Studien zeigen Zusammenhang

Corona und Vitamin-D-Mangel: Angeblich höheres Sterberisiko - Stimmt das?

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Vitamin-D-Mangel? Studien berichten davon. Doch eine solche Schlussfolgerung hat einen Fallstrick.

  • Studien schreiben von einem Zusammenhang zwischen einem schweren Covid-19-Verlauf und Vitamin-D-Mangel.
  • In sozialen Medien verbreiten sich Tipps zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten.
  • Gravierende Folgen sind möglich.

Kassel - Vitamin-D-Tabletten gegen Corona? Studien belegen einen angeblichen Zusammenhang zwischen einem schweren und sogar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung und einem Mangel an Vitamin D. Doch lässt das wirklich die Schlussfolgerung zu, dass Vitamin-D-Mangel eine Ursache für solch einen schlimmen Krankheitsverlauf ist? Oder handelt es sich lediglich um ein Symptom?

Corona und Vitamin D: Kettenbriefe sprechen von Zusammenhang

Die Annahme, dass das Einnehmen von Vitamin-D-Präparaten gegen das Coronavirus helfen könnte, kursiert schon seit Ausbruch der Pandemie - und zwar in Whats-App-Kettenbriefen und weiteren sozialen Netzwerken. Nicht das, was man eine zuverlässige Quelle einordnen würde.

Vitamin D
Quelle:Bis zu 90 Prozent des benötigten Vitamin D wird durch Sonnenlicht produziert)
Symptome bei Mangel:Knochenschmerzen, Abnahme der Knochendichte, Störung des Kalzium- und Phosphatstoffwechselns, höhere Wahrscheinlichkeit für Depressivität, Atemwegsinfektionen
Wichtig für:Knochen, Immunsystem
ErnährungCirca 10 bis 20 Prozent kann durch Ernährung aufgenommen werden: fetter Seefisch, bestimmte Innereien, Speisepilz, Ei

Das Deutsche Gesundheitsportal, ein StartUp, welches verspricht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in verständlicher Sprache zugänglich zu machen, hat über eine solche Studie berichtet. Der Original-Titel lautet: “Association of Vitamin D Status and Other Clinical Characteristics With COVID-19 Test Results“. In der Studie war ein Vitamin-D-Mangel mit einem höheren Risiko auf eine Covid-19-Erkrankung verbunden.

Corona und Vitamin-D-Mangel: Uni legt Meta-Studie vor

Hans K. Biesalski von der Universität Hohenheim hat mit seinem Team 30 Studien miteinander verglichen und einen möglichen Zusammengang zwischen einem Mangel an Vitamin D und einem schweren Verlauf von Covid-19* festgestellt. Demzufolge ist das Risiko, schwer an dem Coronavirus zu erkranken, für Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel höher als für Personen mit einem normalen Wert.

Aber genau hier ist der Fallstrick, denn ein solcher Zusammenhang heißt noch lange nicht, dass Vitamin-D-Mangel eine Ursache für einen schweren Covid-19-Verlauf ist. Denn viele Grunderkrankungen gehen mit einem Mangel an Vitamin-D einher und auch ältere Menschen weisen vermehrt einen solchen Mangel auf. Beide zählen zu den Risikogruppen bei Corona.

Corona und Vitamin-D-Mangel: Risikogruppe für Corona leidet besonders oft Vitamin-D-Mangel

Das Robert-Koch-Institut (RKI) listet folgende Gruppen als Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel auf:

  • Personen, die selten im Freien sind, weil sie etwa nicht mobil sind, chronisch krank oder pflegebedürftig.
  • Dazu zählen: alte Menschen, vor allem, wenn sie in Pflegeheimen leben.
  • Insgesamt sind ältere Menschen gefährdet, weil die Eigenproduktion von Vitamin D im Alter nachlässt.
  • Säuglinge.
  • Menschen, die chronische Magen-Darm, Leber- oder Nierenerkrankungen haben.
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen (zum Beispiel: Antiepileptika, Zytostatika).

Demzufolge ist Vitamin-D-Mangel ein Symptom und Begleiteffekt der zugrundeliegenden Vulnerabilität, aber keine Ursache für einen besonders schweren Verlauf von Covid-19. Denn die Personen mit Vitamin-D-Mangel sind oftmals in der Risikogruppe für Infektionskrankheiten. Das bedeutet, dass Tipps zum Schlucken von Vitamin-D-Präparaten, um nicht an Covid-19 zu erkranken, fahrlässig sind. Quelle hierfür ist ein Bericht von SWR3.

Vitamin D: Wichtig für Immunsystem und Gesundheit - das empfiehlt das RKI

Nichtsdestotrotz, Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit und das Immunsystem. Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist das Bilden von Vitamin D nur von März bis Oktober, also in den hellen Monaten, möglich. Um einem Mangel an Vitamin D das ganze Jahr über entgegenzuwirken, empfiehlt das RKI quasi für die Wintermonate „vorzusorgen", denn der Körper kann nicht nur den akuten Bedarf decken, sondern auch Reserven für das Winterhalbjahr anlegen.

Laut dem RKI soll man zwei- bis dreimal pro Woche zwischen März und Oktober Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne aussetzen. Dabei reicht bereits die Hälfte der Zeit, in der ansonsten Sonnenbrand entstehen könnte. Denn bei längerem Aufenthalt in der Sonne muss unbedingt Sonnenschutz gewährleistet werden.

Eine andere Möglichkeit sind laut dem RKI - wenn ein gesunder Vitamin-D-Spiegel weder durch Eigenproduktion oder Ernährung gegeben ist - Nahrungsergänzungsmitel. Diese Einschränkung sei dem RKI zufolge wesentlich, da ein zu hoher Vitamin-D-Zufuhr zu einer Überdosierung führen kann - eine Vergiftung, die Übelkeit, Erbrechen, aber auch schwere Folgen wie Nierenschäden, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit oder gar zum Tod führen kann. (Katharina Ahnefeld)

Bisher galt, dass Schwangere nicht zur Corona-Risikogruppe zählen*. Eine falsche Annahme? Inzwischen werden Langzeitfolgen für Babys befürchtet. *hna.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Stephan Scheuer/dpa

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