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Seit 1973 sitzt Arno Grieger für die DKP in der Reinheimer Stadtverordnetenversammlung. Die Geschichte der Arbeiterbewegung im Stadtteil Ueberau geht bis ins Kaiserreich zurück.

Das rote Dorf

  • vonDPA
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Reinheim - Arno Grieger ist seit 48 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 1973 sitzt der pensionierte Lehrer ohne Unterbrechung in der Stadtverordnetenversammlung im südhessischen Reinheim. Dort leitet der 74-Jährige heute die Fraktion der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Seit Jahrzehnten sind die Kommunisten in dem südhessischen Ort eine Konstante in der Kommunalpolitik.

Während sie hessen- oder deutschlandweit in der Bedeutungslosigkeit verharren, sind sie in Reinheim traditionell stark verankert. An die Erfolge soll auch bei der Kommunalwahl am 14. März angeknüpft werden.

Kommunisten erzielen 39 Prozent

Während die Ergebnisse der vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften Partei bei Bundes- oder Landtagswahlen marginal sind, konnten sie in der Kommunalpolitik in der rund 17 000 Einwohner zählenden Gemeinde Erfolge feiern. Bei der letzten Kommunalwahl 2016 zog die DKP mit 11,1 Prozent in die Stadtverordnetenversammlung ein. Bei der Wahl zum Ortsbeirat des Stadtteils Ueberau mit seinen gut 2100 Einwohnern waren auf 39 Prozent der Stimmzettel die Kreuze für die Kommunisten gemacht worden. In einem von der Partei herausgegeben Buch über die Geschichte Ueberaus heißt es schlicht »Das rote Dorf«.

Die Arbeiterbewegung hat in der Gemeinde Ueberau eine lange Tradition. Schon im Kaiserreich lebten hier viele Menschen, die in den Fabriken im Umland arbeiteten und sich dort engagierten. In der Weimarer Republik fasste hier schnell die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) Fuß. Ein eigener Arbeitersportverein förderte den Zusammenhalt. Und nach dem Ende der Nazi-Diktatur setzte sich die Tradition fort, Ueberau genoss dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde zufolge schnell den Ruf einer ausgesprochenen kommunistischen Hochburg.

Seit 1948 saß der Kommunist Adam Büdinger als Bürgermeister auf dem Chefsessel der kleinen Gemeinde. Nach dem Verbot der KPD 1956 blieb er Stadtoberhaupt unter dem Schirm der neu gegründeten Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Das jähe Ende kam 1960. Das hessische Innenministerium verbot auch die UWG und setzte Büdinger ab. Die kommunistische Tradition aber blieb in dem Ort erhalten. Büdingers Sohn Manfred steht für die Wahl am 14. März auf Listenplatz 19 der DKP, die nach ihrer Gründung 1968 in Ueberau und nach der Gemeindefusion in den 70er Jahren in Reinheim kommunalpolitisch wieder Erfolge feiert.

»Die haben sich dort ihre politische Nische erhalten«, sagt der Politologe Björn Egner von der Technischen Universität Darmstadt. Dort werde einfach eine ortsbezogene Politik gemacht. Das habe sich in Reinheim und in Mörfelden-Walldorf erhalten. »Die machen Kommunalpolitik und lesen nicht Marx vor.« Es gebe nicht die Kapitalismuskritik, sondern bodenständige Politik für den Ort. Die Partei sei dort quer durch die Gesellschaft verankert. dpa

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