Die Lufthansa ist wegen des herben Nachfrageeinbruchs durch das neuartige Coronavirus schwer getroffen und hat den Löwenanteil ihres Flugangebots für die kommenden Wochen gestrichen. Foto: dpa
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Die Lufthansa ist wegen des herben Nachfrageeinbruchs durch das neuartige Coronavirus schwer getroffen und hat den Löwenanteil ihres Flugangebots für die kommenden Wochen gestrichen. Foto: dpa

Corona bremst öffentliches Leben

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Kein Unterricht, geschlossene Museen und Theater, Besuchsverbote in Kliniken und Altenheimen: Das Coronavirus schiebt fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens einen Riegel vor. Mit der steigenden Zahl der Kranken gibt es auch spontane Hilfsprojekte.

Das öffentliche Leben in Hessen kommt wegen des Coronavirus immer mehr zum Erliegen. Die Landesregierung beschloss drastische Maßnahmen, um eine Verbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen zu verlangsamen. Die Zahl der nachgewiesenen Fälle stieg weiter an.

Behörden und Schulen:Ab diesem Montag wird landesweit an den Schulen nicht mehr unterrichtet. Für bestimmte Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1 bis 6 und bestimmte Kindergartenkinder wird eine Notfallbetreuung in kleinen Gruppen gewährleistet. Die Gruppe der anspruchsberechtigten Eltern gilt für Mitarbeiter der Polizei, Feuerwehr, von Ordnungsbehörden, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Krankenhäuser. Kurz vor Beginn des Unterrichtsstopps an hessischen Schulen forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen ein Krisen-Elterngeld für Betroffene von Schul- oder Kitaschließungen. Ab Montag bleiben nach Angaben des Finanzministeriums auch alle Servicestellen der hessischen Finanzämter geschlossen.

Museen und Theater:Seit Sonntag sind alle Museen und Theater des Landes sowie die Museumslandschaft Kassel zunächst bis zu 19. April geschlossen. Die Landesregierung empfiehlt Kommunen, dies auch für ihre Theater und Museen anzuordnen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden schloss die Hallenbäder. In Frankfurt bleiben der Zoo, der Palmengarten, die Bühnen und die Museen zu.

Die Landesregierung:Das Kabinett sagt alle öffentlichen Termine ab. Auch die Mitglieder der Landesregierung würden ihre persönlichen Kontakte deutlich reduzieren und keine öffentlichen Termine mehr wahrnehmen, um so das Infektionsrisiko und die Gefahr der Übertragung des Virus zu minimieren.

Feiern und Versammlungenmit mehr als 100 Teilnehmern sind nach eine Anordnung der Hessischen Landesregierung nach einer Sonder-Kabinettssitzung zur Bekämpfung der Coronaviruskrise verboten. Um die Verbreitung des Coronavirus zumindest zu verlangsamen, sollen zudem die persönlichen Kontakte so weit wie möglich minimiert werden.

Reisen aus Risikogebieten:Funktionsträger, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen in Quarantäne. Die Personengruppe, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung besonders wichtig ist, werde um alle Mitarbeiter der Krankenhäuser, des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der kritischen Infrastruktur wie etwa der Energie- und Wasserversorgung sowie um Soldatinnen und Soldaten erweitert. Wer zu dieser Gruppe zähle, müsse nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet für 14 Tage in häusliche Quarantäne. Damit soll sichergestellt werden, dass diese Menschen nicht ungewollt Kollegen aus diesen Bereichen mit dem Virus infizieren.

Kirchen:Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, hat das Bistum Fulda am Samstag mit sofortiger Wirkung alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt. Diese Regelung gilt bis zum 3. April. Ein Gottesdienst des Fuldaer Bischofs Michael Gerber konnten Gläubige am Sonntag im Internet verfolgen. Das Bistum Limburg sagte von Montag an alle öffentlichen Gottesdienste ab. Auch Firmungen, Erstkommunionfeiern und gemeinsame Tauffeiern sind bis einschließlich Christi Himmelfahrt betroffen.

Kliniken:Auch Krankenhäuser ordnen strikte Maßnahmen an. Zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern gilt im Klinikum Fulda ein generelles Besuchsverbot. Soweit medizinische, soziale oder palliativmedizinische Gründe eine Ausnahme notwendig machen, können Besucher nach telefonischer Absprache im Einzelfall zugelassen werden, hieß es. Ähnlich reagierte das Klinikum Hersfeld-Rotenburg. Ausnahmeregeln gibt es nur noch für Seelsorger, Eltern minderjähriger Kinder oder Besucher der Palliativstation. Auch Rechtsanwälte und Notare in beruflicher Eigenschaft sind von dem Besuchsverbot ausgenommen, während bei Geburten nur noch eine Begleitperson zugelassen wird. Auch im Main-Kinzig-Kreis gilt ab Montag ein umfassendes Besuchsverbot in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie Reha- und Kurkliniken.

Spontane Hilfe:Die Spieler des Handball-Zweitligisten TV Hüttenberg wollen wegen des eingestellten Spielbetriebs für Menschen in Quarantäne oder Risikogruppen das Einkaufen übernehmen. Und auch die Nachwuchsorganisationen von fünf normalerweise konkurrierenden Parteien wollen im Werra-Meißner-Kreis in der Coronakrise Erkrankten und Menschen in häuslicher Quarantäne gemeinsam unter die Arme greifen. Unter dem Motto "Wir gegen Corona" wollen die jungen Leute eine Telefon-Hotline einrichten und Einkäufe erledigen.

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