Drei Jahre Haft

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Bad Nauheim/Gießen- Eine Krankenschwester, die an der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik Kollegen vergiftet hat, ist am Dienstag am Gießener Landgericht zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem muss sie - wegen einer Trunkenheitsfahrt - für ein Jahr den Führerschein abgeben. Ein Berufsverbot wurde nicht ausgesprochen, hatten die Taten doch nicht direkt etwas mit der Ausübung ihres Berufs zu tun gehabt. Die mittlerweile 54-Jährige sitzt seit September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Nach Auffassung des Gerichtes hat die Krankenschwester zweimal im September 2017 und einmal im März 2019 an der Kerckhoff-Klinik Kaffee oder Kekse mit den Medikamenten Oxazepam und Zolpidem versetzt und auf diesem Wege Kollegen vergiftet. Bei Oxazepam handelt es sich um ein Benzodiazepin, das Angst lösen und entspannen soll. Zolpidem ist ein Schlafmittel.

Bevor Richterin Regine Enders-Kunze das Urteil verlas, war am Vormittag die Beweisaufnahme erneut aufgerollt worden. Zwei bereits zuvor im Verfahren gehörte toxikologische Sachverständige standen noch einmal Rede und Antwort. Das Ergebnis in Kurzform: In den Kaffeetassen wurden so geringe Medikamentenmengen entdeckt, dass diese niemals ursächlich für die Symptome der Geschädigten und für die im Blut nachgewiesenen Mengen sein konnten. Sprich: Der Kaffee kann nicht vergiftet gewesen sein.

Darauf nahm die Richterin in ihrer Urteilsbegründung Bezug. Auch die Milch und andere Lebensmittel würden ausscheiden. "Und damit müssen die Kekse Träger der Substanzen gewesen sein", sagte Enders-Kunze. Die Angeklagte habe zugegeben, welche gebacken und mitgebracht zu haben. Außerdem habe sie zu allen drei Zeitpunkten Dienst gehabt. Ein Motiv für die Taten sei bei der 54-Jährigen zwar nicht zu finden, das hätte für potenzielle andere Täter aber auch gegolten. Entscheidend sei der in der Wohnung der Angeklagten gefundene Standmixer, in dem Reste von Zolpidem und Oxazepam gefunden worden seien. Die Aussage der Angeklagten, sie habe den Mixer öfter mit auf der Arbeit gehabt, jemand anderes hätte ihn folglich benutzen können, bezeichnete Enders-Kunze als "Schutzbehauptung". So hatte die 54-Jährige gesagt, sie habe sich mit dem Mixer auf der Arbeit Smoothies gemacht. Das nahm ihr die Richterin nicht ab, schließlich sei es deutlich einfacher, das Getränk zu Hause herzustellen und mitzunehmen. Noch dazu habe niemand aus dem Kollegenkreis die Angeklagte jemals Smoothies trinken sehen. Auch den Mixer hatte niemand gesehen. agl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare