Mit der eigenen Sole der Winterglätte trotzen

Bad Nauheim (jw). Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Warum teures Streusalz für den Winterdienst einkaufen, wenn das "Gute" in Bad Nauheim aus dem Erdreich sprudelt: Sole. Das Salz-Wasser-Gemisch wird in der Kurstadt nicht nur für Anwendungen im Inhalatorium oder für die Bewegungstherapie an den Gradierbauten genutzt. Seit diesem Winter wird es auch auf die Straßen aufgetragen, wenn Blitzeis und überfrierende Nässe im Anmarsch sind.

Bad Nauheim (jw). Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Warum teures Streusalz für den Winterdienst einkaufen, wenn das "Gute" in Bad Nauheim aus dem Erdreich sprudelt: Sole. Das Salz-Wasser-Gemisch wird in der Kurstadt nicht nur für Anwendungen im Inhalatorium oder für die Bewegungstherapie an den Gradierbauten genutzt. Seit diesem Winter wird es auch auf die Straßen aufgetragen, wenn Blitzeis und überfrierende Nässe im Anmarsch sind. Der Kur- und Servicebetrieb (KuS) hat für diesen Zweck ein Solesprühgerät angeschafft, Bürgermeister Bernd Witzel verspricht sich von dessen Einsatz nicht nur sichere Straßen. "Das schont die Umwelt, wir bekommen die Streusalzknappheit besser in den Griff und können dabei noch Geld sparen." Witzel stellte mit KuS-Leiter Frank Müller und Bauhofleiter Norbert Klötzl das Solesprühgerät vor.

Die UWG-Fraktion hatte im vergangenen Jahr im Parlament die Frage gestellt, ob die Stadt beim Winterdienst nicht auf die eigene Sole zurückgreifen könne. Die nordhessische Kurstadt Bad Karlshafen macht es bereits, der KuS holte dort Erkundigungen ein und schaffte ein Solesprühgerät der Marke "Epoke Virtus SL Flüssigkeitsstreuer" an. Rund 50 000 Euro kostet das Gerät, die Stadt hat es zunächst für drei Monate vom Hersteller geliehen, um das Verfahren auszuprobieren. Müller rechnet damit, dass die Stadt dadurch rund 200 Tonnen Streusalz einspart, die erst gar nicht angeschafft werden müssen. Bei 80 Euro pro Tonne amortisiere sich das Solesprühgerät nach drei Jahren.

Wobei es beim Salzeinkauf oft nicht bei 80 Euro bleibt: Im Dezember, als das Salz deutschlandweit knapp wurde, bekam der KuS ein Angebot über 300 Euro pro Tonne Salz plus Steuer und Frachtgebühren auf den Tisch. 16 000 Euro muss die Stadt jährlich für Streusalz ausgeben. Die werden künftig weitgehend eingespart, da die Sole kostenlos ist. Sie hat einen Salzgehalt von 15 Prozent. Gesammelt wird sie in zwei Becken am Gradierbau III und am Schulzentrum. Durch Zugabe von Salz werden die erforderlichen 22 Prozent erreicht. Der Tank auf dem Winterdienstfahrzeug fasst 7500 Liter. 130 Kilometer Straße müssen die Bauhofmitarbeiter im Winterdienst abfahren.

Durch den Gradierbetrieb werden jährlich rund 8000 Kubikmeter Sole produziert. Der Winterdienst benötigt aber höchstens 800 Kubikmeter. Den Rest könnte die Stadt an andere Kommunen oder Straßenmeistereien abgeben, die ebenfalls auf Solestreuung umstellen. So könnte sich eine neue Einnahmequelle ergeben.

Das Solesprühgerät war bereits zweimal im Einsatz. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Salzstreu- oder Salzlaugesprühgeräten: Die Hochdrucksprühanlage, die am Heck des Winterdienstfahrzeugs befestigt wird, hat einen höheren Wirkungsgrad, die Sprühbreite ist variabel einstellbar, reicht von drei bis elf Meter und wird im Fahrerhaus elektronisch gesteuert. Die gesamte Fahrbahnbreite kann abgedeckt werden.

Das Solesprühgerät kommt bei Temperaturen zwischen plus zwei und minus sieben Grad Celsius zum Einsatz, vorbeugend sowie bei überfrierender Nässe, Glatteis und Blitzeis. Bei Schneefall eignet sich das Gerät nicht. Der Salzauftrag ist wesentlich geringer. Weiterer Vorteil: Beim herkömmlichen Verfahren wird tonnenweise Splitt auf die Straßen aufgetragen. Die Entsorgung mit Kehrmaschinen ist mit einem großen Aufwand verbunden. Auch das entfällt künftig.

In Skandinavien ist der Einsatz von Solesprühgeräten seit langen Jahren gängige Praxis. Auch in Deutschland findet das Thema immer mehr Aufmerksamkeit. So hat die Stadt Duisburg die Geräte in den Dienst genommen und die Autobahnmeistereien fahren seit geraumer Zeit Feldversuche. Ein Testabschnitt ist die A 5.

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