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Auf der Bühne und mit Publikum

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Es sind triste Zeiten für Menschen, die im kulturellen Bereich arbeiten, die auf Bühnen stehen, die singen und tanzen, die Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen. Und für Menschen, die sich gerne verzaubern und begeistern lassen. Corona hat (auch) den Kulturbetrieb lahmgelegt. So allmählich geht aber wieder was. Auch im heimischen Raum. Einen Beitrag dazu möchte Dietrich Faber leisten. Ihn kennt man über die Region hinaus als Autor, Musiker und ganz lange schon als Kabarettist.

Dietrich Faber möchte zurück auf die Bühne. Vor Publikum auftreten. Und auch anderen die Möglichkeit geben, sich wieder zu präsentieren. Deshalb hat er eine "Corona-Kultur-Show" initiiert. Was das genau ist, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Faber, was macht ein Künstler, der wegen Corona nicht auf die Bühne darf?

Sich erst mal sortieren, versuchen, mit der Situation gedanklich klarzukommen. Da ist jeder Künstler genauso wie alle Menschen. Ich habe tatsächlich verschiedene Phasen durch, sehr viele angenehme, weil mal Zeit war für anderes. Aber schnell auch weniger gute, wenn man sieht und hört und spürt, wie sehr das ganze Land darunter leidet. Und dass auch die eigene Branche finanziell besonders hart betroffen ist. Das hat mich sehr mitgenommen.

Fühlen Sie sich bedroht von dieser Krankheit?

Ich habe mich intensiv damit beschäftigt und muss sagen, dass diese Krankheit wirklich eine Bedrohung ist. Ich bin nicht locker darüber hinweggegangen, habe nicht mal eben drei Bücher geschrieben, weil auf der Bühne ja nichts geht. Ich habe nicht mal ein Buch geschrieben. Ich bin mit allen Emotionen, die man haben kann, durch diese Zeit gegangen. Und mir fehlte der Kontakt zu Menschen, die mir nahestehen.

Wann standen Sie das letzte Mal auf einer Bühne?

Das ist witzigerweise gar nicht so lange her. Vor knapp drei Wochen. Ich habe an Balkonkonzerten teilgenommen. Zusammen mit Tess Wiley habe ich Musik gemacht. Ein Balkon ist zwar keine Bühne, aber wir hatten Publikum. Organisiert hatte das Cordula Poos. Die Konzerte konnte man im Internet streamen. Einmal bin ich in Bad Salzhausen aufgetreten. Aber das hatte alles nichts mit meinem ursprünglichen Tourplan zu tun.

Viele Künstler sagen ja jetzt, dass ihnen das Publikum fehlt. Vor einem leeren Saal stehen ist sicher nicht prickelnd, aber was passiert da zwischen Ihnen und den Zuschauern? Was fehlt Ihnen genau?

Das ist mir erst richtig bewusst geworden, als ich zwei- oder dreimal mein Programm in einen leeren Saal gesprochen habe. Ich wusste, dass mir das Publikum fehlen wird, aber nicht, wie sehr mich das treffen würde. Es geht nicht darum, gefeiert zu werden. Oder dass die Leute Lachanfälle bekommen. Es geht um die kleinen Reaktionen, um Nuancen, um Gemurmel, oder Momente der Stille. Da spüre ich: Da baut sich was auf, das Publikum ahnt, dass jetzt ein besonderer Moment kommt. Die Art und Weise, wie ich meine Nummern spiele, baut darauf, dass Reaktion kommt. Darauf reagiere ich dann wieder. Ohne Publikum funktioniert das nicht. Dieser Rhythmus zwischen Geben und Nehmen ist komplett durchbrochen.

Aber jetzt geht’s ja wieder los, sie haben ein neues Konzept entwickelt. Was genau planen Sie?

Das Projekt läuft unter der Schlagzeile "Die Corona-Kultur-Show". Da in diesen Zeiten fast alle Kulturveranstaltungen ausfallen, habe ich eine Idee entwickelt, wie in den nächsten Monaten genreübergreifende Live-Kultur auf der Bühne mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region zum Leben erweckt werden kann. Unterstützt werde ich dabei von der Volksbank Mittelhessen, dem Regionalmanagement Mittelhessen, der Firma Faber & Schnepp und dem Kulturamt der Stadt Gießen. Und Ihre Zeitungen, also die Gießener und die Alsfelder Allgemeine sowie die Wetterauer Zeitung, haben ja die Medienpartnerschaft übernommen. Mit dieser Hilfe können bis zum Jahresende sechs Kultur-Shows unter den aktuellen Hygienebestimmungen stattfinden.

Wann geht’s los?

Die erste Kultur-Show findet bereits am 1. Juli, also nächsten Mittwoch, ab 19 Uhr im Forum der Volksbank in Gießen statt. Und ich kann gleich tolle Gäste begrüßen: Die Gießener Musikerinnen und Songwriterinnen Tess Wiley und Cordula Poos, die sich zum Duo Tess & Daisy zusammengetan haben. Die texanische Singer-Songwriterin Wiley und die klassische Harfenistin Poos laden einander in ihre Songs ein und bewirken somit eine unvergesslich berührende Stimmung, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Die warmen, weichen Klänge der Harfe, der perkussive Rhythmus der akustischen Gitarre, Cordula Poos’ dunkle, warme Stimme, dazu die von Tess Wiley, die rauchig, gleichzeitig stark und zerbrechlich klingt - all das zusammen erzeugt eine unglaubliche Atmosphäre. Das ist wie eine kuschelige Freudendecke, in die man sich gerne einwickeln und mit nach Hause nehmen würde. Und dann freue ich mich sehr auf Martin Guth, meinen alten Partner aus FaberhaftGuth-Zeiten. Er präsentiert Auszüge aus seinen aktuellen Programmen. Martins besonderes Talent ist es, seine kabarettistischen Schlachtfelder so frisch und originell aufzuarbeiten, dass er damit sowohl generationen- als auch geschlechterübergreifend sein Publikum begeistert. Ein Profi!

Und was ist Ihr Part in der Show?

Nun, ich werde die Abende moderieren, den Gästen Fragen stellen. Zum Beispiel möchte ich ihnen Gelegenheit geben, über ihre künstlerische Arbeit zu reden, zu erzählen, was sie bewegt, was sie antreibt und wie sie durch diese auch für Künstler wirklich schwierigen Zeiten kommen. Aber ich werde auch selbst etwas zum Programm beitragen, aus meinen Kolumnen zitieren, aus meinen Büchern lesen und natürlich das machen, was ich besonders gerne mache: Die Menschen zum Lachen zu bringen. Ich bin der Gastgeber, es wird aber nicht sechsmal eine Dietrich-Faber-Show geben. Im Zentrum stehen die Gäste. Es sind keine Dietrich-Faber-Abende.

Ist Manni Kreutzer auch dabei?

Manni muss sich schon etwas zurückhalten. Trotzdem wird es nicht ganz zu verhindern sein, dass er auch mal die ein oder andere Einlage liefert. In der Dezember-Show darf er dann richtig ran.

Was müssen Interessierte noch wissen?

Der Vorverkauf ist schon gestartet. Die Karten kosten jeweils 22 und ermäßigt 20 Euro für Schüler/Schülerinnen, Studierende und Kunden/Kundinnen der Volksbank gegen Vorlage eines Ausweises oder einer Kundenkarte. Alle Vorstellungen beginnen um 19 Uhr, Einlass ist jeweils um 18 Uhr. Alle weiteren Infos finden Interessierte übrigens auf der Seite www.dietrichfaber.de im Internet.

Sie sind erfolgreich auch als Autor, haben aber gesagt, dass die Vogelsbergkrimis nicht mehr fortgesetzt werden. Wie geht es denn weiter? Auf was dürfen sich Ihre Leser freuen?

Da kann ich leider tatsächlich noch nichts dazu sagen. Ich bin da nicht weiter als vor der Corona-Krise. Ich habe einige Ideen, aber darüber kann ich noch nicht reden, weil sie noch nicht spruchreif sind. Ich hatte übrigens die Idee, einen Corona-Bröhmann-Krimi zu schreiben. Aber das hat nicht geklappt. Der Verlag konnte das nicht so kurzfristig realisieren. Das Krimikapitel ist vorbei, aber ich werde noch eine Zeit lang mit meinen Bröhmann-Büchern auf der Bühne sein.

Sie sind ja auch Kolumnist dieser Zeitung. Schreiben zum Beispiel über Politik und Corona. Was nervt Sie in dieser für alle nicht einfachen Zeit ganz besonders?

Dass es bei ganz vielen Menschen in unserem Land immer einen Schuldigen geben muss. Es reicht nicht zu wissen, da ist so ein blödes Virus in der Welt. Nein, jemand muss schuld sein. Die Regierung, die Virologen, die Chinesen, wer auch immer. Hauptsache, es gibt einen Schuldigen. Warum verstehen diese Menschen denn nicht, dass Dinge einfach passieren - ohne, dass jemand schuld hat?

Und was loben Sie in dieser Zeit?

Ich lobe tatsächlich, dass wir von den Verantwortlichen gut durch diese Krise geführt werden. Klar gibt es Sachen, die mir nicht so gut gefallen. Aber die große Koalition macht das richtig ordentlich. Ich bin nach wie vor froh, hier in diesem Land leben zu dürfen. Gerade wenn ich ins Ausland schaue, wo mancherorts verantwortungslose Populisten am Werk sind.

Noch mal zurück zu den Corona-Shows. Auf was freuen Sie sich denn besonders?

Nun, da halte ich mich mal eng an den Pressetext, den wir herausgegeben haben: Endlich wieder Livekultur, endlich wieder kulturelle Begegnungen, endlich wieder Musik, Comedy, Kabarett, Lesung und Gespräche auf einer echten Bühne. Und das Beste: Es werden ganz viele Zuschauer da sein. Warum das wichtig ist, habe ich ja schon erklärt. Und ich freue mich riesig drauf.

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