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"Ein Restrisiko bleibt"

  • Sabine Glinke
    vonSabine Glinke
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In der Silvesternacht starben bei einen Brand im Krefelder Zoo mehr als 50 Tiere. Wie sind hessische Zoos und Tierparks auf Katastrophen wie diese vorbereitet? Welche Vorkehrungen gibt es?

In der Silvesternacht 2019/ 2020 ereignete sich im Krefelder Zoo ein verheerendes Feuer: Das Affenhaus brannte nieder, über 50 Tiere starben in den Flammen. Vermutlich wurde der Brand durch abgestürzte Himmelslaternen ausgelöst. Die Diskussionen vor allem in den sozialen Medien schwappten über: War der Brandschutz im Zoo nicht ausreichend? Hätte das tragische Ereignis verhindert werden können?

Dr. Stefan Stadler, Vizedirektor des Frankfurter Zoos, spricht in Bezug auf den Brandschutz für die Tiere von einer Abwägungssache. "Unser erstes Anliegen als Zoo ist es, unsere Tiere artgerecht zu halten." Dies bedeute: Naturnahe Gehege und den Einsatz von natürlichen Materialien wie Holz oder Rindenmulch. Natürlich brenne solches Material leichter als die früheren "Schaukäfige", die man auch aus dem Frankfurter Zoo noch kenne.

Stadler nimmt damit Bezug auf die alten Affen- und Raubtierhäuser, die eher an Schwimmbecken erinnerten als an echte Lebensräume. "Man muss hier zum Wohl der Tiere abwägen", sagt der Vize-direktor. Die Haltung in einem naturnahen Lebensraum sei wichtig für die dauerhafte Lebensqualität, ein Brandgeschehen dagegen äußerst unwahrscheinlich.

Ihm sei kein größeres Feuer im Zoo bekannt seit den Zerstörungen durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Bezüglich der Rettung von Tieren bei einem Brand sieht Stadler ein weiteres Problem: "Wenn es im Zoo zu einem Brand kommt, dann ist die Feuerwehr zunächst darum bemüht, die Menschen, die sich dort aufhalten, zu schützen, also auch die Mitarbeiter des Zoos."

Die Idee, dass man in einem solchen Fall die Tiere zumindest in die Außengehege lassen könnte, sieht er zwiegespalten: "Das klingt in der Theorie gut, aber selbst die Pfleger, die mit ihnen sehr gut vertraut sind, wissen nicht, wie sich die Tiere in einem solchen Fall verhalten."

Zum Schutz der Besucher und der Mitarbeiter sind die Tierhäuser im Frankfurt Zoo auch gemäß der aktuellen Brandschutzbestimmungen mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, sagt Stadler. Ein erhöhtes Restrisiko bleibe, gerade etwa in der Silvesternacht: "Wir sind ein Stadtzoo", sagt Stadler, "und wir wären froh, wenn die Frankfurter in unmittelbarer Nähe zum Zoo auf Feuerwerk verzichten würden."

Auch Joachim Olleck, der Leiter des Wildparks Tierpark Weilburg, schließt eine Gefahr für die Tiere durch einen Brand weitestgehend aus. Zwar seien die Sommer trockener und die Waldbrandgefahr in den heißen Monaten damit gestiegen, einen Fall wie in Krefeld kann er sich aber kaum vorstellen. "Wir sind ein Wildpark, kein Zoo. Unsere Gehege sind viel weitläufiger, die Tiere leben nicht in Tierhäusern und haben demnach ausreichend Fluchtmöglichkeiten. Das müsste schon ein Waldbrand in größerem Umfang sein, damit es gefährlich wird."

Gefahr durch Fuchs, Habicht und Co.

In allen Gebäuden im Tierpark gebe es Brandmeldeanlagen, außerdem seien an zentralen Stellen im Park Wasserentnahmestellen eingerichtet. Dazukommen mehrere Teiche, aus denen per Saugpumpe Wasser entnommen werden könnte. Auf dem gesamten Areal des Parks herrsche außerdem Rauchverbot. Einzig für die beiden Braunbären gebe es ein festes Tierhaus, in dem sie die Nacht verbringen. Dieses sei mit einer Warnmeldeanlage ausgestattet, die neben Bränden auch vor dem Ausfall der Elektronik warne, etwa wenn bei einem Sturm ein Baum auf den Gehegezaun gestürzt sei.

Ein Stadtzoo zu sein, wie der Frankfurter Zoo, der mitten im Nordend am belebten Alfred-Brehm-Platz liegt, das birgt weitere Gefahren. "Unsere Mauern sind nicht unüberwindbar", sagt der stellvertretende Direktor, man könne den Zoo daher nachts nicht sich selbst überlassen, zumal es auch Tiere gebe, die zwecks Verbesserung der Lebensqualität auch nachts Zugang zu den Außengehegen hätten.

Den Flamingos des Zoos wurde das schon zweimal zum Verhängnis. 2007 wurden drei Flamingos geköpft, einer erdrosselt, 2014 wurden 15 Flamingos getötet. War medial zunächst spekuliert worden, dass dies auf einen menschlichen Täter zurückging, zeigten Untersuchungen beim 2014er-Fall sehr schnell, dass der Übertäter auf den Namen Meister Reineke hörte. "Rückblickend betrachtet ist davon auszugehen, dass es 2007 auch ein Fuchs war", sagt Stadler. Den Zoo habe man mittlerweile weitestgehend fuchssicher gemacht, das Flamingogehege entsprechend umgestaltet, bei neuen Gehegen wie der Pinguinanlage habe man den Aspekt gleich mit eingeplant.

Probleme mit anderen Tieren hatte auch der Tierpark in Herborn-Uckersdorf: Dort wurden 2012 zwei Kängurus und zwei Vögel durch einen streunenden Hund gerissen. Auch durch Marder oder Waldkäuze waren bereits Verluste bei den Wellensittichen zu beklagen, einmal wurde ein Lachender Hans von einem Habicht enthauptet. Etwas, das Dr. Britta Löbig, der geschäftsführenden Leiterin des Tierparks Herborn, zufolge nie ganz zu vermeiden ist: "Mit Beutegreifern wurde sicherlich jeder Halter, der seine Tiere im Außenbereich hält, schon einmal konfrontiert."

Auch der Mensch ist ein Risiko

Man könne den Tieren ihre Beutezüge nicht verübeln, das liege nun einmal in ihrer Natur. "Unser Außenzaun ist zum Glück durch Untergrabschutz fuchssicher. Bei der Wellensittichvoliere haben wir ein Nachtlicht an, damit die Tiere durch Waldkauz oder Marder von außen nicht im Dunklen in Panik geraten, das funktioniert ganz gut", so Löbig.

Neben Brandgefahr und Tieren gibt es auch noch einen weiteren Risikofaktor für die Tiere: den Menschen. Denn tragischer als der Flamingofall war für den Frankfurter Zoo ein von Menschen verursachtes Drama: 2014 verstarb der Flusspferdbulle Maikel an einem Darmverschluss, nachdem er von einem Besucher mit einem Tennisball gefüttert worden war.

Auf menschliches Versagen gehen auch die Probleme zurück, mit denen das Wildgehege Herborn im vergangenen Sommer zu kämpfen hatte. Auf dem weitläufigen und offen jederzeit zugänglichen Areal hatten Vandalen ihr Unwesen getrieben - Spielgeräte, Skulpturen, Zäune waren mutwillig zerstört worden. "Natürlich gibt es regelmäßige Kontrollgänge vom Förderverein und auch die Forstmitarbeiter sind ab und zu für Arbeiten im Gehege vor Ort", sagt Jeffrey Arnold vom Vorstand des Fördervereins, "aber es ist eben nicht durchgängig jemand dort." Der Verein hat daher eine Notrufnummer eingerichtet, die im Wildpark einzusehen ist, und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Das Problem mit dem Vandalismus kennt auch Joachim Olleck. Mehrere Einbrüche ins Kassenhaus und die im Tierpark gelegene Gaststätte hätten nicht nur zum Umbau des Eingangs geführt, sondern auch dazu, dass der Wildpark mit Alarmanlagen und Überwachungskameras ausgestattet wurde. "Der Alarm geht bei verdächtigem Verhalten über die entsprechende Sicherheitsfirma direkt an die Polizei", sagt Olleck. "Seitdem haben wir keine Einbrüche mehr."

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