350 Conti-Mitarbeiter machten ihrem Unmut Luft

Wetzlar (dpa). Gut 350 Mitarbeiter der früheren Siemens-Sparte VDO haben am Freitag in Wetzlar gegen den Abbau von Stellen in dem vom Autozulieferer Continental übernommenen Werk protestiert.

"Hier wird nicht mehr auf Menschen geschaut, hier wird nur noch profitorientiert gedacht", sagte die Betriebsratsvorsitzende Margit Fischer. Als Dank für hervorragende Gewinne würden die Beschäftigten auf die Straße gesetzt. Die Belegschaft sei zum Kampf um die Arbeitsplätze bereit und werde alles dafür tun, dass die geplante Produktionsschließung rückgängig gemacht werde.

Der Autozulieferer Continental will nach der Übernahme von VDO die Produktion im mittelhessischen Wetzlar schließen und 450 der gut 900 Stellen streichen. Die Bereiche Forschung und Entwicklung sollen aber fortgeführt werden. Die Pläne sollen nach dpa-Informationen noch in diesem Jahr umgesetzt werden und 2009 beendet sein. Das Ende der Produktion war bereits von VDO geplant gewesen.

Auf Transparenten forderten die Beschäftigten "Standort Wetzlar muss bleiben" und "Wir fordern Arbeitsplatzsicherung für alle". Etliche trugen Trauerflor. "Die Stimmung ist im Keller, es ist fast nicht mehr auszuhalten", sagte Marita Mohr, die seit 15 Jahren in der Wetzlarer Produktion arbeitet. "Man geht schon fast mit Magenschmerzen zur Arbeit, weil man nie weiß, was einen wieder Neues erwartet", sagte die 43-Jährige.

Auch ihre Kollegin Petra Nell (45), die seit 24 Jahren in der Wetzlarer Produktion arbeitet, hat "einfach nur noch Angst".

Auch der Standort Karben ist in Gefahr

Die Betriebsleitung hatte die Veranstaltung mit einem Aushang als nicht zulässig bezeichnet. "Auf die Mitarbeiter wurde auch persönlich ein Mordsdruck ausgeübt und bei Teilnahme sogar mit Abmahnungen gedroht", sagte Fischer. Da diese Veranstaltung nicht die vorgeschriebenen Kriterien einer Betriebsversammlung erfülle, sei sie auch keine, sagte eine Continental-Sprecherin. Eine Teilnahme daran komme damit einer Arbeitsniederlegung gleich. Zudem habe die Betriebsleitung mit dem Aushang informiert, Einschüchterungen habe es nicht gegeben. Nach Angaben der Continental-Sprecherin sind in Hessen an den früheren VDO-Standorten Babenhausen, Karben, Bebra, Wetzlar und Schwalbach insgesamt mehr als 7000 Mitarbeiter beschäftigt. Auch am Standort in Karben in der Wetterau sind nach Angaben des dortigen Betriebsrats Arbeitsplätze gefährdet. Bis 2009 sollen nach derzeitigem Kenntnisstand etwa 140 Stellen - hauptsächlich in der Produktion - gestrichen werden. In Karben sind den Angaben zufolge etwa 1400 Menschen beschäftigt.

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