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Wockenfuß

Digitales und analoges Abenteuer

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Kinder und Jugendliche werden täglich mit Reizen aus der digitalen Welt überflutet. Um diese richtig einzuordnen und um sich selbst schützen zu können, brauchen sie Medienkompetenz. Diese zu vermitteln, ist die Aufgabe von Social-Media-Manager Benjamin Wockenfuß. Und dafür beschreitet er nun neue Wege - mit seinem ersten Buch "Lotta und Klicks", das am Montag erscheint.

Montagmorgen bei Lottas Familie: Alle trödeln herum, Papa muss dringend noch E-Mails beantworten - und drückt Lotta und ihrem kleinen Bruder Lukas solange das Smartphone in die Hand. Nicht mal Familienhund Klicks kann die beiden ablenken, so vertieft sind sie in die digitale Welt. Über Homeoffice und Smartphone-Beschäftigung vergessen alle die Zeit. Nur Klicks nicht. Als sie dann doch noch, kurz vor knapp, in die Kita fahren, passiert es: Klicks geht verloren...

So viel zum Inhalt von "Lotta und Klicks". Autor Benjamin Wockenfuß leitet das Projekt "DigiKids" der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Aus dieser Arbeit heraus ist die Idee für das Buch entstanden, wie er im Gespräch erklärt.

Herr Wockenfuß, Medienkompetenz per Buch vermitteln, ist das nicht ziemlich altmodisch?

Benjamin Wockenfuß:Überhaupt nicht (lacht). Die Idee zum Buch markiert eigentlich den Startpunkt von "DigiKids". In der Kita unserer Kinder gab es ganz viel Kinderliteratur zu den verschiedensten Themen. Teilweise auch zu schwierigen und sensiblen Komplexen. Das wollte ich für die neuen Medien machen. Mit der Idee bin ich dann zur Techniker Krankenkasse gegangen. Als wir uns intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben, war schnell klar, dass ein Buch allein nicht ausreicht. Und daraus ist letztendlich dann das Projekt "DigiKids" entstanden.

Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem Buch ansprechen?

Wockenfuß:Wir wollen zum einen natürlich die Kinder direkt erreichen. Das Buch ist ab vier Jahren empfohlen. Zum zweitens wollen wir auch die Eltern einbinden. Und das nicht mit Fachaufsätzen und Statistiken, sondern mit einer coolen Abenteuergeschichte, die mit Tipps zum Umgang mit Internet und Co. gespickt ist. Das kann im Morgenkreis einer Kita funktionieren, aber auch abends beim Vorlesen vor dem Schlafengehen.

Das Buch ist als "smartes" Kinderbuch konzipiert. Worin besteht der "smarte" Aspekt?

Wockenfuß:Wir wollen nicht in Konkurrenz zu Spiele-Apps treten, sondern wir wollen es mit ihnen aufnehmen. Lesen oder vorlesen, das ist entschleunigte Qualitätszeit - und zwar für die Kinder und die Erwachsenen. Das ist das beste Mittel, um an der Medienresilienz zu arbeiten, also an der bewussten Nichtnutzung von Medien für eine gewisse Zeit. Und in diesem Kontext orientieren wir uns an Apps. Es gibt zum Beispiel ein Labyrinth, das wir aus der digitalen Welt von Google Maps kennen. Es sind viele interaktive Elemente enthalten, die über das blanke Blättern von links nach rechts hinausgehen.

Welche Rolle spielen die Eltern für die Geschichte?

Wockenfuß:Es geht um die digitale Welt in der Lebensrealität. Wir alle kennen das: Ein Elternteil ist im Homeoffice, da muss noch schnell eine E-Mail geschrieben werden und die Kinder werden mit dem Smartphone beschäftigt. Aber das ist nur eine Ebene. Denn bei aller Hektik versuchen die Eltern natürlich, das Familienleben liebevoll zu managen. Ich denke, das ergibt ein authentisches, ein menschliches Bild.

Und der Hund Klicks?

Wockenfuß:Der steht für die analoge Welt. Der will in die Natur, der hat Bedürfnisse, der will beschäftigt werden. Egal, was der Mensch gerade auf dem Smartphone zu tun hat. Den Hund kann man nicht an- und ausstellen. Klicks ist die Alternative zur digitalen Welt.

Die Mischung macht es also?

Wockenfuß:Ja, man kann das eine machen, ohne das andere zu verteufeln. Digitale Medien gehören zur Lebensrealität unserer Kinder einfach dazu. Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger arbeiten, es soll vielmehr um ein Miteinander von digital und analog gehen. Wie halt im wirklichen Leben.

Am Anfang gibt es im Buch einen "An"-Schalter, am Ende den "Aus"-Knopf. Das erinnert ein wenig an Peter Lustig und die "Löwenzahn"-Sendung...

Wockenfuß:Ja, das war auch ein Gedanke dahinter. Ein Grundsatz bei "DigiKids" lautet: Gemeinsam in die App rein, gemeinsam wieder raus. Und das geht nicht nur bei Apps, sondern auch bei Büchern. Man drückt auf "An" und ist mitten in einer Geschichte. Man drückt auf "Aus" und macht anschließend einfach etwas anderes.

Das Buch ist eine Gemeinschaftsproduktion mit Grafikerin Stefanie Messing. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Wockenfuß:Idee und Texte sind von mir, die Illustrationen von Stefanie Messing, die ich von verschiedenen Projekten kenne. Sie hat alle Zeichnungen zuerst analog gemacht und später digitalisiert. Das Ganze ist handgemacht. (Fotos: pm/Claudia Hafemann)

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