1. Gießener Allgemeine
  2. Hessen

Brunnen gibt Aufschluss über römische Essgewohnheiten

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Lahnau (mo). In der Zeit um Christi Geburt befand sich das heutige hessische Gebiet im Umbruch. Rom war im Begriff, zwischen Rhein und Elbe eine Provinz einzurichten. Zu diesem Zweck wurde eine Stadt mitten in Germanien, im heutigen Waldgirmes, gegründet. Dies geschah wohlüberlegt. Die umgebenden Lössböden stellten die Ernährung sicher, aus Bächen konnte das Trinkwasser gewonnen werden, und die nahe vorbei fließende Lahn war schiffbar.

Lahnau (mo). In der Zeit um Christi Geburt befand sich das heutige hessische Gebiet im Umbruch. Rom war im Begriff, zwischen Rhein und Elbe eine Provinz einzurichten. Zu diesem Zweck wurde eine Stadt mitten in Germanien, im heutigen Waldgirmes, gegründet. Dies geschah wohlüberlegt. Die umgebenden Lössböden stellten die Ernährung sicher, aus Bächen konnte das Trinkwasser gewonnen werden, und die nahe vorbei fließende Lahn war schiffbar. Gerda Weller, die seit 1990 immer mal wieder germanische und römische Keramik aus der Zeit um Christi Geburt im Gebiet des römischen Forums aufsammelte, ist es zu verdanken, dass in den zurückliegenden Jahren zunächst von 1993 bis 1995 im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft erste Grabungen durchgeführt wurden und bis heute weitere Grabungen vorgenommen werden. Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Grabungen auf der Freilegung eines zweiten, etwa sieben Meter tiefen Brunnens, etwa 50 Meter entfernt vom ersten, schon freigelegten Brunnen, dessen Bau ziemlich genau auf das Jahr vier vor Christus dadiert werden kann.

Inzwischen sind Pferd und Reiter Kaiser Augustus hoch auf einem Sockel montiert mitten im Zentralgebäude des Forums Zeugen der weiteren Ausgrabungen, die immer mehr Erkenntnisse des Geschehens und der regen Bautätigkeit der Römer bringen. Die Siedlung in Waldgirmes bestand nur zehn Jahre und wurde von den Römern nach ihrem Rückzug zerstört und abgebrannt, die Brunnen wurden verfüllt, nur um sie nich tin die Hände der Germanen fallen zu lassen.

Man nimmt an, dass die Römer nach der Zerstörung ihres eigenen Lagers einen Teil davon noch einmal aufgebaut und für Truppenbewegungen noch bis 16 Jahre nach Christus genutzt haben.

Dass bei Bodenuntersuchungen ein zweiter antiker Brunnen etwa 50 Meter vom schon erfassten Brunnen gefunden wurde, ist seit Wochen Grund für umfangreiche Grabungen

Was sich zur Zeit auf dem Gelände des römischen Stützpunktes tut, davon konnten sich am Sonntag, organisiert vom Förderverein Römisches Forum Waldgirmes, bei leider ungünstigem Wetter, etwa 100 Besucher von Verantwortlichen der von Dr. Armin Becker geleiteten Grabungen informieren.

Organisches Material erhalten

Zwei lange Treppen führen hinab zum Grund an den etwa sieben Meter tiefen Brunnen. Ein Rest der Eichenholzverschalung, etwa ein Meter vom Brunnenboden aufwärts, ist noch erhalten dank des sich dort aufstauenden Grundwassers. Die freigelegte noch vorhandene Brunnenverschalung wurde sofort mit Plastikfolie gegen Austrockung geschützt. Wenn nun die Eichenbretter abgebaut und zur Untersuchung gebracht werden, erhalten sie eine Plastikfolienumhüllung in der sie ständig feucht gehalten werden.

Was diese Brunnen für Biologen so interessant macht, darauf wies die anwesende Biologin Dr. Astrid Stobbe hin. In dem Brunnensatz ist organisches Material, auch Mikro- und Makroreste auch von Speisen erhalten geblieben, was Aufschluss über die Essgewohnheiten der Römer geben. Der Geschäftsführer des Fördervereins, Peter Schepp, wies darauf hin, dass kürzlich auch ein Schnitt durch die Umwehrung des Römerlagers gemacht werden konnte. Leider hatten die starken Regenfälle am Sonntag diese Darstellung zunichte gemacht. Peter Schepp wies auch darauf hin, dass weitere Grabungen im Forum noch gesichert bis 2010 möglich seien. Danach laufe die Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus.

Da ist auf Abhilfe zu sinnen, denn laut Bodenuntersuchungen und den sich in tieferen Lagen abzeichnenden Strukturen, ist sicher noch vieles zu finden, was das Geschehen in dieser Zeit erhellt.

Auch interessant

Kommentare