In ihrer noch kurzen Karriere als Kaninchenzüchterin hat Emma Jaide schon zehn Pokale gewonnen. FOTO: DPA
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In ihrer noch kurzen Karriere als Kaninchenzüchterin hat Emma Jaide schon zehn Pokale gewonnen. FOTO: DPA

Emma und die beste Häsin

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Hünfelden- Die Ausbeute der siebenjährigen Emma Jaide in ihrer noch kurzen Karriere als Kaninchenzüchterin kann sich sehen lassen. Zehn Pokale hat die Grundschülerin bislang gewonnen, sie wurde mehrfach Kreismeisterin und hat letztes Jahr bei einer Schau sogar die "beste Häsin" gestellt, die mittlerweile verkauft ist. "Die Pokale habe ich alle in meinem Zimmer", erzählt Emma, die mit ihren Eltern in Hünfelden nahe Limburg lebt. Viele ihrer insgesamt etwa 20 Kaninchen leben in Ställen vor dem Haus, Emma züchtet gleich zwei Rassen: die lebhaften Kleinsilber hell und die stämmigen, mit Hängeohren versehenen Zwergwidder grau.

Mit ihrem Hobby ist sie mittlerweile eine Ausnahme in Deutschland. "Es könnten mehr sein", sagt Wolfgang Elias, Sprecher des Zentralverbands Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter, zum Thema Mitglieder und Nachwuchs. "Der demografische Wandel schlägt bei uns voll durch." In den beiden Landesverbänden in Hessen sind derzeit noch nicht einmal 800 Kinder und Jugendliche als Züchter registriert, vor zwei Jahren waren es immerhin 50 Nachwuchszüchter mehr gewesen. Bundesweit sackte die Zahl innerhalb dieser Zeit von 12 500 auf 9500 Kinder und Jugendliche ab, auch bei den Erwachsenen sinkt die Zahl seit Jahren drastisch.

Emma Jaide kümmert es wenig, dass sie bei den Ausstellungen auf nur wenige Kinder trifft. Sie selbst ist Mitglied im Kaninchenzuchtverein Hünfelden, freut sich über ihre Pokale und ihre Kaninchen. "Ich mag es, wenn ich mich mit ihnen draußen ins Gehege setzen kann und mit ihnen spiele", erzählt das Mädchen und zeigt begeistert auf einen der Ställe. "Da sind die Babys."

Doch generell hat die Kaninchenzucht mit Kuscheln und Kosen wenig zu tun. "Das ist ein landwirtschaftliches Nutztier", betont Elias. "Wir grenzen uns ab von Liebhabern, die nur zwei oder drei Kaninchen haben, das ist keine Zucht." Hierfür brauche man mindestens einen Rammler und mehrere Häsinnen, der Nachwuchs werde auf Ausstellungen präsentiert. Tiere würden geschlachtet, wenn sie nicht zur Zucht benötigt würden. Und die Kaninchen müssten einzeln gehalten werden, anderenfalls gebe es Rangkämpfe. "Sie sollen sich hören und riechen können - aber alleine leben." Wegen der Haltung gebe es häufig Diskussionen mit Tierschützern.

Tatsächlich sieht dies auch der Deutsche Tierschutzbund in Bonn kritisch: "Kaninchen haben naturgemäß einen großen Bewegungsdrang, sie lieben es, zu flitzen und Haken zu schlagen", sagt Henriette Mackensen. Eine Einzelhaltung sei keinesfalls artgerecht, als soziale Tiere sollten Kaninchens mindestens zu zweit leben. Auch Ausstellungen seien kritisch. "Für die Tiere bedeutet es Stress, tagelang Besucher und Lärm um sich herum zu haben und aus der gewohnten Umgebung herausgerissen zu sein."

Der Pressesprecher der Kaninchenzüchter, der selbst im nordhessischen Zierenberg lebt, sieht das naturgemäß anders. "Jeder Züchter will, dass es seinen Tieren gut geht", sagt Elias. Die Züchterzahl gehe auch wegen dem hohen Zeitaufwand zurück, schließlich müssten die Kaninchen täglich versorgt werden.

Damit hat Emma Jaide keine Probleme. Jeden Abend füttert sie ihre Kaninchen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Vater, der früher selbst diese Langohren gezüchtet hat. Sie hofft darauf, im Herbst bei den Zuchtschauen ihren Nachwuchs von diesem Jahr präsentieren zu können. "Ein bisschen Platz für Pokale habe ich noch." dpa

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