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Ein Jahr für die Kelten

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Hessen will im kommenden Jahr die Kelten und ihre Geschichte in den Fokus rücken. 2022 findet das erste große Archäologie-Jahr im Land statt, um das reiche kulturelle Erbe der Kelten in Hessen zu zeigen, wie das Wissenschaftsministerium gestern mitteilte. Vorgestellt wurde das Vorhaben in Bad Nauheim, wo bereits die Kelten salzhaltige Quellen zur Salzherstellung genutzt hatten.

Sie pflegten Kontakte in Europa. Lebten wie unsereiner in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, hervorgerufen durch den Siegeszug neuer Techniken. Anders als wir, kannten die Kelten aber keine Schrift. Das macht die Erforschung des Volks aus der Eisenzeit so schwierig. Doch der Erkenntnisgewinn ist fortgeschritten. So weit, dass die Archäologie in Hessen die Zeit gekommen sieht, den Kelten ein eigenes Jahr zu widmen. Bei einer Auftaktveranstaltung gestern in Bad Nauheim verrieten die Beteiligten, was sich verbirgt hinter dem Titel »Keltenland Hessen - archäologische Spuren im Herzen Europas«.

In den vergangenen Jahren förderte der Bauboom, vor allem im Rhein-Main-Gebiet, Tausende neue Funde zutage. Keine derart spektakulären wie den Keltenfürsten vom Glauberg mit kostbaren Grabbeigaben, der an seinem Fundort im Wetteraukreis vor zehn Jahren ein eigenes Museum erhielt. Doch viele interessante Stücke, die dazu beitragen, Alltag und Arbeitswelt rekonstruieren zu können.

Museen, Vereine, Institutionen: Viele haupt- oder ehrenamtlich in der Archäologie Tätige in ganz Hessen sind an dieser Arbeit beteiligt. Auf Anregung der Keltenwelt Glauberg beschlossen sie vor drei Jahren das gemeinsame Projekt. Der Start verschob sich coronabedingt um ein Jahr. Die Motivation litt nicht darunter, wie die begeisterte Direktorin der Keltenwelt, Vera Rupp, versicherte. Einmalig sei diese hessenweite Aktion. Viele neue Stücke gebe es zu bewundern. Mitmachaktionen seien geplant, Exkursionen, Ausstellungen - für jeden Geschmack und jedes Alter sei etwas dabei. Das Keltenmobil werde die Schulen ansteuern, Lehrkräfte können Infomaterial abrufen.

Außer den drei zentralen Ausstellungen in Glauberg, Frankfurt und Fulda gibt es auch in vielen anderen Museen Neues zu entdecken: Das Vordertaunusmuseum in Oberursel plant eine Sonderschau zum Heide-Oppidum und eine App für Kinder. Mit einer Wanderausstellung sind Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und der Main-Kinzig-Kreis unterwegs. Auch hier gibt es museumspädagogische Angebote. Die Eisenzeit zum Anfassen verspricht Zeiteninsel, das Archäologische Freilichtmuseum Marburger Land in Weimar. Originalgroße Rekonstruktionen von Haus, Hof und Feld lassen die Vergangenheit lebendig werden.

Highlights Glauberg und Dünsberg

All das sind nur Ausschnitte. Fundstätten aus der Zeit von 800 bis ein Jahrhundert vor Christus sind von Kassel bis Michelstadt, von der Lahn bis zum Fuldaer Land dokumentiert. Mit dem Glauberg ragen Plätze heraus wie die Milseburg in der Rhön, der Altkönig im Taunus, die Alteburg bei Niedenstein, der Christenberg im Marburger Land, der Dünsberg im Kreis Gießen oder die Grabhügel im Frankfurter Stadtwald. Im Idealfall weitet der Blick auf die Vergangenheit den auf das Heute.

»Das reiche kulturelle Erbe der Hessen wird noch sichtbarer«, sagte Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne), die am gestrigen Mittwoch auf ihrer Sommertour einen Stopp in Bad Nauheim einlegte. Das Archäologie-Jahr sei eine einmalige Gelegenheit, »vermeintlich Bekanntes aus einer neuen Perspektive zu entdecken«. Der Erfolg der Mathildenhöhe in Darmstadt mache Mut: Auch der Glauberg mit seinen landschaftsprägenden Grabhügeln habe das Potenzial zum Welterbe-Status. Die Verantwortlichen in der Archäologie arbeitet schon an der Bewerbung. Bis Oktober muss sie fertig sein.

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