Kelkheim: Die Lehrer des Privatgymnasiums Dr. Richter haben sich zu einer Gesamtkonferenz in der Schulturnhalle versammelt. Mit der lockeren Sitzordnung wird der nötige Abstand eingehalten, um eine mögliche Übertragung von Coronaviren auszuschließen. FOTO: DPA
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Kelkheim: Die Lehrer des Privatgymnasiums Dr. Richter haben sich zu einer Gesamtkonferenz in der Schulturnhalle versammelt. Mit der lockeren Sitzordnung wird der nötige Abstand eingehalten, um eine mögliche Übertragung von Coronaviren auszuschließen. FOTO: DPA

Coronavirus hat Hessen fest im Griff

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Wiesbaden- Der Kampf gegen das Coronavirus bestimmt mit immer drastischeren Auswirkungen das öffentliche Leben in Hessen. Das Land orientiert sich an den Leitlinien, die die Bundesregierung und die Regierungschefs der Bundesländer gestern beschlossen hatten (siehe Titelseite und Seite 4.) Es gehe darum, die Verbreitung des Virus so früh wie möglich einzudämmen, betonte Ministerpräsident Volker Bouffier. Aber Hessen wolle auch sicherstellen, "dass ein Mindestmaß des öffentlichen Lebens aufrechterhalten wird". Der Katastrophenfall werde - anders als in Bayern - zunächst nicht ausgerufen.

Seit Montag fällt auch an den Schulen in Hessen der Unterricht aus, Kitas blieben geschlossen. Es gab lediglich eine Notbetreuung. Die Zahl der nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen im Land stieg am Montag auf 342, nachdem es am Sonntag noch 282 waren. Unter den zuletzt positiv getesteten Menschen sind ein 37 Jahre alter Patient und eine 29-jährige Mitarbeiterin eines Offenbacher Krankenhauses, wie die Stadtverwaltung in Offenbach mitteilte. Die Maßnahmen gegen die schnelle Ausbreitung von Covid-19 sind inzwischen in vielen Lebensbereichen deutlich spürbar:

Kein Unterricht an den Schulen- Laut Kultusministerium verlief an den Schulen der Wechsel in den Krisenbetrieb überwiegend problemlos. Das sagte Ministeriumssprecher Stefan Löwer in Wiesbaden mit Blick auf Rückmeldungen aus den 15 Schulämtern. Die Zahl der Kinder, die in die Notbetreuung gebracht wurden, habe sich sehr in Grenzen gehalten. Die Ämter hätten von einem Kind bis zu acht Jungen und Mädchen pro Schule berichtet. Bis zum Ende der Osterferien (18. April) wird landesweit nicht mehr unterrichtet.

Wie sind die Erfahrungen der Schulen vor Ort?- An der Frankfurter Linnéschule, einer Grundschule mit 370 Kindern, kamen laut Schulleiterin Helga Vogt weniger als zehn Kinder in die Notbetreuung bei wechselnden Lehrern. Am Morgen hatten sich die Lehrer zu einer Konferenz getroffen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Die meisten würden Wochenarbeitspläne per E-Mail an die Schüler verteilen, sagte Vogt.

An einem Frankfurter Gymnasium verschickten die Lehrer Arbeitsblätter als Anhänge, Aufträge für Referate oder QR-Codes, mit denen sich die Kinder in ein Online-Medienzentrum einloggen können, um dort Aufgaben zu machen. Manche Schule öffnete am Montagmorgen ein vorerst letztes Mal, damit Schüler etwa die Bücher aus ihren Spinden holen konnten.

Universitäten- Im Zuge der Corona-Krise hat die Universität Kassel ihre Prüfungen ausgesetzt. "Die Hochschulleitung kann nicht garantieren, dass im Prüfungsbetrieb alle notwendigen hygienischen Standards und ausreichendes ›social distancing‹ durch entsprechende organisatorische Maßnahmen eingehalten werden können", teilte die Uni mit. Diese Maßnahme gelte zunächst bis zum 20. April. Die Hochschule verschiebt auch den Vorlesungsbeginn des Sommersemesters auf dieses Datum.

Öffentliches Leben- Pendler müssen sich auf Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Es werde über Sonderfahrpläne beraten, erklärte eine Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Oberstes Ziel sei es, einen zuverlässigen Bus- und Bahnbetrieb sicherzustellen, aber auch, die Partnerunternehmen dabei zu unterstützen, eine sichere Arbeitsatmosphäre für das Fahrpersonal zu schaffen.

Die Verkehrsgesellschaft Rhein-Main (VGF) wird die Fahrscheinkontrollen aussetzen. Wie die VGF am Montag mitteilte, gilt aber weiterhin die Fahrkartenpflicht. Außerdem werden einige Serviceangebote eingestellt. Ziel sei es, den Kontakt zwischen Mitarbeitern und Fahrgästen zu verringern, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Die Maßnahmen gelten laut VGF zunächst unbefristet. dpa

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