Burgen, Badefreuden und Basalt

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Er gilt als raue Gegend und hat dennoch unwiderstehliche Reize: Zwischen Rothaargebirge, Taunus und Lahn-Dill-Bergland schiebt der hessische Westerwald seine bewaldeten Höhen. Auf einem Rundwanderweg kann man vieles über die Eigenheiten dieser Region erfahren. - und wird mit einem grandiosen Ausblick belohnt.

Das Wahrzeichen von Greifenstein ist die weithin sichtbare Burg, die unter anderem von den beiden Doppeltürmen weite Blicke nach Norden ins Dilltal und nach Süden und Westen ins Gießener Land bis hin zum Vogelsberg und zum Taunus eröffnet.

Von hier aus, genauer gesagt vom großen Parkplatz am Rand des Ortes, startet der Drei-Burgen-Weg, der in unterschiedlich langen Etappen durch dichte Wälder und offene Weideflächen von der Burgruine Greifenstein über die im Mittelalter zerstörte Burg Lichtenstein und das Schloss Beilstein wieder zurück zum Ausgangspunkt führt. Mit Pausen sollte man für die knapp 20 Kilometer lange Tour - je nach individuellem Tempo - fünf bis sechs Stunden einkalkulieren. Eine Abkürzung auf dem Rückweg nach Greifenstein bietet hinter Beilstein der Ulmtal-Rundwanderweg.

Die landschaftsbeherrschende Lage des Plateaus über dem Dilltal begünstigte Mitte des 12. Jahrhunderts den Bau der Höhenburg Greifenstein, die in der Folgezeit den Wechselfällen der Geschichte mit Krieg und Frieden unterworfen war und auch stark unter Zerstörungen litt. Das Burggelände kann gegen Eintritt besichtigt werden.

Besonderer Klang in der Glockenwelt

In einem früheren Wehrturm ist die Glockenwelt untergebracht. Mit fast 100 Glocken gehört sie zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art in Deutschland. Am eindrucksvollsten ist das Erlebnis des Glockenklangs, den man selbst erzeugen kann. Hier erfährt man auch, wie eine Glocke entsteht, was Big Ben und der Greifenstein gemeinsam haben oder wie Freiheit klingt.

Der Wanderweg ist gut markiert (gelbe und orange Hinweisschilder des TuSpo Beilstein). Er führt vom Parkplatz bei Greifenstein ein Stück durch Wiesen über die Landstraße hinweg in den Wald. Man kreuzt den Ulmtal-Rundwanderweg und erreicht schließlich einen Aussichtspunkt, von dem ein abenteuerlicher Pfad zum Standort der ehemaligen Burg Lichtenstein führt. Hier sollte man aber unbedingt trittfest sein, denn das rissige Gelände ist zumindest abwärts etwas schwierig.

Von der Burg ist nichts mehr übrig außer ein paar Steintrümmern. Sie war vermutlich um 1225 von den Herren von Lichtenstein erbaut worden, die mit den Herren von Greifenstein verwandt waren. Die Zerstörung der Festungsanlage wird auf das Jahr 1298 datiert.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Abstecher zum Freizeitgebiet Ulmtalsperre, um die ein rund zwei Kilometer langer Rundweg führt. Der Stausee wurde 1964 gebaut und dient dem Hochwasserschutz der Lahn. Es gibt einen ausgewiesenen Badestrand mit Liegewiese und diverse andere Freizeitmöglichkeiten sowie eine Pizzeria, wo man Hunger und Durst stillen kann.

"Balkan-Express" im Westerwald

Von hier aus geht es weiter durch Wald und Feld nach Wallendorf, einem der drei Ortsteile von Beilstein. Hier macht der Weg einen Schlenker zum Eisenbahnviadukt der von 1922 bis 1988 betriebenen Nebenstrecke von Leun-Stockhausen nach Beilstein, auch bekannt unter dem Namen "Balkan-Express".

Die ehemalige Trasse führt heute als Radweg weiter zu Burg Nummer drei, dem Beilsteiner Schloss. Eine imposante Anlage mit viel Grün - allerdings in Privatbesitz und deshalb nur von außen zu beschauen.

Gleich nebenan ist der Basaltparcours. Er lädt nicht nur zum Verweilen ein, sondern vermittelt an den sieben Stationen auch viel Wissenswertes über das graue Gestein und seine Nutzungsarten, das prägend für die Westerwaldregion ist. Die Basaltgewinnung und -verarbeitung gab in der Vergangenheit vielen Familien Lohn und Brot. Zahlreiche Steinbrüche, die zum Teil auch heute noch in Betrieb sind, zeugen davon. Basalt galt als Baumaterial zum Beispiel für Hausfundamente, Pflaster oder im Deichbau an der Nordsee. Darüber hinaus wurde er als Schotter etwa im Gleisbau verwendet.

Am Sportgelände vorbei und durch ein Wohnviertel Beilsteins gelangt man wieder in die Natur und auf gut ausgebauten Waldwegen über den Hindstein zurück nach Greifenstein, wo sich ein kulinarischer Abschluss in Gittis Berghütte anbietet. Bei Tiroler Spezialitäten hat man einen herrlichen Panoramablick auf das Dilltal.

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