitermachen zu können, das drückt aber schon auf die Stimmung.« Die feierliche Szenerie der Festhalle habe vielleicht sogar einigen die Angst vor dem Impfen genommen, meint Marion Verg vom Gesundheitsamt Frankfurt.

Verg bleibt vor allem eine über 90 Jahre alte Frau in guter Erinnerung, die zu den ersten Geimpften in der Festhalle gehörte. »Sie ist so aufgeblüht, sie hat so viel erzählt und sie fand das alles so toll.« Es sei extrem berührend gewesen. Bei der zweiten Impfung habe sie dann berichtet, wie viel Lebensqualität sie dank der Impfung zurückgewonnen und dass sie ihren Freundinnen von der Aktion erzählt habe. »Das hat mich total berührt«, sagt Verg sichtlich gerührt.

Vielfältige Herkunft der Mitarbeiter

Das Personal des Impfzentrums hatte zu Höchstzeiten aus rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedensten Branchen bestanden. Nun kehren sie nach und nach an ihren üblichen Arbeitsplatz zurück, wie der Leiter des Impfzentrums berichtet. »Wir freuen uns aber auch, einige davon weiterbeschäftigen zu können.« Besonders gefallen hat Hart die vielfältige Herkunft der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. »Wir hatten hier rund 29 verschiedene Sprachen, die gesprochen wurden«, ergänzt die Sprecherin des Bezirksverbands Frankfurt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Caroline Bleschke.

An anderen hessischen Standorten wie Darmstadt, Fulda und Gießen schließen die Impfzentren hingegen ganz. Die Impfungen werden dann überwiegend von mobilen Impfteams verabreicht. Unterstützung bekomme der Landkreis Gießen dabei etwa vom DRK und der Johanniter-Unfall-Hilfe, sagt Kreissprecher Dirk Wingender.

Mit einem Comeback der großen Impfzentren rechnet der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Peter Tinnemann, nicht. Sollte die ständige Impfkommission sich aber für eine Auffrischung der Impfungen aussprechen, sei es laut dem Experten allerdings kein Problem, die Kapazitäten der Impfzentren schnell wieder hochzufahren.

Aus Sicht von Kritikern, wie etwa der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), sollte dies allerdings nicht notwendig sein. »Die Impfzentren wurden sicherlich gebraucht, vor allem zu Beginn und zum Schutz der vulnerablen Gruppen«, sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Bei dem Status des Impffortschritts brauche es die Einrichtungen nun aber nicht mehr. Daher unterstütze die KV die Entscheidung zum Aus der Impfzentren. Auch Besucher kritisierten die Zentren im Vergleich zu Arztpraxen wegen langer Wartezeiten und viel Bürokratie.

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