Der Markt für Edelpilze wie den Rosenseitling war gut - bis zur Corona-Krise. Mit der Schließung der Restaurants sind auch für die Pilzzüchter die Einnahmen weggebrochen. FOTO: DPA
+
Der Markt für Edelpilze wie den Rosenseitling war gut - bis zur Corona-Krise. Mit der Schließung der Restaurants sind auch für die Pilzzüchter die Einnahmen weggebrochen. FOTO: DPA

Edelpilzzüchter in der Krise

  • vonDPA
    schließen

Offenbach/Saarbrücken- Die Edelpilze gedeihen in einem Berg in Alt-Saarbrücken. In dem Stollen liegt die Temperatur konstant bei um die 15 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist hoch: Optimale Bedingungen für Kräuterseitlinge, Shiitake, Buchenpilze oder exotischere Vertreter wie den rosafarbenen Rosenseitling oder den gelben Limonenseitling, wie Edelpilzzüchter Mirko Kalkum sagt.

Der Run auf seine Edelpilze ist groß - zumindest war er das, bis Corona kam. Denn die Gastronomie, an die er vor allem liefert, ist ihm in diesem Jahr wegen des Teil-Lockdowns über Monate weggebrochen.

Auch Edelpilzzüchter Mathias Kroll in Offenbach hat derzeit hart zu kämpfen. "Weil jetzt eigentlich Pilzzeit ist und ich normalerweise in diesen Monaten in der Gastronomie mein Hauptgeschäft mache", sagt er. Etwa 50 Prozent Umsatzeinbußen habe er nun. Er finde es "unfair", dass er als Zulieferer der Gastronomie anders als etwa die Restaurants selbst keine November- oder Dezemberhilfen bekomme. "Um Anspruch darauf zu haben, müsste ich 80 Prozent meines Umsatzes mit der Gastronomie machen." Das sei aber bei ihm nicht der Fall, da er auch auf Wochenmärkten in Mainz, Wiesbaden und Offenbach stehe. Zu seinen Kunden gehört üblicherweise die gehobene Gastronomie - wie Frankfurter Nobelrestaurants. Seine Pilze zieht er in ehemaligen Eiskellern von Bierbrauern im Bieberer Berg von Offenbach hoch. Kroll macht derweil auch Pilzragout und hat im Mai einen Pilz-Automaten vor seinem Betrieb in Offenbach aufgestellt. Dort könnten Kunden sich rund um die Uhr Pilze "ziehen". Der Automat werde "ganz gut" angenommen, sagt Kroll. Aber er fange die Umsatzeinbußen längst nicht auf.

Zehn bis zwölf Pilzsorten hat Kalkum im ehemaligen Luftschutzbunker auf rund 160 Quadratmetern kultiviert. Im Monat erntet er im Schnitt eine Tonne Pilze. Die Nachfrage nach Pilzen sei in den vergangenen Jahren mit dem Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung immer weiter gewachsen, sagt er. Kalkum geht davon aus, dass das Geschäft wieder richtig in Gang komme, wenn die Corona-Pandemie mal vorbei sei, sagt er. Die Frage sei nur, wie es dann seinen Kunden gehen werde. "Vielleicht ist die Hälfte nicht mehr da, weil sie einfach insolvent ist. Und die, die überlebt haben, die kaufen dann vielleicht erst einmal Champignons zweiter Wahl." dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare