Busfahrer streiken in mehreren Städten

Frankfurt (dpa/lhe). Unzufriedene Busfahrer haben am Montag in mehreren hessischen Großstädten Teile des Nahverkehrs lahmgelegt.

Vor allem in Frankfurt, Darmstadt und Marburg warteten Schüler und Pendler an den Bushaltestellen vergeblich. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen mit den Busunternehmern. Am 29. Februar wollen die beiden Parteien erneut zusammenkommen. Am Dienstag sollten die Busse wieder nach Plan fahren, hieß es bei der Gewerkschaft.

Zu dem Arbeitskampf hatte die Gewerkschaft ver.di aufgerufen. Allein in Marburg legten rund 170 Busfahrer spontan die Arbeit nieder. In Darmstadt streikten zudem die Fahrer von Straßenbahnen. "Wir gehen davon aus, dass die Arbeit den ganzen Tag über niedergelegt wird", sagte eine Sprecherin des Verkehrsunternehmens HEAG mobilo. "Da bleibt kaum etwas anderes übrig, als zunächst auf Taxi oder Fahrrad umzusteigen."

Nach Angaben der Gewerkschaft sollte der Warnstreik den ganzen Tag dauern. Zeitgleich protestierten nach Polizeiangaben rund 300 Busfahrer in Wiesbaden bei einer ver.di-Kundgebung gegen ein geplantes Gesetz für den öffentlichen Nahverkehr. Diese Richtlinie würde Kommunen die direkte Vergabe von Buslinien erlauben, sagte ein ver.di-Sprecher. Die hessische Landesregierung will in dieser Woche über die Gesetzesnovelle beraten. Die Gewerkschaft fürchtet Dumpinglöhne, weil die Vergabe nicht an soziale Standards gebunden sei.

"Am 20. jedes Monats habe ich kaum noch Geld, um meine Kinder zu ernähren", sagte der 53-jährige Busfahrer Johannes Sideris aus Offenbach. Sein 40-jähriger Kollege Flamur Cakaj aus Maintal meinte, manche Beschäftigte bekämen Löhne unter Hartz IV-Niveau. "Sie verdienen so wenig, dass sie auf zusätzliches Geld vom Amt angewiesen sind."

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund warnte auf seiner Internetseite am Montag vor vereinzelten Ausfällen im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunuskreis. Fahrgästen wurde geraten, auf U- und S-Bahnen oder Regionalzüge auszuweichen. "Bisher ist nicht bekannt, wie lange die Gewerkschaft den Streik aufrechterhalten will", teilte die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ mit.

Wenig Verständnis für den Streiks zeigen naturgemäß die Busunternehmer in Hessen: "Wir wollen etwas tun, um den Beruf des Busfahrers auch finanziell attraktiver zu machen, müssen jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen", sagte Matthias Kalbfuss, der Verhandlungsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO). Sein Verband vertritt etwa 170 hessische Omnibusbetriebe, die mit rund 2500 Bussen unterwegs sind.

Die Arbeitgeber schlagen nach seinen Angaben eine um 4,2 Prozent bessere Vergütung in zwei Schritten und mit einer Laufzeit von 26 Monaten vor. "Unser Angebot orientiert sich an den gestiegenen Lebenshaltungskosten und vor allem der Preisfortschreibung in den bestehenden Verkehrsverträgen mit den Auftraggebern in Hessen", sagte Kalbfuss laut einer Mitteilung weiter. Die Gewerkschafts-Forderung nach 1,50 Euro mehr Stundenlohn sei "überzogen und nicht finanzierbar", das entspreche 15 Prozent mehr Lohn.

In Darmstadt fielen am Montag alle Stadtbusse und Straßenbahnen aus. Auch in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Bergstraße standen vereinzelt Busse still, wie die HEAG mitteilte. In Marburg waren 19 Buslinien betroffen. Vor allem der Berufs- und Schulverkehr in der Stadt leide darunter, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke. In Frankfurt fuhren nach Angaben der Nahverkehrsgesellschaft traffiQ nur wenige Buslinien.

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