Einer der schönsten Jobs

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Unser vielseitiges Bundesland ist Thema der Serie "Hessisch!". So unterschiedlich und einzigartig die Menschen in Hessen sind, sind es auch ihre Berufe. Einen der schönsten hat Tierpflegerin Désirée Studt im Kronberger Opelzoo. Ein Traumjob, der jedoch viel Leidenschaft erfordert.

Tierpfleger zu sein, ist nicht gerade ein einfacher Beruf, aber er ist wohl einer der schönsten Berufe, die es hier in Hessen gibt. Für Désirée Studt ist ihr Job als Tierpflegerin im Kronberger Opelzoo nicht mal ein Beruf, sondern eine Berufung.

"Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet", sagt die 37-Jährige. Sogar ihre Wohnung liegt direkt auf dem Gelände des Zoos. Ein Vorteil, wie sie findet. "Bei Notfällen bin ich direkt greifbar und kann einspringen." Die Tiere empfindet sie wie eine Art Kinderersatz, für die Studt als "Ziehmutter" jederzeit da ist.

Es ist gerade kurz nach 8 Uhr, die morgendliche Besprechung im Wirtschaftshof mit allen 16 Tierpflegern, den Auszubildenden und Praktikanten ist vorbei, und Studt läuft ihren alltäglichen Rundgang durch die Tiergehege ab. Wie sie auf den Job "Tierpflegerin" kam, ist für die gebürtige Kielerin leicht zu beantworten. "Das trägt man einfach in sich." Schon als Kind war Studt viel draußen, sammelte Schnecken im Glas oder Frösche. "Tiere sind auch so unglaublich ehrlich, die machen einem nichts vor", sagt sie.

Straffes Programm

Studt ist eine recht zierliche und natürliche Frau mit wachen Augen und einer positiven Ausstrahlung. Bis Dienst- ende um etwa 17 Uhr hat sie noch einiges zu tun. Das Tagesprogramm eines Tierpflegers ist straff - die Tiere warten schließlich auf ihr Futter, wollen aus den Ställen und eine saubere Unterkunft.

Für all das ist Désirée Studt zuständig und noch mehr. Ihr Arbeitsbereich ist eines der insgesamt fünf Reviere im Zoo - und zwar das Meso-Revier. "Das beste", wie Studt findet. Denn dieses Revier ist wegen seiner verschiedenen Tierarten recht abwechslungsreich.

Die Mesopotamischen Damhirsche, die Namensgeber des Reviers, sind es dann auch, die als Erste ihr Futter bekommen. Ein paar der Tiere erwarten Studt bereits am Gatter. "Die wissen schon, was los ist. Die haben Hunger", weiß sie. Mit schnellen und routinierten Bewegungen öffnet sie den Riegel zum Gatter und stampft durch den knöchelhohen, kalten Matsch zu den Trögen.

Gegen das Wetter und die körperliche Arbeit ist die Tierpflegerin schon lange abgehärtet - muss sie sein. "Der Beruf verlangt einem einiges ab, man muss Leidenschaft haben, sonst kommt man nicht weit", sagt sie.

Schon ein paar Minuten später sind die Tröge voll und Studt wieder vor der Anlage. Ein kurzer Blick, ob auch alle Gatter zu sind, und weiter zu den Elenantilopen, Straußen und roten Pandas. Bis halb 10 Uhr will Studt alle Tiere im Revier gesehen haben.

Routinen einzuhalten ist wichtig in diesem Beruf, denn so können sich die Zootiere an die Abläufe gewöhnen und werden entspannter gegenüber den Pflegern. Schon kleinste zeitliche Änderungen werden den Pflegern übel genommen. Zum Beispiel, wenn die Uhr umgestellt wird. "Da habe ich schon manchmal das Gefühl, dass ich vorwurfsvoll angeschaut werde", sagt Studt und muss lachen. Sie erzählt viel und gerne von den Tieren im Zoo, über ihr Verhalten, ihren Charakter, grüßt sie mit Namen, krault manchem den Kopf und klärt nebenbei über deren evolutionären Ursprung auf.

Diese Faszination für die Tiere hat laut Studt jeder Pfleger und untereinander gibt es kaum andere Gesprächsthemen als die Tiere. "Tierpfleger hängen viel zusammen rum, anderes Privatleben hast du kaum und es geht immer nur um den Job", sagt Studt und lächelt. Für sie ist das etwas Schönes, denn ihre Kollegen teilen ihre Leidenschaft.

Auf dem Weg zu dem Gehege der Minischweine braucht Studt ein wenig mehr Kraft, um ihre voll geladenen Schubkarre den Berg hochzuschieben. "Das ist das Einzige, was ich am Taunus nicht mag, bergauf laufen", sagt sie.

Ansonsten kann sie sich jedoch keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. "Die Anlagen sind schön groß, die Tiere können laufen, aber sich auch zurückziehen." Ein großer Unter- schied zu den Stadt-Zoos. Außerdem hält sie die frische Taunus-Luft fit und gesund.

Obwohl Studt alle Tiere im Zoo gleich behandelt, gibt es doch ein paar, zu denen sie eine besondere Beziehung hat. Darunter auch Suki, eine kleine weiße Hirschziegenantilope, die sich von Studt sogar anfassen lässt. Sie wurde von ihrer Mutter nach der Geburt verstoßen. Studt zog sie daraufhin mit der Hand auf.

Eine der letzten Anlagen auf Studts Route ist die von Gepardenmännchen Tebo. Mit einem Stück rohen Rindfleischs lockt die Tierpflegerin den Gepard von dem Freigehege, um das Gelände zu kontrollieren. "Geparden sind gar nicht so weich, wie man denkt, ihr Fell fühlt sich eher grobhaarig an", erklärt sie. Das Fell eines roten Panda beschreibt sie dagegen als "genauso weich, wie es aussieht". Beides hat sie schon angefasst.

Mit einer Kaffeepause, pünktlich um halb 10 Uhr, ist Studts Morgenrundgang beendet. Gleich geht es weiter zur Wildtierauffangstation, bei der sie bis zum Mittag kranke und verletzte Tiere versorgt. Dann beginnt die zweite Runde im Revier und um etwa 16 Uhr werden alle Tiere reingeholt. "Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich komplett ausgelastet, ausgeglichen und glücklich", sagt sie. "Und dafür werde ich auch noch bezahlt."

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