E-Zigaretten beschäftigen zunehmend Zoll

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Sechs Kilo Kokain in einem riesigen Spezialbohrer und 902 000 Euro verborgen in Hautcremedosen und Ketchupflaschen: Diese zwei Funde gehören zu den spektakulärsten Schmuggelfällen am Frankfurter Flughafen im Jahr 2011.

Rund 1107 Kilo Rauschgift mit einem geschätzten Schwarzmarktwert von 32 Millionen Euro stellten Zollbeamte am Flughafen und im Zuständigkeitsbereich des Zollfahndungsamtes Frankfurt sicher. Dessen Gebiet erstreckt sich über Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und zwölf Landkreise in angrenzenden Bundesländern.

Die meisten Drogen wurden allerdings am größten deutschen Flughafen entdeckt, wie Vertreter beider Behörden am Mittwoch in Frankfurt berichteten. 761 Kilo wurden alleine dort beschlagnahmt. Das waren zwar von der Gesamtmenge 237 Kilo weniger als im Vorjahr, aber es wurde fast 500 mal häufiger Rauschgift gefunden als 2010.

Besonders auffällig: Kokain wurde häufiger in flüssiger Form in Körpern oder Gegenständen geschmuggelt. Die Zollfahnder gehen davon aus, dass das Rauschgift für die Drogenkuriere so leichter zu schlucken sei und viele irrtümlich glaubten, dieses Versteck werde beim Röntgen nicht bemerkt. Von 39 festgenommenen Körperschmugglern hatten 6 Fingerlinge mit flüssigem Kokain geschluckt. Zudem gab es einen starken Anstieg bei dem Halluzinogen DMT, das in Südamerika aus Pflanzen hergestellt wird. 161 Kilogramm davon wurden am Flughafen entdeckt – nach 14 Kilo im Vorjahr. Auch von Khat und Ecstasy wurden deutlich größere Mengen sichergestellt.

Mehr als die Hälfte des bundesweit geschmuggelten Bargelds wurde am Flughafen entdeckt. 42 Millionen Euro waren nicht angemeldet. Die Folge: 120 Verfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche wurden eingeleitet. Daher sei auch eine Facheinheit Geldwäsche eingerichtet worden, wie die Leiterin der Zollfahndung, Pia Wiedemann, sagte.

Der größte Fund – 902 000 Euro – waren im Gepäck einer Vietnamesin, die nach Hanoi fliegen wollte. Das Geld stammte aus nicht versteuerten Gewinnen vietnamesischer Geschäftsleute, die es in ihrer Heimat anlegen wollten. Die Frau wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, das Geld floss in die Staatskasse. Geldscheine fanden sich aber auch in Kofferstangen, Kinderüberraschungseiern und selbst in gebackenen Brötchen.

Die Einfuhr von E-Zigaretten und deren Wirkstoffen beschäftigt die Fahnder seit Mitte 2011 zunehmend. "Nikotinhaltige E-Zigaretten, Kartuschen und Liquid fallen nach einem Beschluss des Frankfurter Landgerichts unter das Arzneimittelgesetz", betonte Wiedemann. Dieser Auffassung sei auch die Bundesregierung. In diesem Jahr habe die Zollfahndung Frankfurt deswegen bereits 42 Ermittlungsverfahren eingeleitet, im gesamten vergangenen Jahr waren es insgesamt nur 37.

Aber auch unabhängig vom Nikotin sei die Zusammensetzung und damit die Wirkung der in E-Zigaretten, -zigarren und -pfeifen inhalierten Stoffe "noch absolut unklar", warnte Wiedemann.

Die Fahnder stellten zudem rund 203 400 Stück illegaler Potenzmittel sicher, fast so viele wie im Vorjahr. Zwei Labore zur Herstellung von Dopingmitteln konnten in Hessen und Rheinland-Pfalz ausgehoben werden.

Einen Fall von Zigarettenschmuggel deckte der Zoll während der Präsentation am Flughafen auf: In fünf verschweißten Koffern sollten am Mittwoch rund 600 Stangen unversteuerter Zigaretten von Moldawien über Frankfurt nach Italien geschmuggelt werden. 2011 wurden insgesamt 7,25 Millionen Zigaretten sichergestellt – den Schaden für den Fiskus bezifferte Wiedemann auf rund 31 Millionen Euro. Dabei wurde auch eine Bande deutscher und osteuropäischer Schmuggler zerschlagen und drei Täter zu insgesamt acht Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Ein seltenes Chukarhuhn aus Pakistan, ein Braunbärenfell aus Russland und Lebewesen von Korallenriffen waren 2011 die spektakulärsten Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. Die aufgedeckten Verstöße gingen binnen eines Jahres zwar um 283 auf 553 zurück, es wurden aber mehr als 25 500 Exemplare sichergestellt - fast dreimal so viele wie 2010. Und erst vor zwei Wochen seien im Koffer eines Japaners neun große Schildkröten entdeckt worden.

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