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Dass die Klassensäle im Lockdown leer sind, kann für die Kinder zu einem Problem werden - nicht nur beim Lernfortschritt. Experten warnen, dass die soziale Isolation chronisch werden kann. ARCHIVFOTO: DPA

Corona-Krise im Kinderzimmer

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Die Pandemie ist ein drastischer Eingriff in die Lebenswelt von Kindern: Spielen oder Lernen, vieles müssen sie derzeit alleine bewältigen. Ansprech- partner sind fast nur noch die Eltern. Das wird Experten zufolge nicht ohne Folgen bleiben.

Verkehrte Welt Tag für Tag: In der Schule mit Gleichaltrigen lernen, nachmittags auf dem Bolzplatz toben, Geburtstage feiern mit allen Freunden - derzeit Fehlanzeige für Kinder in der CoronaKrise. Stattdessen sind Lernen im Kinderzimmer, Spielen an der Spaßgrenze und Stress mit den Eltern Alltag. Zwei Lockdowns binnen eines Jahres wegen der Pandemie werden für die Kleinsten in der Gesellschaft nicht ohne Folgen bleiben, glauben Experten. Dem hessischen Sozialministerium zufolge zeichnen erste Studien ein Bild, dass bei Kindern und Jugendlichen Anzeichen für Zukunftsängste, psychische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, emotionale Schwierigkeiten oder Verhaltensprobleme zeigt.

Hohe Belastung für die Familien

»Es wird dauerhaft Folgen geben, in wirtschaftlicher Hinsicht durch mangelhafte Ausbildung und auch psychologisch«, ist sich die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Hessen, Olivia Rebensburg, sicher. Neben den Schulen und Kitas fehle das Freizeit- und Sportangebot. Hier hätten viele aber Vertrauenspersonen, das fehle massiv. »Die Belastungssituation in den Familien ist hoch.« Zahlen, Daten, Fakten gibt es kaum. In Zeiten der Pandemie sei eine Bestandsaufnahme schwierig. »Erste Befragungen und Meldungen von Psychologen deuten auf Langzeitfolgen hin«, sagt Rebensburg.

In Kinder- und Jugendpsychiatrien in Hessen sind die Folgen der Corona-Krise bereits deutlich spürbar. Dort werden unter anderem viele junge Patienten behandelt, die mit Schulängsten, -unlust und Trennungsängsten kämpfen. Zunächst könne für solche Kinder das Homeschooling zwar eine scheinbare Entlastung bedeuten, weil sie für die Schule zurzeit nicht mehr ihr Zuhause verlassen müssten, sagt der Kinderpsychiater und stellvertretende Direktor der Vitos-Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Herborn, Christoph Andreis.

Häusliche Gewalt nimmt zu

Oft sei das aber nur eine »Pseudolösung«, weil das eigentliche Problem fortbestehe und nur auf später verschoben werde, wenn wieder Schulbesuch, Zusammenkünfte mit Gleichaltrigen und Klassenkameraden, Praktika oder vielleicht auch Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz oder ähnliche soziale Anforderungen anstünden. »Die soziale Isolation kann sich chronifizieren«, sagt Andreis.

Hinzukomme: Die entzerrende Wirkung der Schule auf das häusliche Umfeld falle durch den Lockdown derzeit weg. Dadurch steigen Spannungen und Stress in den Elternhäusern - zumal viele Eltern zu Hause gleichzeitig ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen und womöglich auch kleinere Kinder betreuen müssen. »Es kommt viel häufiger zu Momenten, in denen Konflikte aufbrechen«, sagt Andreis. Streit, Impulsdurchbrüche oder sogar häusliche Gewalt nähmen tendenziell zu.

Bei den Beratungsstellen der Kommunen macht man teils unterschiedliche Erfahrungen, zum Beispiel bei den Anfragen für Beratungen. Der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller, ist sich sicher: »Das wird irgendwann Folgen haben.« Für den Fall eines dritten Lockdowns glaubt er: »Die Langzeitfolgen werden dann zum entscheidenden Thema.« Auch die Leiterin der Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche in Ober-Ramstadt, Kordula Gruhn, sagt: »Im Moment ist Resignation zu spüren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine Auswirkungen hat.«

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