Walter Reber
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Walter Reber

Am eigenen Traumgarten arbeiten

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Walter Reber hat gut zu tun und einen vollen Terminkalender. Aber hektisch wird er nicht so schnell. Und er wirkt kein bisschen gestresst. Wenn er sich Zeit genommen hat für ein Gespräch, dann schaut er nicht auf die Uhr, beantwortet geduldig alle Fragen. Wer wie er Schweizer Dialekt spricht, so gut wie immer freundlich ist, hat nur wenige Probleme - im Job, in der Familie und überhaupt im Leben. Reber erzählt von Gärten. Das ist seine Welt.

Walter Reber ist Gärtner aus Leidenschaft. Draußen sein, gestalten, Beete anlegen, Teiche bauen, Hecken und Bäume pflanzen - das ist sein Ding. Manche Gartenexperten haben eine Philosophie, vertreten eine bestimmte Richtung. Reber ist offen für die Wünsche seiner Kunden, aber eine Steinwüste ohne Erde und ohne Pflanzen würde er nicht anlegen. Da endet seine Kompromissbereitschaft. "Das ist keine Frage des Geschmacks, das ist eine Frage, ob ich einen Garten anlege oder eine Schotterfläche." Ansonsten kann man mit ihm über alles reden. Über alle Gartentypen, über die Bepflanzung. Auch über die Geschichte der Gärten. Er kennt sich aus mit Zier-, aber auch mit Nutzpflanzen, mit Bäumen und Hecken, weiß, wie man eine Rasenfläche anlegt. Das gehöre ohnehin alles zum Grundsortiment. Aber Reber erfüllt auch ausgefallene Wünsche - wenn sie sich denn irgendwie in der Praxis umsetzen lassen.

Reber lobt seine Kunden und auch die Menschen, die komplett eigene Wege gehen, sich keinen Gartenbauer aufs Grundstück holen. Gut ausgelastet ist er ohnehin. Gerade jetzt in der Corona-Zeit hat er viel zu tun, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. "Wenn ich Kunden zur Erstberatung besuche, dann stelle ich in den meisten Fällen fest, dass die Menschen sich heute viel intensiver mit dem Thema Garten beschäftigen. Es ist in den letzten Jahrzehnten viel Wissen verloren gegangen, aber die Kunden von heute holen sich dieses Wissen zurück." Dabei sei auch das Internet hilfreich. "Die Kunden haben Ideen, haben sich schlau gemacht, Fachwissen angeeignet, sich umgeschaut. Sie haben meist eine klare Vorstellung davon, wie ihr ›Traumgarten‹ aussehen soll." Dennoch bleibt für ihn noch viel zu tun, denn die Idee muss auch machbar sein, es muss geplant werden und dann komme ja auch noch der praktische Teil. "Viele an Gärten interessierte Menschen wollen sich verwirklichen, wollen etwas schaffen - und das können sie im Garten (in den meisten Fällen) ohne einen Bauantrag, sagt Reber. Meist könne er die Wünsche der Kunden umsetzen. "Wir sind breit aufgestellt."

Früher habe man die Kunden aufgrund ihres Berufes, ihres Auftretens gut einem Gartentyp zuordnen können. "Heute ist das nicht mehr so einfach. Da kann es sein, dass der Anzug tragende Steuerberater einen sehr naturnahen Garten möchte - mit Ecken, in denen auch das sogenannte Unkraut wachsen kann, in denen sich kleine und auch größere Tiere wohlfühlen. Und der cool auftretende Marketingstratege möchte vielleicht einen durchgestylten und sehr pflegleichten Garten."

Nutzgarten erlebt sein Comeback

Reber wird zusammen mit Christine Schwarzer von der Baumschule Engelhardt (Gießen) und mit Marco Seidl von Japanträume (Ober-Wöllstadt) die Jury für den Gartenwettbewerb unserer Tageszeitungen bilden. Reber wohnt und arbeitet in Lich. Für ihn ist die Aufteilung des Wettbewerbs in drei Kategorien eine sehr gute Grundlage für eine faire Beurteilung: "Für einen Ziergarten gibt es keinen Anfang und kein Ende. Man kann ihn nicht in eine Schablone pressen. Denn die Bandbreite reicht eben vom parkähnlichen Grundstück bis zur kleinen grünen Insel hinter dem Reihenhaus." Ziergärten sollten auf jeden Fall einen Erholungseffekt haben - egal wie groß der Garten sei. Ein einzelner Balkon könne diese Vielfalt nicht bieten. "Trotzdem kann die Pflege der wenigen Pflanzen auf dem Balkon mehr Aufwand bedeuten als die in einem Garten anfallenden Arbeiten." Und ein Nutzgarten sei auch nicht mit einem Ziergarten vergleichbar. Obwohl ein Nutzgarten manchmal in einen Ziergarten integriert sei. Und umgedreht. "Nutzgärten erleben ein großes Comeback. Früher hat man gesagt: Für das Geld, das ein Salatpflänzchen kostet, bekomme ich im Sommer im Geschäft einen ganzen Kopf. Heute darf es was kosten."

Nachhaltigkeit ein großes Thema

Wichtig für die Menschen sei heute, dass der Salat in ihrem eigenen Garten gewachsen ist. Die Geiz-ist-geil-Mentalität sei im Bereich Garten vorbei. "Man achtet auf Nachhaltigkeit, auch was das Werkzeug betrifft. Da darf ein englischer Spaten dann auch schon mal mehr als 100 Euro kosten."

Walter Reber freut sich auf das Sichten der vielen Leserzuschriften: "Dass schon jetzt so viele Bewerbungen eingegangen sind, zeigt doch: Die Menschen sind stolz auf ihre Gärten. Sie wissen, wie viel Arbeit da drinsteckt. Insofern ist das ein toller Wettbewerb, zu dem auch ich gerne einen Beitrag leiste."

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