Auf der geplanten Trasse hat die Polizei ein Logistikzentrum eingerichtet. Außerdem wird das Gelände von der Baufirma genutzt, die ihre Fahrzeuge zusätzlich mit Schiffscontainern, Maschendraht und einem privaten Sicherheitsdienst schützt. 	FOTO: LKL
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Auf der geplanten Trasse hat die Polizei ein Logistikzentrum eingerichtet. Außerdem wird das Gelände von der Baufirma genutzt, die ihre Fahrzeuge zusätzlich mit Schiffscontainern, Maschendraht und einem privaten Sicherheitsdienst schützt.

A49-Proteste

„Besondere Dimension“: Polizei errichtet am Dannenröder Forst großes Logistikzentrum

  • vonLena Karber
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Die Rodungen im Dannenröder Forst stehen vor dem Abschluss. Trotzdem hat die Polizei am Waldrand ein großes Logistikzentrum in Betrieb genommen. Denn der Einsatz ist wohl noch lange nicht beendet.

Homberg – Seit die Rodungsarbeiten für den Ausbau der A 49 Anfang Oktober begonnen haben, sind rund um Dannenrod täglich einige Hundertschaften der Polizei im Einsatz - aus verschiedenen Bundesländern. »Von der Dimension ist das schon besonders«, sagt Bernd Hochstädter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Obwohl er seit 36 Jahren für die Polizei arbeitet, hat er so etwas höchstens bei den Protesten gegen den Ausbau der Startbahn West erlebt. »Es ist vor allem eine enorme logistische Herausforderung«, betont Hochstädter. »Da kann ich mich in Hessen an keine ähnliche Einsatzlage erinnern.«

Um diese logistische Herausforderung zu meistern, hat die Polizei am Rand des Dannenröder Forstes vor etwa drei Wochen ein Logistikzentrum in Betrieb genommen. Das rund 10 000 Quadratmeter große Gelände, das von Zäunen umgeben ist, liegt auf der geplanten Autobahntrasse und wird sowohl von der Polizei als auch von der zuständigen Baufirma genutzt.

Dannenröder Forst: Sicherheitsdienst bewacht Teile von Logistikzentrum

Abends und nachts beleuchten Scheinwerfer das Gelände. Die Baufirma setzt zudem auf Container und Stacheldraht, um ihre teuren Maschinen zu schützen. In gelbe Westen gekleidete Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes bewachen den Bereich, den die Baufirma nutzt.

Die Polizei, die etwa 70 Prozent des Geländes nutzt, hat vier weiße Zelte aufgestellt. Eines davon verfügt über Arrestzellen und wird für erkennungsdienstliche Untersuchungen genutzt. Die anderen drei sind Versorgungszelte, in denen die Polizisten Verpflegung erhalten: Kalte und warme Getränke, Obst und kleine Snacks stehen bereit. Zudem gibt es wärmende Bouillon und jeden Tag gekochte Mahlzeiten für Fleischesser und Vegetarier. Aktuell ist jedoch nur eines der drei Zelte in Betrieb.

Damit die Polizisten ihre Mahlzeit in Ruhe einnehmen können, stehen einige Sitzgarnituren bereit, die wegen Corona mit Trennwänden voneinander separiert sind. »Dass man sich hier aufwärmen kann, ist natürlich schön, wenn man drei oder vier Stunden im Wald im Einsatz war«, sagt Hochstädter. »Einige holen sich ihr Essen aber auch nur ab und essen zum Beispiel im Mannschaftsbus.«

Dannenröder Forst: Logistikzentrum muss bis zu 2000 Polizisten versorgen

Bei um die 1000 bis zu 2000 Polizisten, die rund um den Dannenröder Forst jeden Tag im Einsatz sind, kann die Essensausgabe schnell zu einer logistischen Herausforderung werden - gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Laut Hochstädter läuft die Organisation jedoch sehr gut. »Es kommen nicht alle um zwölf zum Essen wie in einer Kantine«, sagt er. Dadurch, dass eine Einheit im Einsatz stets durch eine andere abgelöst werden müsse, verteile sich der Andrang ohnehin.

Zusätzlich zu den einfachen Toilettenkabinen im Wald stehen für die Beamten auf dem Gelände des Logistikzentrums weitere sanitäre Anlagen zur Verfügung. Dominique Balduff, die ebenfalls für das Polizeipräsidium Südhessen arbeitet, stößt die Tür zu einem Toilettenwagen auf. »Alles ganz neu und sauber«, sagt sie. Gerade für die Kolleginnen sei das wichtig, findet Hochstädter. »Ich habe da schon ganz andere Zeiten erlebt«, sagt er. »In den 80er und 90er Jahren war das noch ganz anders.«

Neben den Toiletten-Wagen steht auch ein Container, der wie ein kleines Badezimmer eingerichtet ist. »Es kommt vor, dass der eine oder andere im Einsatz auch mal beschmutzt wird«, sagt Hochstädter und meint damit vor allem die Fäkalien-Würfe auf Polizisten, derer sich die Aktivisten zum Teil bedienen. »Da braucht man eben Möglichkeiten.« Auf dem Gelände des Logistikzentrums wurden sie für die Polizisten geschaffen.

Dannenröder Forst: Logistikzentrum ist gewachsen

Frostige Temperaturen, matschiger Boden, Auseinandersetzungen mit Aktivisten und viel Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit - die Einsatztage sind anstrengend. Doch ist die Belastung für die Beamten rund um den Dannenröder Forst in diesem Einsatz eigentlich höher als gewöhnlich? »Wenn ich sagen würde, es ist alles locker und easy, wäre das nicht ehrlich. Die Dienste dauern auch mal deutlich über zwölf Stunden«, sagt Hochstäder. »Aber wir sind nun mal Polizeibeamte.«

Prinzipiell gibt es laut Hochstädter viele Parallelen zu anderen Einsätzen. Auch seien natürlich nicht seit Oktober jeden Tag die gleichen Polizisten im Dannenröder Forst im Einsatz. »Wir versuchen das ausgewogen zu gestalten«, sagt Hochstädter. »Dann ist das auch von der Kräfteplanung handelbar.«

In den vergangenen Wochen ist das Gelände des Logistikzentrums schrittweise gewachsen. Es folgt sozusagen den Rodungsarbeiten. Dass diese mittlerweile kurz vor dem Abschluss stehen, ändert daran nichts, denn die Polizei geht davon aus, dass die Proteste - und somit auch der Einsatz der Beamten - weitergehen werden, während die Autobahn gebaut wird.

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