"Colosseum" lieferten "Best of" und mehr

Marburg. - 1968 gegründet, 1971 nach kurzer steiler Karriere aufgelöst und 23 Jahre später in gleicher Besetzung wieder auferstanden, seitdem immer regelmäßig auch in Deutschland unterwegs: Die britische Band "Colosseum", die Rock- wie Jazzfans gleichermaßen seit über 40 Jahren begeistert, war am Mittwoch im Rahmen ihrer aktuellen Deutschlandtournee wieder mal in der erneut fast ausverkauften Marburger Stadthalle zu Gast. (Foto: axc)

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Marburg. - 1968 gegründet, 1971 nach kurzer steiler Karriere aufgelöst und 23 Jahre später in gleicher Besetzung wieder auferstanden, seitdem immer regelmäßig auch in Deutschland unterwegs: Die britische Band "Colosseum", die Rock- wie Jazzfans gleichermaßen seit über 40 Jahren begeistert, war am Mittwoch im Rahmen ihrer aktuellen Deutschlandtournee wieder mal in der erneut fast ausverkauften Marburger Stadthalle zu Gast.

Während die Saalmusik noch läuft, tauchen die sechs Musiker um Schlagzeuger Jon Hiseman (66) aus dem Dunkel auf und nehmen ihre Plätze ein. Mit "Come right back", einem scheinbar simplen, aber im Detail vertrackten 6/8-Blues Shuffle aus der Feder von Organist Dave Greenslade, präsentiert die Band zu Beginn ein relativ neues Stück (2003). Danach folgt der Griff in die Mottenkiste: "Can’t live without you" stammt vom Debütalbum "Those about to die salute you", "Morning story" ist ein Jack Bruce-Stück aus alten Tagen, aber dem zum größten Teil aus "Colosseum"-Stammkunden bestehenden Publikum ebenfalls nicht allzu bekannt.

Erst mit einer ohne Pause gespielten Kombination von "Theme for an imaginary western", "Walking in the park" und "Stormy Monday Blues" ist die Abteilung der unverwüstlichen Klassiker eröffnet. Gitarrist Dave "Clem" Clempson spielt erstaunlicherweise nicht die vertraute Gibson Les Paul, sondern fast durchgehend eine weicher und bluesiger klingende Fender Stratocaster, Mark Clarke sorgt mit seinem Bass für tiefe, mit seiner Gesangsstimme für hohe Töne - obwohl die vokale Hauptrolle natürlich wie immer Chris Farlowe zufällt, der vor Wochenfrist 70 wurde, aber nach wie vor prächtig bei Stimme ist und noch immer die verrücktesten Scatgesangsphrasen der Branche liefert.

Die dreiteilige "Valentyne suite" mit ihrem unvergleichlich dramatisch zugespitzten Gitarrensolo, Hisemans Schlagzeugorgie und "Lost Angeles" mit dem diesmal eher nur angedeuteten Gitarre-Bass-Duell bilden den Höhepunkt und Abschluss, offenbaren aber auch, dass die seit 2001 an Parkinson erkrankte Saxofonistin Barbara Thompson (66), die 2004 für den verstorbenen Dick Heckstall-Smith einsprang, den Abend nur mit Mühe durchhält. Umso herzlicher dankt ihr das zum größten Teil mitgereifte Publikum für etliche schöne Soli, vor allem auf dem Sopransaxofon.

Fast trotzig wirkt da im Rückblick Jon Hisemans Versicherung: "Wir leben alle noch, wir sind alle original." Gleichzeitig wird ein wenig schmerzhaft bewusst, dass die von Hiseman angesprochene Umstellung auf ein einziges Set natürlich nicht nur mit angeblich zu lang gewordenen Pausen und damit zu intensivem Alkoholgenuss zu tun hat, wie er augenzwinkernd behauptet. Dennoch verklingt der letzte Ton erst nach gut 105 Minuten. Ein gutes Konzert ist es dann ja auch noch gewesen. Axel Cordes

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