Demo der Müll-Rebellen - "Schluss mit Abzocke"

Alsfeld (dpa). "Schluss mit der Müllabzocke" stand auf den Plakaten oder auch: "Das stinkt zum Himmel." Zornige Bürger aus dem Vogelsbergkreis machten am Freitag in Alsfeld ihrem Unmut über steigende Abfallgebühren Luft - mit Pfiffen und Trommelschlägen zogen sie durch die Stadt.

Alsfeld (dpa). "Schluss mit der Müllabzocke" stand auf den Plakaten oder auch: "Das stinkt zum Himmel." Zornige Bürger aus dem Vogelsbergkreis machten am Freitag in Alsfeld ihrem Unmut über steigende Abfallgebühren Luft - mit Pfiffen und Trommelschlägen zogen sie durch die Stadt. Rund 1000 Demonstranten waren nach Angaben der Veranstalter auf der Straße, während die Polizei von 500 Teilnehmern sprach. Die jüngsten Demonstranten wurden im Kinderwagen geschoben, die ältesten liefen am Gehstock.

Auf die Straße gebracht hatte die Müll-Rebellen eine Reform der Abfallgebühren im Vogelsbergkreis. Die gesamte Berechnung soll sich ab dem nächsten Jahr ändern, doch eines ist schon jetzt klar: Für viele Haushalte wird die Müllentsorgung in Zukunft teurer - und zwar um bis zu 100 Prozent. Vor allem Familien fürchten höhere Kosten. "Wenn du mehrere Kinder hast, wirst du richtig hereingelegt", schimpfte Astrid Bürge, alleinerziehende Mutter von vier Kindern aus Herbstein. Rosemarie Grösch aus Alsfeld sagte: "Ich war noch nie im Leben auf einer Demonstration, aber heute ist der Ärger groß genug. Wir als Verbraucher müssen die Misswirtschaft des Entsorgers ausbaden."

Der Protest richtet sich gegen den Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis. Der steht mit insgesamt rund zwei Millionen Euro in den roten Zahlen. Aus Sicht des Zweckverbands gibt es deshalb keine Alternative zu den neuen Gebühren. "Wir müssen erst einmal unsere Altlasten wegkriegen", sagt Geschäftsführer Hans-Jörg Fuchs. "Unser Defizit können wir nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag vor uns herschieben."

Schuld an der Finanzmisere sei vor allem eine Abfalldeponie im Landkreis, die wegen einer Gesetzesänderung kaum noch benutzt werden könne, aber weiterhin hohe Kosten verursache. Außerdem sei die Müllentsorgung im Vogelsberg, der ländlichsten Region Hessens, ohnehin teuer, sagt der Geschäftsführer: "Die Haushalte sind so weit voneinander entfernt - das ist ein Mülltonnensuchsystem."

Der Widerstand gegen den Zweckverband begann vor rund zwei Wochen. "Damals habe ich von den neuen Gebühren erfahren und mich furchtbar aufgeregt", erinnert sich der Gründer der Müll-Rebellen, Hinrich Lüttmann. Zu einem ersten Treffen seien rund 40 Vogelsberger gekommen, anschließend habe sich der Widerstand wie ein Lauffeuer verbreitet - und das vor allem über das Internet. Im sozialen Netzwerk "Wer-kennt-wen" erklärten sich rund 2000 Vogelsberger zu Müll-Rebellen. Am Freitag dann wanderte der Widerstand vom Internet auf die Straße.

Die neuen Gebühren hatten Politiker aus den Kommunen des Vogelsbergs beschlossen - denn die bilden den Zweckverband. "Jetzt zeigen wir unseren Volksvertretern, dass wir gar nicht damit einverstanden sind, wie sie uns in dieser Frage vertreten haben", sagt Lüttmann.

Der Protest hat bereits erste Wirkungen: Die Vogelsbergstadt Schotten will womöglich aus dem Zweckverband aussteigen. Und im Parlament des Zweckverbands gibt es erste Überlegungen, das Gebührensystem noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen. Die Gegner der neuen Abfallgebühren wollen in zwei Wochen auf jeden Fall noch einmal auf die Straße gehen, dann in der Kreisstadt Lauterbach.

"Falls die Demonstrationen keinen Erfolg haben, schlagen wir den juristischen Weg ein", sagt Müll-Rebell Lüttmann. "Wir ziehen das jetzt voll durch."

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