"Drei Stimmen"-Konzert für die Haiti-Hilfe

Wetzlar/Gießen (no). Weit mehr als 15 000 Euro standen am Ende eines bemerkenswerten Benefizkonzertes zu Buche, das die "Drei Stimmen" aus dem Gießener Land am frühen Sonntagabend vor gut 800 Zuhörern im Wetzlarer Dom gaben.

Wetzlar/Gießen (no). Weit mehr als 15 000 Euro standen am Ende eines bemerkenswerten Benefizkonzertes zu Buche, das die "Drei Stimmen" aus dem Gießener Land am frühen Sonntagabend vor gut 800 Zuhörern im Wetzlarer Dom gaben. Ingi Fett aus Pohlheim, Tom Pfeiffer aus Linden und Heinz-Jörg Ebert (Gießen/Linden) waren im Einsatz für die von den Unternehmern Reinhard Schneider (Heuchelheim/Wetzlar) und Thomas Lupp (Nidda) angestoßene Initiative "Wir Mittelhessen helfen Haiti". Prominente Besucher der emotional sehr dichten Veranstaltung: Bundestags-Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms aus Lich, der stellvertretende Hessische Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn und der Wetzlarer Oberbürgermeister Wolfram Dette; die Schirmherrschaft hatte Innenminister Volker Bouffier aus Gießen inne, allerdings nicht unter den Gästen, da er zur Afghanistan-Delegation von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zählte.

Schneider nannte eingangs die Beweggründe für seinen und seiner Freunde Einsatz: Er sei viel in der Welt herumgekommen, habe neben Licht Schatten gesehen. Das habe ihn abgespornt, im vergangenen "Wir Hessen helfen!" zu gründen. Das Erdbeben im Januar in Haiti stellte eine weitere Herausforderung dar. Zur dann gegründeten Initiative "Wir Mittelhessen helfen Haiti" zählten der Niddaer Bauunternehmer Thomas Lupp, die genannten Politiker, heimische Banken und Zeitungshäuser sowie Logistiker.

Um die Not der Menschen in Haiti zu verdeutlichen, bat Schneider den 32-jährigen Psychologe Jean Renel Amesfort um Auskunft, der - wie ausführlich berichtet - unlängst erst eine zweite Hilfsreise in seine Heimat unternommen hatte. Er wohnt in Hüttenberg, ist mit einer Französischlehrerin aus Deutschland verheiratet. "Wir sind ein Volk, das auf Hoffnung baut", betonte Amesfort. Die Erdbebenbilanz bezifferte er mit 230 000 Toten, 100 000 Waisen, 1,5 Millionen Obdachlosen, 10 000 Amputierten und 9000 zerstörten Schulgebäuden.

Die "Drei Stimmen" waren nicht allein nach Wetzlar gekommen: Armin Gissel aus Lahnau machte mit, der Behindertenseelsorger des Evangelischen Dekanates Gießen. Mit ausgewählter Lyrik ergänzte er die Lieder, so wie es seit neun Jahren die Besucher der Pankratius-Konzerte in Gießen gewohnt sind.

Während man die Konzerte zur Vorweihnachtszeit gut mit Andachten vergleichen kann, so ließ der imposante Rahmen am Sonntag einen anderen Vergleich zu: Das war dann schon ein Hochamt, das die vier Akteure konzelebrierten. Texte, die dazu angetan waren - gerade zu Beginn der Karwoche, acht Tage vor dem Fest der Auferstehehung - den Blick und die Sinne für den Unterschied zwischen Wesentlichem vom Unwesentlichem schärfen. Musik, die den direkten Weg zu den Emotionen einschlug.

Fett, Pfeiffer und Ebert hatten bei ihrer Programmzusammenstellung Anlass und Veranstaltungsort gleichermaßen berücksichtigt, boten quasi eine "Best of..."-Balladen-Auswahl. Den meisten Beifall heimste - Weggefährten konnte es nicht verwundern - Tom Pfeiffer für seine Interpretationen von Lehars "Wolgalied" und von "Bridge over troubled water" ein.

Wie Perlen an einer Kette kamen die Lieder daher, behutsam verknüpft durch erklärende, meist auf den Anlass der Veranstaltung hinweisende Worte: Michael Jacksons "Heal the world" und Oleta Adams’ "Get here", Bonhoeffers vertontes Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen", Bon Jovis "Let i rain" in der Version, wie sie bei einem Liberia-Benefiz gemeinsam mit Meistersänger Pavarotti erklang. Grönemeyers "Der Weg" war dabei und "Miserere" (Andrea Bocelli / Zucchero), "Hero" im Arrangement von "Il Divo" und - das "Nessun Dorma" in der aus Pankratius bekannten Art, zum Finale und zur Kollekte überzuleitnd.

Die Akteure blieben den Abend über rund um den Mittelaltar in Bewegung, sangen nach vorn und nach hinten, nach links und rechts, um die rund 800, im Hauptschiff und den beiden Seitenschiffen sitzenden Zuhörer gleichermaßen anzusprechen.

Oberbürgermeister Wolfram Dette sagte später, beim privaten Empfang von Schneider am Wetzlarer Nachtigallenpfad, was viele der Besucher registriert haben mag: Noch nie habe er im Dom ein von Technik begleitetes Konzert in dieser Qualität gehört. Der Schlüssel zum Akustikglück: Veranstaltungstechniker-Meister Stefan Wießner aus Langgöns ("flashlight") hatte im Dom wegen dessen Nachhallzeit von rund zwei Sekunden rund 20 kleine Lautsprecher aufgestellt, um quasi flächendeckend im Auditorium den Schall nahezubringen. Gemeinsam mit Valeska Hartmann hatte Wießner zudem die Beleichtung auf die zehntralen Säulen des im Alltag von beiden großen christlichen Konfessionen genutzten Gotteshauses konzentriert.

Ein bisschen unglücklich war nur, wer den paar Sonnenstrahlen am Spätnachmittag auf den Leim gegangen war: Bei 16 Grad Lufttemperatur hätte man den Wintermantel anziehen sollen und viel Angora darunter.

Während die "Drei Stimmen"-Kirchenkonzerte demnächst in Lützellinden, Steinbach und Fellingshausen ausverkauft sind, gibt es seit einigen Tagen die Karten für denn 19. September in Annerod. Wo? Darré am Selterstor.

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