Die Polizei sucht nach einem Vorfall im Dannenröder Forst diesen mutmaßlichen A49-Gegner.
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Die Polizei sucht nach einem Vorfall im Dannenröder Forst diesen mutmaßlichen A49-Gegner.

A49-Protest

Versuchter Totschlag im Dannenröder Forst? Polizei fahndet öffentlich nach Protestler

  • Florian Dörr
    vonFlorian Dörr
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Die Lage im Dannenröder Forst zwischen Polizei und Ausbaugegnern der A49 ist weiter angespannt. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Nun läuft eine Öffentlichkeitsfahndung.

  • Der Konflikt um den geplanten Ausbau der A49 durch den Dannenröder Forst eskaliert.
  • Nun besteht der Verdacht, dass ein Aktivist versucht hat, Polizisten zu töten.
  • Die Polizei hat Fotos und eine Beschreibung eines Verdächtigen herausgegeben.
  • Die A49 soll nach ihrem Ausbau Gießen und Kassel direkter verbinden.

Update vom Montag, 07.12.2020, 12.22 Uhr: Nach einem schwerwiegenden Zwischenfall im Dannenröder Forst hat die Staatsanwaltschaft Gießen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Totschlags, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie der Sachbeschädigung eingeleitet. Nun geht sie mit einer Beschreibung und entsprechenden Bildern eines Verdächtigen an die Öffentlichkeit.

Was war passiert? Am Montag, dem 23.11.2020, löste sich im nördlichen Bereich des Dannenröder Forsts ein Seil und brachte einen sogenannten Duopod zum Umstürzen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehrere Einsatzkräfte der Polizei unterhalb des Konstrukts. Die Beamten konnten „im letzten Moment zur Seite springen“, wie es bei der Polizei heißt, und blieben glücklicherweise unverletzt. Auch ein 51-jähriger Baggerfahrer befand sich mit seinem Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt in der Gefahrenzone. Durch das Umstürzen schlugen Baumstämme gegen die Sicherheitskabine des Baggers. Diese hielt dem Aufprall jedoch Stand und somit blieb auch der Baggerfahrer unverletzt. An der Sicherheitskabine entstand jedoch Sachschaden.

Dannenröder Forst: Aktivist nach mutmaßlicher Straftat gesucht

Im Rahmen der ersten Ermittlungsmaßnahmen wurde bekannt, dass mehrere Zeugen beobachtet hatten, dass das Halteseil des Duopods durch eine bislang unbekannte männliche Person vor dem Umstürzen durchtrennt wurde. Mit Hilfe von Bildern, Videos, Vermessungen des Tatorts, einer Tatrekonstruktion sowie der Sicherung von Spuren konnte nun ein Tatverdächtiger ermittelt werden. Er wird wie folgt beschrieben:

  • Männlich
  • Rund 1,85 Meter groß
  • Schlanke Statur
  • Längeres Haar
  • Mindestens Oberlippen- und Kinnbart
  • Blaue Augen
  • Sprach Englisch mit osteuropäischem Akzent
Die Polizei sucht im Zusammenhang eines Vorfalls im Dannenröder Forst nach diesem Mann.

Die Staatsanwaltschaft Gießen und die Polizei bitten darum, Hinweise zum Sachverhalt zum Verdächtigen an den Führungs- und Lagedienst des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Tel.: 0641/7006-3310 oder jede andere Polizeidienststelle zu übermitteln. 

Dannenröder Forst: Aktivist erneut verhaftet - Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags

Update von Freitag, 27.11.2020, 16:36 Uhr: Auch am Donnerstag (26.11.2020) kam es erneut zu einem Angriff auf Polizeibeamte im Dannenröder Forst. Gegen 10 Uhr morgens hätten, nach Polizeiangaben, extra ausgebildete Höhenretter auf einem Baum im Norden des Waldes versucht, ein Plateau der Ausbaugegner zu räumen. Dort hätten Beamte in etwa 15 Metern Höhe eine unbekannte, weibliche Aktivistin ergriffen und festgehalten. Diese wehrte sich jedoch nach Kräften mit Schlägen, so die Polizei. Außerdem soll sie mehrmals gegen Kopf und Hände eines Polizisten getreten haben, so dass dieser fast das Gleichgewicht verlor. Einem zweiten Höhenretter soll die Aktivistin das Knie ins Gesicht gerammt haben, dieser musste laut Pressemitteilung der Polizei Mittelhessen einfache Gewalt anwenden um sie im Zaum zu halten. Erst nachdem der Frau gedroht wurde Elektroschocks gegen sie anzuwenden, habe man sie sicher zu Boden bringen und vorläufig festnehmen können.

Die Gießener Staatsanwaltschaft habe bereits einen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt, dem am heutigen Freitag (27.11.2020) vom Amtsgericht Alsfeld stattgegeben wurde. Die Polizei ermittele unter anderem wegen eines dringenden Verdachts versuchten Totschlags. Außerdem müsse sich die Aktivistin wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Falle verantworten. Bei der Frau bestehe, laut Pressemitteilung, akute Fluchtgefahr da sie weder Ausweisdokumente mitführe noch Auskunft über ihre Identität gemacht habe.

Dannenröder Forst: Versuchte Aktivist, Polizist zu töten?

Erstmeldung vom Donnerstag, 26.11.2020, 10.22 Uhr: Dannenröder Forst – Heftiger Vorfall im Dannenröder Forst: Nachdem ein Gestell aus Baumstämmen beinahe auf Polizisten gefallen war, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Das hat ein Sprecher der Behörde in Gießen bestätigt.

Was war passiert? Am Montag (23.11.2020) war nach bisherigen Informationen ein Gestell aus Baumstämmen, ein sogenannter Twopod, umgefallen. Die Polizeibeamten, die laut Medienberichten als solche zu erkennen waren, weil sie Uniform trugen, im letzten Moment zur Seite springen können, hieß es von offizieller Stelle. Die Einsatzkräfte blieben unverletzt. Getroffen wurde letztlich das Führerhaus einer Arbeitsmaschine. Dessen Fahrer blieb ebenfalls unverletzt, eine Schutzvorrichtung hatte die einschlagenden Baumstämme abgefangen.

Dannenröder Forst: Seil bei Baumgestell vorsätzlich gelöst?

Auf Twitter teilte die Polizei Mittelhessen nach dem Twopod-Vorfall im Dannenröder Forst mit: „Es besteht der Verdacht, dass ein Seil vorsätzlich gelöst wurde. In diesem Zusammenhang verfolgen wir eine Person, die damit in Verbindung stehen könnte.“ Auf Twopods harren immer wieder Aktivisten im Dannenröder Forst aus, um gegen die Rodungsarbeiten für den geplanten Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel zu protestieren.

Dannenröder Forst: Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts - Polizisten können sich retten

Der Unbekannte, der nun um Fokus der Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikts steht, konnte offenbar über eine weitere Seilverbindung in ein Baumhaus in der Nähe flüchten.

Bei einer Pressekonferenz der A49-Gegner sprach eine Aktivistin laut dpa am Mittwoch (25.11.2020) von einer „Gewaltspirale“. Die derzeitige Situation im Dannenröder Forst sei für die Waldbesetzer körperlich und psychisch sehr belastend. „Wenn eine Gewaltspirale entsteht zwischen zwei Seiten, dann muss ein Eingang gefunden werden, wo dieser Teufelskreis gebrochen werden kann“, sagte die Frau und erklärte zugleich: Dieser Teufelskreis „kann nicht zuerst auf der Seite der Aktivisten gebrochen werden, das haben wir während mehreren Gesprächen festgestellt“.

Dannenröder Forst: Aktivisten beklagen Gewalt von Seiten der Polizei

Immer wieder prangern die Aktivisten im Dannenröder Forst auch an, dass die Polizei Leib und Leben von A49-Protestlern gefährde. So war vor einigen Tagen etwa eine Aktivisten von einem Baumgestell abgestürzt, nachdem ein Polizei ein Sicherungsseil durchtrennt haben soll. Sie hatte sich schwer verletzt. Bei der Polizei sieht man sich auf der „Seite des Rechts“.

Den Dannenröder Forst und umliegende Waldstücke halten Aktivisten in Teilen seit über einem Jahr besetzt. Hier laufen dennoch seit mehreren Wochen Rodungsarbeiten für den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel. Dieser ist hochumstritten bei Umwelt- und Naturschützern. Die Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung und eine bessere Straßenanbindung.

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