Elektronikversand Digitalo schließt Ende März

Butzbach (en). Die Gesellschafter der Digitalo GmbH haben beschlossen, das Unternehmen zum 31. März stillzulegen. Betroffen sind rund 40 Mitarbeiter.

Butzbach (en). »Hiermit kündigen wir das bestehende Arbeitsverhältnis aus betriebsbedingten Gründen fristgemäß zum 31.03.2009« - diese kurze, vom Donnerstag datierte Mitteilung erhielten die Mitarbeiter der Digitalo GmbH. Und so knapp wie diese Mitteilung war auch die Stellungnahme des derzeitigen Geschäftsführers Klaus Ortner: »Die Gesellschafter haben beschlossen, das Unternehmen zum 31. März stillzulegen.« Rund 40 Angestellte stehen dann auf der Straße, über eine Nachfolgeregelung ab April war von Ortner nichts zu erfahren.

Bereits im Januar war die vor knapp zehn Jahren von den Jungunternehmern Uwe Konietzke und Manuel Bach gegründete Firma in die Schlagzeilen geraten. Während des als Inventurverkauf deklarierten Schnäppchenmarktes im Zelt hatten Angestellte gegenüber Kunden Andeutungen gemacht, dass wohl mehr dahinter stecke. Die Geschäftsführung hatte auf Anfrage freilich Durchhalteparolen ausgegeben: Alles im grünen Bereich, große Inventur sei nötig, nachher gehe alles seinen gewohnten Gang weiter, lediglich »Umstrukturierungen« stünden an.

Doch hatte man Ende 2008 zum einen die beiden als Geschäftsführer tätigen Firmengründer entmachtet und den Unternehmensberater Ortner an ihre Stelle gesetzt, zum anderen waren die beiden großen, nicht lange vorher erst eröffneten Shops in Köln und Hamburg wieder geschlossen worden. Und man machte keine Geschäfte mehr mit dem Großhändler AVT. Der sitzt in der Butzbacher Otto-Hahn-Straße auf demselben Firmengelände, hatte dieselben Geschäftsführer (Bach und Konietzke) - und war offenbar von Digitalo abhängig. Jedenfalls dauerte es nur ein paar Tage, bis die AVT am 2. Januar den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Friedberg stellen musste.

Ende Januar schienen sich die Wogen wieder zu glätten: Sich geprellt fühlende Digitalo-Kunden, die sich auf den Artikel (»Digitalo.de vor Übernahme?« vom 21. Januar) in der »Wetterauer Zeitung« gemeldet hatten, wurden zufriedengestellt, von der Homepage verschwanden der Hinweis auf »technische System-Probleme« und der Satz: »An dieser Stelle möchten wir zudem ausdrücklich darauf hinweisen, dass, entgegen anders lautender Gerüchte, die digitalo GmbH nicht insolvent ist.« Stattdessen wurden wie eh und je in leuchtendem Dunkelblau Notebooks, Fernseher, Kameras, Haushaltsgeräte und mehr angeboten.

Das ist auch heute noch so, die beschlossene Stilllegung hat bisher keinen Eingang gefunden. Auch der Butzbacher Shop, der nach dem Zeltverkauf Anfang Januar geschlossen geblieben war, ist seit einiger Zeit wieder offen. Letzteres hatte Geschäftsführer Ortner im Januar auch angekündigt. Damals hieß es freilich, die vorübergehende Öffnung gehöre zum neuen Unternehmenskonzept: Man wolle sich auf den Online-Versand konzentrieren. Jetzt werden - so Ortner am Freitag auf Anfrage - im Shop und im Online-Versand die Lagerbestände abgearbeitet, ob ein weiterer Schnäppchenverkauf im März folgen werde, sei noch nicht entschieden.

Schuldig sprechen will er niemanden - ausdrücklich stellt er sich nach wie vor vor seine beiden Vorgänger Konietzke und Bach (Gerüchte über ungeklärte Außenstände hatte Ortner im Januar nicht kommentieren wollen). Die Schwierigkeiten des Unternehmens lägen vielmehr einzig und allein in der Wirtschaftsflaute begründet. Der Markt für Unterhaltungselektronik sei von einem Überangebot und minimalen Gewinnmargen geprägt, hatte es schon vor Wochen geheißen.

Bessere Aussichten als für die mittlerweile nur noch rund 40 Digitalo-Mitarbeiter (im Januar war noch von 60 bis 70 die Rede gewesen, der Geschäftsführer wollte am Freitag überhaupt keine Zahl nennen) gibt es laut Insolvenzverwalter Ralf Diehl (Gießen) für einige Mitarbeiter der AVT: Ein namhafter Investor aus der Branche habe grundsätzlich Interesse an einer Übernahme von Einkauf und Vertrieb, der Vertragsentwurf werde derzeit geprüft. Komme die Übernahme zustande, blieben einige der zehn AVT-Arbeitsplätze erhalten, hofft Diehl. Lager und Buchhaltung würden aber aufgelöst, da die interessierte Firma beides nicht benötige. Die eigentliche Insolvenz beginnt laut Diehl am morgigen Sonntag, 1. März. In den letzten Wochen habe man die Lagerbestände massiv abgebaut.

Über die Forderungen an Digitalo in Höhe von rund 250 000 Euro im Januar habe man »konstruktiv« mit der früheren Partner-Firma gesprochen und hoffe auf eine einvernehmliche Lösung, möglicherweise müsse man aber auch Gerichte entscheiden lassen.

Ob es auch im Digitalo-Domizil im April einen Nachfolger geben wird, der einen Teil der Arbeitsplatzverluste auffängt, wollte Geschäftsführer Ortner nicht sagen, im Januar hatten diejenigen, die das Ende befürchtet hatten, wenigstens auf eine Übernahme durch den Gesellschafter »Conrad Electronic Versand« gehofft - nun ist offenbar selbst diese Minimallösung in weite Ferne gerückt.

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