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Daten-Leak

Daten-Skandal-Festnahme in Homberg/Ohm - Erste Angaben zu Motivation des Verdächtigen

Im Fall des Daten-Skandals ist ein 20-Jähriger aus Mittelhessen festgenommen worden. Er gilt als tatverdächtig und hat mittlerweile gestanden. Nun gibt es weitere Details zu dem Schüler.

  1. 20-Jähriger aus Homberg/Ohm gesteht Daten-Diebstahl
  2. Der Schüler lebt bei seinen Eltern
  3. Durchsuchung und vorläufige Festnahme am Sonntag
  4. Datendiebstahl im großen Stil war Ende vergangener Woche bekannt geworden
  5. 50 bis 60 schweren Fälle sowie rund tausend weitere

Festnahme im Daten-Skandal: Liveticker mit Stellungnahmen und Entwicklungen

+++ 17.10 Uhr: Die Frankfurter Rundschau kommentiert den Daten-Leak wie folgt: "Betroffen von dem Hack sind ja nicht nur Personen, sondern Institutionen, etwa Parlamente, Politikerbüros, Parteizentralen, mithin also demokratische Institutionen. Auf sie zielt die Cyber-Attacke auch. Und sie lässt ahnen, was noch möglich wäre, sollte ein talentierter Hacker sich mal die, sagen wir, Krankenhäuser oder Kraftwerke hierzulande vorknöpfen. Oder einfach mal das Ampelsystem auf unseren Straßen."

+++ 16.51 Uhr: Nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sind Strafen von bis zu drei Jahren, wie sie derzeit für Vergehen im Internet verhängt werden, nicht verhältnismäßig zu Sanktionen von Straftaten in der analogen Welt. "Das muss gleichgestellt werden", betonte er und verwies dabei insbesondere auf notwendige Verschärfungen bei schweren Delikten wie im aktuellen Fall.

+++ 16.06 Uhr: Experten sprechen in dem Fall übrigens nicht von einem Hackerangriff. Vielmehr ist von Doxing die Rede: Dabei handelt es sich um das internetbasierte Zusammentragen von spätere Veröffentlichen von Informationen. "Diese Art von Belästigung und Mobbing wird im Darknet geradezu als Sport betrieben. Ein Doxer versucht, möglichst viele private Daten über eine missliebige Person zu sammeln und veröffentlicht diese dann irgendwann – aus Schadenfreude und um das Opfer zu beschämen", heißt es bei t3n.de.

+++ 15.57 Uhr: Der 20-jährige Schüler aus Homberg/Ohm hatte nach Einschätzung des Bundeskriminalamts "kein dominantes politisches Motiv" für die massenhafte Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten. Allerdings hatte er bei ersten Vernehmungen Ärger über Äußerungen der späteren Opfer als Motivation angegeben. Politiker der AfD waren nicht von dem Daten-Skandal betroffen.

+++ 15.13 Uhr: Das Medienaufkommen in Homberg/Ohm ist inzwischen recht groß. Rund 20 Journalisten sind in der Vogelsberg-Stadt vor Ort.

+++ 14.47 Uhr: Der im Zusammenhang mit der Online-Attacke auf Politiker und Prominente verdächtige 20-Jährige ist den Behörden nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bereits früher wegen einer ähnlichen Aktion bekannt geworden. Der Mann sei schon vor zwei Jahren wegen des Ausspähens von Daten und wegen Vorbereitungen dazu aufgefallen, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Zugleich betonte er, der 20-Jährige sei nicht vorbestraft.

+++ 14.23 Uhr: Claudia Blum sagt als Bürgermeisterin von Homberg/Ohm, wo der Verdächtige festgenommen wurde: "Ich war total überrascht, eben habe mit den Kollegen die Pressekonferenz angeschaut. Ich möchte mich nicht an Spekulationen beteiligen wie sie jetzt schon die Runde machen. Ich gehe davon aus, dass über kurz oder lang wahrscheinlich der Namen in den sozialen Netzwerken auftauchen wird. Ich habe heute morgen schon einige Nachrichten erhalten, so eher mit dem scherzhaften Tenor: Na, so schlecht kann das Internet bei euch ja gar nicht sein, wie ihr immer behauptet."

+++ 13.39 Uhr: Nach bisherigen Informationen hat der mutmaßliche Täter keine Schadsoftware benutzt, um an die Daten seiner Opfer zu kommen. Er habe andere Hacking-Methoden genutzt, um Passwörter zu überwinden. Am Sonntagmittag sei er identifiziert worden. Dies bedeutet, dass man den Mann etwa 48 Stunden nach Aufnahme der Ermittlungen gekannt habe, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, am Dienstag in Berlin.

Festnahme im Daten-Skandal: Die Zusammenfassung der Ereignisse

Wie die Generalstaatsanwaltschaft bestätigt, ist am Sonntag ein 20-Jähriger aus Mittelhessen im Zusammenhang mit dem Daten-Leaks-Skandal festgenommen worden. Er steht im Verdacht, Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens ausgespäht und personenbezogene Daten unberechtigt veröffentlicht zu haben. Der Mann stammt aus Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis. 

Wie die Ermittler inzwischen erklärt haben, handelt es sich bei dem Mittelhessen um einen Schüler, der noch bei seinen Eltern lebt. Er soll IT-affin sein, aber keine entsprechende Ausbildung haben. Offiziell bestätigt ist ebenfalls: Der 20-jährige Deutsche zeigte sich in ersten Vernehmungen geständig. Es soll sich um einen Einzeltäter handeln. Wie dieser Zeitung von Seiten der Polizei bestätigt wurde, erfolgte die Festnahme am Sonntagabend im Vogelsbergkreis. 

Festnahme im Daten-Skandal: Verdächtiger äußert sich zu Motivation

Der Mittelhesse machte bereits erste Angaben zu seiner Motivation: Er habe sich über die Geschädigten aufgrund öffentlicher Äußerungen dieser geärgert. Auffallend dazu: Aus Hessen waren unter anderem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Kai Klose (Grüne), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Janine Wissler (Linke) betroffen. Politiker der AfD waren vom Daten-Skandal offenbar nicht betroffen. Die Aussagen des 20-Jährigen zu seiner Motivation werden nun geprüft. Bei der Durchsuchung habe die Polizei keine Hinweise auf eine bestimmte politische Gesinnung gefunden, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag in Frankfurt. Abschließende Aussagen darüber könne man jedoch erst nach Auswertung der beschlagnahmten Datenträger und Computer machen. 

Der Beschuldigte habe eine klare Reuehaltung gezeigt, sagte Ungefuk. Bei der Vernehmung am Montag habe er zudem bei der Aufklärung geholfen. Er machte zum Beispiel Angaben über einen Computer, den er zwei Tage vor der Durchsuchung beiseite geschafft hatte, und ein Daten-Backup bei einem Sharehosting-Dienst. Beides wurde daraufhin sichergestellt.

Festnahme im Daten-Skandal: Auch Chat-Verläufe veröffentlicht

Veröffentlicht hatte der Täter berufliche, aber auch private Daten der Betroffenen: Etwa Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen, Privatadressen. Auch Chatverläufe, Rechnungen, Geburtsurkunden und Briefe finden sich darunter. Ebenso private Chats und Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern sowie Skype-Namen von Kindern der Betroffenen wurden veröffentlicht. Der Twitter-Account @_0rbit, über den die Informationen kundgetan wurden, ist inzwischen gesperrt.

Aus Mangel an Haftgründen - beispielsweise besteht nach Meinung der Experten wegen Flucht- noch Verdunklungsgefahr - ist der Verdächtige inzwischen wieder auf freiem Fuß.

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