Mit Ketten und einem Schloss s ind die Stühle der Außengastronomie eines Restaurants nahe der Frankfurter Fressgass gesichert. FOTO: DPA
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Mit Ketten und einem Schloss s ind die Stühle der Außengastronomie eines Restaurants nahe der Frankfurter Fressgass gesichert. FOTO: DPA

Tag eins im Teil-Lockdown

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Kultur, Restaurants und Sportstätten sind seit gestern dicht. Der Teil-Lockdown kam für Hessen nicht unerwartet. Wie entwickeln sich die Zahlen und was droht ohne diese Maßnahmen? Erste Klagen laufen bereits.

Die ersten Betriebe wehren sich bereits vor Gericht gegen die Regelungen. Hessische Politiker verteidigen die Entscheidungen. Die Krankenhausgesellschaft warnt vor Überlastung der Intensivstationen. Gestern lagen alle Kommunen über der als kritisch geltenden Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Zahl der gemeldeten Infektionen mit dem Coronavirus ist in Hessen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) gestern im Vergleich zum Vortag um 1307 gestiegen (Stand 0 Uhr). Neun weitere Todesfälle wurden mit dem Virus in Verbindung gebracht, die Gesamtzahl der Opfer seit Beginn der Pandemie liegt in Hessen damit nun bei 663.

Laut dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) lagen in Hessen 204 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, das entspricht einer Belegung von zwölf Prozent aller Intensivbetten. 110 Patienten wurden demnach beatmet (Stand Montag 12.15 Uhr). Wenn es nicht gelingt, die Kurve der Corona-Neuinfektionen abzuflachen, können auch in hessischen Kliniken Engpässe drohen.

DEHOGA setzt auf Dialog

Die ersten Betriebe wehren sich gegen ihre erneuten Schließungen durch den Teil-Lockdown. "Im Zusammenhang mit dem beginnenden zweiten Lockdown sind bereits drei infektionsschutzrechtliche Normenkontroll-Eilverfahren beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingegangen", sagte ein Gerichtssprecher am Montag in Kassel. Geklagt haben die Betreiber eines Tattoo-Studios, eines Yoga-Studios und einer Musikschule. Der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen setzt auf Dialog statt Konfrontation mit der Politik. "Uns allen muss klar sein, dass wir nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen die Pandemie und ihre Auswirkungen kämpfen", sagte Hauptgeschäftsführer Julius Wagner gestern. Wenn man mit der Politik und dem Verständnis der Bürger gute Lösungen erreiche, "dann ziehen wir diesen Weg einer gerichtlichen Auseinandersetzung vor".

Für die Mehrheit der Hessen kam der Teil-Lockdown nicht überraschend. 57 Prozent rechneten vor der Bekanntgabe der Einschränkungen mit einem zweiten Corona-Lockdown, wie aus einer von der Krankenkasse AOK Hessen in Auftrag gegebenen repräsentativen Erhebung hervorgeht. Jeder fünfte Befragte gab an, bereits auf das Coronavirus getestet worden zu sein. Bei fünf Prozent der Interviewten lagen dabei Symptome vor. Rund 20 Prozent der Hessen sind demnach im vergangenen Sommer bei gesundheitlichen Beschwerden nicht in eine Arztpraxis gegangen, obwohl sie das vor der Corona-Pandemie getan hätten. "Dieses Vermeidungsverhalten hat sogar leicht zugenommen und kann im Einzelfall zu ernsthaften Folgen führen", sagte die leitende Ärztin der AOK Hessen, Angela Smith. Ausgenommen von der Frage waren Erkältungs- oder Grippesymptome.

Die meisten Hessen gehen laut Befragung davon aus, dass 2021 ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird - 31 Prozent rechnen damit innerhalb der ersten Hälfte des kommenden Jahres, 38 Prozent in der zweiten Hälfte 2021. Gefragt wurden die Hessen auch zu ihren Urlaubsplänen im kommenden Sommer. Rund 40 Prozent gehen davon aus, dass ihr Sommerurlaub 2021 stark oder eher stark gefährdet sein wird. 35 Prozent planen keinen Urlaub.

Al-Wazir und Dorn: Keine Alternative

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) verteidigten den Teil-Lockdown: "Die Infektionszahlen steigen seit Wochen an. Wir haben diesen Trend bis heute nicht stoppen können", erklärten sie. Das lasse nur einen Schluss zu: Man müsse die Kontakte wieder massiv reduzieren. Es gebe keinen anderen Weg, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

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