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Ehrenamtspreis für Heimatforscher Kurt Rupp

Ober-Mörlen (hau). Regen Zuspruch fand am Freitagabend der Neujahrsempfang der Gemeinde im Dorfgemeinschaftshaus Langenhain-Ziegenberg. Bürgermeister Jörg Wetzstein begrüßte Vertreter aus Vereinen, Verbänden, Kirche, Politik und Wirtschaft zum "Arbeitsauftakt in ein neues und für uns alle hoffentlich erfolgreiches Jahr".

Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Ehrenamtspreises der Gemeinde an Heimatforscher Kurt Rupp, Ober-Mörlens "wandelndes Geschichtsbuch". Der Gesangverein Liederkranz begeisterte mit seiner breit gefächerten musikalischen Umrahmung. Als blühendes Beispiel für Leistungskraft erläuterte Dietrich Sekels seine Firma für Spezialmetalle, und besonders viel Farbe brachten die Abordnungen der beiden Fastnachtsvereine in die gut gestimmte Runde, darunter ihre Hoheiten Prinz Volker I. und Prinzessin Heike I. nebst Mohr und Hofstaat von der KG Mörlau sowie das MCC-Funkenmariechen Sarah Heck mit ihren Roten Funken und Vorständen.

Obschon Freud und Leid immer eng beieinander stünden, hätten "sehr viele von uns Anlass, voll Dankbarkeit zurück und voll Zuversicht voraus zu schauen", begann der Rathauschef seinen Dank an alle, die sich in besonderer Weise fürs Gemeinwohl einsetzten. Nach wenigen Wochen im Amt maße er sich keinen Jahresrückblick an, sagte Wetzstein, unterstrich aber seine Freude darüber, dass einmal im Jahr ans Licht trete, was "sonst meist nur im Verborgenen blüht".

Der Bürgermeister ging auf das tief verankerte bürgerschaftliche Engagement und auf das "Herzblut der guten Geister" ebenso ein wie auf die Leistungsträger, die dank ihres persönlichen Einsatzes auch die Gemeinschaft mit einer Kapitaldecke ausstatteten, "um eine gute Infrastruktur für alle in ihr lebenden Mitglieder zu gewährleisten". Gemeinsam mit allen Erwerbstätigen "sorgen unsere Betriebe dafür, dass unsere Gemeinde wirtschaftlich stabile Verhältnisse vorweisen kann". Die Kommune brauche weiterhin "Ihren unermüdlichen Einsatz für die gemeinsame Sache", schloss Wetzstein seine kompakt-herzliche Neujahrsansprache.

Seine seit vielen Jahren in Ober-Mörlen angesiedelte Spezialfirma für technische Produkte im Umfeld des Magnetismus stellte Firmenchef Dietrich Sekels vor. Über 25 Mitarbeiter, vor allem Physiker und Ingenieure, entwickelten im engen Schulterschluss mit rund 650 Kunden in weltweit 37 Ländern individuelle Spezialmetalle und Systeme.

Die Fertigung und Distribution in Sachen Medizintechnik, Automotive, Luft- und Raumfahrt, Kommunikationstechnik oder erneuerbare Energien gehörten zum Spektrum des weltweit führenden Spezialisten ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen. "In Ober-Mörlen haben wir stets gute Unterstützung erfahren", unterstrich Sekels.

Wie kein Zweiter hat sich Kurt Rupp mit der Ortsgeschichte auseinandergesetzt und sie auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In seiner Laudatio auf den Ehrenpreisträger ging Parlamentsvorsteher Gerd-Christian Freiherr von Schäffer-Bernstein auf dessen unermüdliches Engagement ein. "Unzählige Kolumnen, Heften, Broschüren und Büchern sind seit den 1980er Jahren erschienen und haben Ober-Mörlen und Langenhain-Ziegenberg von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet."

Themen waren unter anderem die Hoftore, die Schäferei, Grenzsteine, Usa-Brücken und das älteste Pfarrbuch. Kurt Rupp recherchierte und schrieb über die Geschichte des Ober-Mörler Schlosses, der Pfarrkirche St. Remigius und die "Siedlung". Er verfasste Bücher zu den heimischen Gasthäusern, über Müller, Bäcker und ganz aktuell über die Auswanderer aus beiden Ortsteilen. Wesentlich beteiligt war Rupp an der Chronik zum 1200-jährigen Bestehen des Dorfes im Jahr 1990, und große Bedeutung hat sein 500 Seiten starkes Buch zu 120 Jahren "Ortsgeschichte im Spiegel von Zeitungsberichten" aus den Jahren 1834 bis 1954. Besondere Aufmerksamkeit erregten überregional seine Dokumentationen zum ehemaligen Führerhauptquartier "Adlerhorst".

Weit über 1000 gedruckte Seiten basierten auf den unermüdlichen Recherchen, auf sorgsam archivierten Dokumenten und Fotografien, wurde Kurt Rupps Sisyphusarbeit als lebendiges Gedächtnis des Dorfes gewürdigt. Zudem habe Rupp alles im Eigenverlag publiziert, also auch finanziert. Überdies schrieb er akribisch die Kirchenbücher ab und öffnete vielen Familien aus aller Welt den Blick in ihre Vergangenheit. Nicht zuletzt bei Ausstellungen und Führungen hat Ober-Mörlens wandelndes Geschichtsbuch kleinen wie großen Leuten die Vergangenheit ihrer Heimat nähergebracht.

Bürgermeister Wetzstein verband seine Gratulation an den Ehrenpreisträger mit dem Dank an dessen Ehefrau Edda für ihre Unterstützung. Der Beifall der Festgäste wollte kaum enden. Tosenden Applaus gab es beim Übergang zum geselligen Teil des Abends auch für den Liederkranz um Chorleiter Martin Bauersfeld. Nach einem flotten "Lollipop", einem Besuch bei "Barbara Ann" und harmonischen Heimatweisen klang das Programm mit einem Gospel, dem Irischen Segen und Gänsehautgefühl aus. "Ich wusste gar nicht, dass wir in Langenhain so einen tollen Chor haben", lobte der Bürgermeister und lud zum Umtrunk ein.

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