Tod im Freizeitpark

Eltern suchen Antworten

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Es war 2014, als eine Elfjährige im Karussell des Holiday Parks Haßloch stolperte und tödlich verletzt wurde. Im zweiten Verfahren um ihren tragischen Tod besuchten die Eltern nun den Unglücksort.

Der Boden im Holiday Park ist feucht, Regen fällt durch die Bäume im pfälzischen Haßloch – genau wie vor zweieinhalb Jahren, als dort die elf Jahre alte Amber starb. Im Karussell "Spinning Barrels" (drehende Fässer) steht ihre Mutter und ringt um Fassung.

Sie schreitet den Weg ab, den sie mit ihrer Tochter nahm, ehe das Fahrgeschäft das Mädchen erfasste und mehrfach überrollte. "Hier ist sie liegengeblieben", sagt die Mutter und stockt. Als sie sich fassen kann, ergänzt sie: "Ich habe mich nicht getraut, sie anzufassen, ich wollte nach dem Puls gucken, aber ich wollte nicht noch mehr kaputtmachen."

Hinter der heute 35-Jährigen aus Kelsterbach bei Frankfurt läuft ein ganzer Tross: Der Vorsitzende Richter am Landgericht Frankenthal, Uwe Gau, sowie Staatsanwälte, Anwälte, Justizbeamte, Prozessbeobachter und die beiden Angeklagten. Staatsanwaltschaft und die Eltern von Amber werfen den Mitarbeitern des Freizeitparks vor, nicht für ausreichend Sicherheit gesorgt zu haben. Das Tor zu dem Fahrgeschäft habe einfach offen gestanden, sagt die Mutter.

Mutter nimmt Angeklagte ins Visier Das Mädchen war gestürzt und von den Plattformen tödlich verletzt worden. Das Amtsgericht in Neustadt an der Weinstraße stellte fest, dass der damals 22 Jahre alte Bediener die Tür zum Fahrgeschäft offengelassen hatte. Deswegen konnten Mutter und Tochter in das Karussell steigen, als dies nicht mehr vorgesehen war. Der Mann sagte, er habe die Tür geschlossen. Die Ortsbegehung ist Teil des Berufungsprozesses.

Zuvor im Gerichtssaal 20 im Landgericht in Frankenthal sitzt die Mutter den Männern auf der Anklagebank direkt gegenüber, und nimmt die beiden ins Visier. Als Nebenklägerin darf sie Fragen stellen – und davon macht sie ausführlich Gebrauch. Wer hat das Handbuch für die Anlage erstellt, wer hat es ins Betreiberhaus reingelegt, wer rausgenommen? Funktionierte das Mikrofon? Hunderte Seiten Unterlagen hat sie dafür studiert, rigoros geht sie einzelne Punkte durch, zitiert blaue und rote Handbücher und TÜV-Prüfungen. Müde und getrieben sieht sie aus – auf ihrem Laptop klebt groß ein blauer Koala, die Kinder-Zeichentrickfigur Stitch. Schließlich wirft sie dem Angeklagten an den Kopf: "Die Wartungs- und Betriebsvorschriften sind nicht beachtet worden."

Ob das Gericht das auch so sieht, und ob es daraus ableitet, dass die beiden Angeklagten der fahrlässigen Tötung schuldig sind, wird wohl nicht vor dem 22. März feststehen.

Betriebsleiter im Fokus

Eine der Hauptfragen: Der Betriebsleiter ist für alles Mögliche von Tickets über die Einstellung des Personals bis zur Kanalisation zuständig – aber inwieweit muss er die Bediener der 24 Fahrgeschäfte überwachen? Und ist auch der Vorgesetzte schuldig, der den Bediener eingewiesen hat?

Während des Prozesses geht der Vater immer wieder die Kugeln an seinem Armband durch, seinen Kopf stützt er auf seine Hände. Er sagt, er denke dauernd an seine kleine Tochter und den Unfall. "Jeden Tag habe ich das Bild im Kopf, all das Blut." Es sei ein Kampf. "Es ist sehr schwer."

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