Fabian Simon weiß, dass er die Welt nicht retten kann. "Aber ich will es wenigstens versuchen" - indem er sich für DEVELOPmed.aid einsetzt. Der Verein sammelt Geld für kranke Kinder in Burkina Faso. Für sein Engagement wird Simon mit dem Ehrenamtpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen geehrt. FOTO SABINE RAUCH
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Fabian Simon weiß, dass er die Welt nicht retten kann. "Aber ich will es wenigstens versuchen" - indem er sich für DEVELOPmed.aid einsetzt. Der Verein sammelt Geld für kranke Kinder in Burkina Faso. Für sein Engagement wird Simon mit dem Ehrenamtpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen geehrt. FOTO SABINE RAUCH

Mit Cocktails ein Stück Welt retten

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Dass er sich für andere Menschen einsetzt, sei doch eigentlich selbstverständlich, sagt Fabian Simon. Die Bürgerstiftung Mittelhessen weiß, dass es das nicht ist, und zeichnet den 25-Jährigen aus Schwickershausen mit dem Ehrenamtpreis aus.

Eigentlich will er gar nicht über sich sprechen. Viel lieber über die Not der Menschen in Burkina Faso, den Verein DEVELOPmed.aid, und dass es eigentlich gar nichts Besonderes ist, sich für andere zu engagieren. Vermutlich ist es auch diese Haltung, die Fabian Simon den Ehrenamtpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen eingebracht hat. "Seine Initiative ist beispielhaft", heißt es im Statement der Stiftung. Dabei sei das doch gar nichts Besonderes, sagt Fabian Simon. "Mir tut es nicht weh, ein bisschen Zeit aufzuwenden, aber anderen Menschen bringt das unendlich viel."

Nicht nur an sich selbst denken

Dass man nicht nur an sich selbst denken sollte, hatten ihm schon seine Eltern vorgelebt. Und dann lernte er Klaus Nebel kennen, der war damals Pfarrer in Bad Camberg. Er begeisterte Fabian Simon für den Glauben, er nahm ihn mit zum Weltjugendtag nach Madrid und dann 2013 nach Rio de Janeiro. "Das hat mir viel gebracht", sagt Fabian Simon. Was er dort erlebt habe, habe sein Denken und sein Handeln beeinflusst. 2013, nach dem Abitur an der Taunusschule in Bad Camberg, zog es ihn nach Indien, ins Waisenhaus der Ghandi-Kinderhilfe Bad Camberg. "Es gibt so viele Sachen, die man machen kann", sagt Fabian Simon und strahlt.

Dass ein Teil seiner Zeit und seines Engagements in den vergangenen sechs Jahren vor allem kranken Kindern in Burkina Faso zugutekam, sei eigentlich ein Zufall gewesen, sagt Fabian Simon. 2014 - damals studierte er noch Sport, Katholische Theologie und Darstellendes Spiel in Mainz - nahm ein Freund und Kommilitone ihn mit zu einem Treffen der Hochschulgruppe von DEVELOPmed.aid. Die Gründerin des Vereins, Dr. Lena Katharina Müller, suchte damals jemanden, der die Hochschulgruppe übernehmen und Werbung für die Arbeit des Vereins machen wollte. Fabian Simon und sein Freund Sven Bettendorf wollten. Und wie: Sie haben ein Werbevideo produziert und immer wieder Professoren dazu überredet, dass sie es vor den Vorlesungen zeigen durften, sie haben den Verein bei der Hochschulmesse vorgestellt. Und sie haben dafür gesorgt, dass die Menschen den Verein mit etwas Positivem verbinden - mit Cocktails. Und ganz nebenbei spült der Verkauf der Mojitos, Caipirinhas und Cuba Libres natürlich Geld in die Kassen des Vereins. Mindestens die Hälfte des Geldes, das der Verein dafür ausgibt, dass in Burkina Faso auch die ärmsten Kinder Zugang zur medizinischen Versorgung haben, wird von Fabian Simon und den anderen aus der Hochschulgruppe eingesammelt. In einem Jahr waren es mal rund 15 000 Euro. Da hatten er und seine Helfer aber auch bei der Mainzer Johannisnacht, bei der Semester-Eröffnungsfeier und beim AStA-Fest ihren "Cocktailstand für den guten Zweck" aufgebaut.

Der Gewinn geht zu 100 Prozent an den Verein, verspricht Fabian Simon; alle Vereinsmitglieder arbeiteten ehrenamtlich, es entstünden keine Kosten für Büros. Und was er an Ausstattung für die Cocktail-Zubereitung braucht, gehört ihm selbst oder kann er sich in dem Mainzer Club ausleihen, in dem er abends hinter der Theke steht - dann natürlich für Geld.

2016 war Fabian Simon selbst einmal in Burkina Faso. Die Reise hatte er sich mit der Entwicklung einer Spenden-App verdient. Das Ziel sei es, dass die Spender sehen könnten, wie und wem sie helfen. Leider funktioniere die App noch nicht so, wie sie sollte, sagt Fabian Simon. "Der Verein braucht noch Unterstützung im IT-Bereich." Aber er konnte sich damals in Ouagadougou davon überzeugen, wie nötig die Hilfe ist und dass sie ankommt. Deshalb spendet er auch die 500 Euro, mit denen sein Ehrenamtpreis dotiert ist, an den Verein. Die Menschen in Burkina Faso können jeden Euro gebrauchen und wegen der Corona-Pandemie sind so viele Veranstaltungen ausgefallen, bei denen er Cocktails für den guten Zweck hätte mixen können.

Studium fertig, Engagement nicht

Jetzt steht ein Wechsel in Fabian Simons Leben an. Er ist 25, hat sein Lehramtsstudium abgeschlossen und hofft auf ein Referendariat in Wiesbaden. Mit der Hochschulgruppe von DEVELOPmed.aid ist es damit vorbei. Aber mit seinem Engagement natürlich nicht.

Er wisse noch nicht, wo er sich in Zukunft engagieren werde, sagt Simon. Er wisse ja noch nicht, wie viel Zeit neben dem Referendariat bleibt. Auf alle Fälle werde er sich weiter für kranke Kinder in Burkina Faso einsetzen, er werde weiterhin Cocktails mixen, Spenden sammeln und bei der Organisation der Events helfen. Und dann sind da ja noch die Deutschkurse im Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrum und das Fußballtraining mit der integrativen Jugendmannschaft in Mainz. "Wir haben doch die Pflicht, für das Wohl unserer Mitmenschen zu sorgen." Vielleicht könne ein Einzelner die Welt nicht retten, "aber viele Einzelne schon". Zumindest könne jeder helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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