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Aushubarbeiten auf einer Baustelle für ein neues Wohnquartier am Riedberg in Frankfurt.

Dramatische Folgen der Versiegelung

Naturbelassener Boden oder landwirtschaftliche Flächen müssen Wohnungen, Straßen oder Gewerbegebieten weichen. Wozu das führen kann, hat das Hochwasser in der Eifel gezeigt.

In Hessen werden weniger Flächen versiegelt als vor einigen Jahren - aus Sicht von Umweltschützern sind es aber immer noch zu viele. 2017 war die Siedlungs- und Verkehrsfläche noch um 3,03 Hektar pro Tag gewachsen, im Jahr 2020 kamen pro Tag nur noch 2,63 Hektar dazu. Der Flächenverbrauch beschreibt, wie viel landwirtschaftliche oder naturbelassene Fläche zu Siedlungs- und Verkehrsfläche wird. Insgesamt waren das in Hessen 2020 rund 547 Hektar. Die meiste neu dazugekommene Fläche wird für den Wohnungsbau genutzt: 337 Hektar. Danach folgen Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen: 128 Hektar. Am stärksten reduziert hat sich im gleichen Zeitraum laut Statistik die für den Verkehr genutzte Fläche. Sie ging um 105 Hektar zurück. Die Landesregierung plant nach Angaben des Wirtschaftsministeriums, den Flächenverbrauch bis Ende dieser Legislaturperiode auf 2,5 Hektar pro Tag zu senken. Dem Hessischen Bauernverband ist das nicht genug. Ziel müsse es sein, den Flächenverbrauch in den nächsten Jahren auf Null zu reduzieren, fordert Generalsekretär Hans-Georg Paulus: »In den letzten 20 Jahren wurde der tägliche Flächenverbrauch in Hessen zwar deutlich verringert, von dem Ziel eines Netto-Null-Flächenverbrauchs sind wir aber weit entfernt.« Jeder Quadratmeter Acker oder Grünland, der versiegelt wird, sei für die Lebensmittel- und Futtermittelproduktion sowie den Anbau nachwachsender Rohstoffe verloren. Das gefährde nicht nur die Ernährungssicherung, »der Boden ist Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt«. Am Beispiel der Insekten lassen sich die Auswirkungen des Flächenabbaus deutlich zeigen, wie der Landesvorsitzende des Naturschutzbunds Hessen (NABU), Gerhard Eppler, verdeutlicht. »Die Zerstörung von Lebensräumen für Wildbienen und Schmetterlinge führt dazu, dass immer mehr von ihnen auf der Roten Liste erscheinen.« Hochgradig gefährdet seien diese etwa durch das Verschwinden von Streuobstwiesen, die als Hotspot der heimischen Artenvielfalt gelten. »Da die Wiesen meist ortsnah liegen, fallen sie oft als Erstes neuen Baugebieten zum Opfer.« Als Bestäuber spielten Insekten für den Menschen eine große Rolle, »ohne sie gäbe es keine Äpfel, Erdbeeren oder Kirschen«, erläutert der Experte. »Der Flächenverbrauch gehört zu den größten Umweltproblemen«, warnt der Naturschutzreferent des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Hessen, Thomas Norgall. Innerhalb der Siedlungen steige dadurch etwa die Temperatur, was zu Gesundheitsproblemen der Anwohner führe. Auch der Wasserhaushalt werde beeinträchtigt. »Bevor auf der grünen Wiese neue Baugebiete ausgewiesen werden, sollten zunächst innerörtliche Baulücken geschlossen werden«, erklärt Paulus. Daher solle in Städten das Prinzip »Innenentwicklung vor Außenentwicklung« gelten. Auch mehrgeschossige Bauwerke seien eine Möglichkeit, um Flächen zu sparen. »Es darf künftig keine einstöckigen neuen Gewerbegebiete mehr geben«, fordert NABU-Landesvorsitzender Eppler. Paulus verlangt: »Flächenversiegelungen sollten nur noch nach vorheriger Entsiegelung in gleicher Größenordnung an anderer Stelle vorgenommen werden dürfen. Grundsätzlich muss der schonende Umgang mit dem Boden eine wesentlich größere Bedeutung erlangen. Bodenschutz bedeutet schließlich auch Klimaschutz.«

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