Trotz des Regens der vergangenen Tage hat der April fast einen neuen Negativrekord beim Niederschlag gebracht. Meteorologen gehen davon aus, dass solch trockene Frühlingsmonate nicht mehr wie früher die Ausnahme bilden, sondern zukünftig zur Regel werden. FOTO: DPA
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Trotz des Regens der vergangenen Tage hat der April fast einen neuen Negativrekord beim Niederschlag gebracht. Meteorologen gehen davon aus, dass solch trockene Frühlingsmonate nicht mehr wie früher die Ausnahme bilden, sondern zukünftig zur Regel werden. FOTO: DPA

Eher Regel als Ausnahme

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Ein bisschen Regen in den vergangenen Tagen - doch es wirkt immer noch ehe wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Der April zeichnete sich weniger durch wechselndes Wetter als vielmehr durch reichlich Sonnenstunden aus. Wälder, Äcker und Felder lechzen aber gerade jetzt nach Feuchtigkeit.

Es ist eine kuriose Situation: Bestes Ausflugswetter, beinahe sommerliche Verhältnisse in einem April, zu Ostern, in den Ferien. Die Biergärten und Ausflugslokale müssten eigentlich voll sein. Doch die Corona-Krise schränkt das öffentliche Leben so stark ein, dass auch bei den Sonnenanbetern und Ausflüglern keine Freude aufkommen will. Bei Bauern, Forstleuten - aber auch bei vielen Hobbygärtnern - erst recht nicht. Denn es fehlt am notwendigen Nass von oben, um das Pflanzenwachstum zu befördern.

Dabei sah es im vergangenen Herbst und Winter, nach zwei extrem trockenen Jahren, gar nicht so schlecht aus. "Allgemein kann gesagt werden, dass von Ende September 2019 bis Mitte März 2020 in Deutschland insgesamt deutlich mehr Niederschläge als üblich fielen", erklärt Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Regionalen Wetterbüro Essen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach.

Mehr Sonne und weniger Regen

"Besonders der Februar war sehr nass, er brachte im deutschen Flächenmittel sogar das 2,5-Fache der üblichen Niederschlagsmenge." Die Bodenwasservorräte seien - abgesehen von Teilen Mitteldeutschlands - meist vollständig aufgefüllt worden. Damit seien in tieferen Bodenschichten in den meisten Regionen Deutschlands aus den vorangegangenen nassen Monaten noch größere Wassermengen gespeichert. "Die obersten Bodenschichten sind dagegen sehr ausgetrocknet", sagt der Experte. Und das gilt eben auch für die hessischen Regionen.

Seit Umstellung der Wetterlage Mitte März war es ungewöhnlich trocken und sonnig. In Hessen gab es laut DWD 295 Stunden Sonnenschein - fast doppelt so viel wie im langjährigen Durchschnitt (152 Sonnenstunden). "Der legendäre April 2007 kam auf 300,1 Stunden, ein Rekord-Wert, der für die Ewigkeit bestimmt schien", berichtet Kessler-Lauterkorn.

Diese Marke schaffte der 2020er-April zwar nicht ganz, aber der langjährige Durchschnitt dieses Frühlingsmonats liegt eigentlich bei nur 167 Sonnenstunden. Und auch der März war mit 175 Stunden schon recht sonnig (Platz 4 seit 1951). Im Schnitt scheint im März in Hessen die Sonne 110 Stunden.

Für die vergangenen Monate ergaben sich hierzulande folgende Niederschlagsmengen: im Dezember 74,5 Millimeter (Mittel der Jahre 1981 bis 2010 76,5), im Januar 47,8 (69,1) und im Februar 123,8 (57,4). "Man erkennt, dass besonders durch den nassen Februar am Ende für das erste Vierteljahr nur ein eher geringes Niederschlagsdefizit zu verzeichnen ist", erklärt Kesseler-Lauterkorn

Im März waren es dann mit 57,6 Millimetern schon wieder weniger Niederschläge als im Schnitt (65,5). Im April wurden die Werte dann deutlich unterschritten: Fielen im langjährigen Mittel 51,3 Millimeter, so waren es dieses Jahr nur rund 15 Millimeter. Damit blieb der Niederschlagswert in Hessen sogar noch unter dem des deutschen Durchschnitts (17 Millimeter). Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen steht der April 2020 somit an dritter Stelle der trockendsten Aprilmonate.

Da stellt sich die Frage: Ist das noch normal, ein Ausreißer eben, oder macht sich hier der Klimawandel erkennbar bemerkbar?

März und April sind nach Angaben des DWD-Meteorologen von allen Monaten diejenigen, die sich in den letzten 30 Jahren von den mittleren Klimabedingungen am stärksten gewandelt haben. Das bedeute: "Solche Frühjahrsmonate wie wir sie besonders seit Beginn der 2000er-Jahre bezüglich Wärme, Trockenheit und Sonnenschein immer wieder erlebt haben, werden in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein", erklärt Kesseler-Lauterkorn.

Keine Prognose für den Sommer

Das heiße, dass es trotzdem immer noch einzelne sehr kühle und niederschlagsreiche Frühjahrsmonate geben werde. Auch die Gefahr von Spätfrösten sei nicht gebannt, "im Gegenteil, unter Umständen trifft es die Pflanzen durch den früheren Vegetationsbeginn härter". So wie die Frage nach der weißen Weihnacht oft schon im Herbst gestellt wird, treibt viele auch die Frage um: Wie geht es jetzt weiter und wie wird der Sommer? "Was die Witterung der letzten sechs Wochen für den Mai bedeutet, kann niemand seriös und belastbar sagen", meint der Wetterexperte.

Außerdem stehe ein zu trockener oder sonniger April statistisch in keinem Zusammenhang mit den Regenmengen des darauffolgenden Mais oder des folgenden Sommers. "Das heißt eine Aussage, dass uns erneut ein Dürresommer oder besonders heißer Sommer bevorsteht, kann derzeit nicht getroffen werden", erklärt Kesseler-Lauterkorn

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