Doch gegen Regeln verstoßen

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Mehr als 100 Corona-Infektionen in mehreren hessischen Städten nach dem Besuch eines Gottesdienstes in Frankfurt: Zunächst erklärte die betroffene Gemeinde, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Eine Mitteilung auf der Webseite zeichnet nun ein anderes Bild.

Nach Bekanntwerden von mehr als 100 Covid-19-Infektionen im Umfeld einer freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt hatte die Gemeinde zunächst betont, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Der notwendige Abstand sei gewahrt, Desinfektionsmittel bereitgehalten worden. Ein am Montag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichtes Schreiben räumt allerdings Versäumnisse ein: "Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten", hieß es in der Stellungnahme.

Da es in der Gemeinde viele Familien mit fünf und mehr Kindern gebe, nehme die Zahl der Ansteckungen zu Hause weiter zu. Die Betroffenen seien in häuslicher Quarantäne. "Nach Bekanntwerden der Infektion wurden die Gottesdienste sogleich in das Online-Format überführt", hieß es.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat nach Angaben ihres Sprechers Volker Rahn vor Christi Himmelfahrt und damit vor Bekanntwerden der Infektionen bei den Baptisten noch einmal alle Gemeinden zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen aufgefordert. So dürfe in den Gottesdiensten nicht gesungen werden, es gebe Mundschutzpflicht und es müssten Listen der Besucher mit Namen und Anschrift angefertigt werden. Es gelte ein mehrere Punkte umfassendes Schutzkonzept, und alle Gemeinden seien noch einmal eindringlich auf die Umsetzung hingewiesen worden. Gerade auch mit Blick auf Pfingsten würden viele Gemeinden weiter bei digitalen Angeboten oder Online-Gottesdiensten bleiben. Zudem gebe es "grüne" Gottesdienste im Freien. "Die boomen tatsächlich." Auch hier gebe es Sicherheitsmaßnahmen. "Wir werden nach den Vorfällen in Frankfurt nicht noch weiter verschärfen."

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sollen Gottesdienste an Pfingsten wie geplant stattfinden: "Der Vorfall in Frankfurt hat keinerlei Auswirkungen auf das Hygienekonzept, das für Gottesdienste festgelegt worden ist und akkurat umgesetzt wird", erklärte Prälat Bernd Böttner.

Das Bistum Limburg hat den Corona-Ausbruch nach eigenen Angaben mit Besorgnis wahrgenommen. Man wisse jedoch nicht, inwiefern Abstands- und Hygienevorschriften in der Baptistengemeinde eingehalten worden seien, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle am Montag auf Anfrage. Handlungsbedarf bestehe im Bistum Limburg deswegen nicht. Im Bistum Limburg besteht seit dem ersten Mai-Wochenende wieder die Möglichkeit, Gottesdienste mit einer kleinen Gemeinde zu feiern. An Pfingsten werde es wohl in jeder Pfarrei einen Gottesdienst geben, erklärte Schnelle. "Bislang bekommen wir die Rückmeldung, dass sich die Pfarreien an die Regelungen halten. Fälle wie in der Baptistengemeinde sind uns bislang nicht bekannt." Weitere Corona-Nachrichten:

Betrugsverdacht:Die Strafverfolgungsbehörden in Hessen haben mehr als 50 Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts bei der Beantragung staatlicher Corona-Soforthilfen eröffnet. Die bisherigen Ermittlungen hätten jedoch "keine Anhaltspunkte auf systematisch agierende, zusammenhängende Tätergruppierungen ergeben", teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Montag mit. Insgesamt gebe es bislang etwa 150 bis 200 Verdachtsfälle, sagte ein Sprecher der Behörde. Mitunter existierten Unternehmen, für die Hilfsgelder beantragt werden, gar nicht oder die Mitarbeiterzahl werde im Antrag höher angegeben.

Infektionszahlen:In Hessen ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infizierten am Montag nur einstellig gestiegen. Wie das Sozialministerium in Wiesbaden mitteilte, sind seit Beginn der Pandemie 9770 Betroffene in der Statistik erfasst worden, acht mehr als noch am Sonntag. Die Zahl der Todesfälle, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen, blieb unverändert zum Vortag bei 460. Bei den regionalen Zahlen sind die Städte und Kreise weiterhin deutlich von der Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen entfernt.

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