"Blasmusikjuwelen" voller Rhythmik und Melodik

Lahnau (gge). Dem Motto "Blasmusikjuwelen" wurde das dritte Egerländer Blasmusikfest in der Waldgirmeser Lahnauhalle vollauf gerecht. Das waren klangvolle Edelsteine voller Rhythmus und Melodik, Stimmung und jenem Schmelz, der diesem Genre aus dem Böhmerwald den besonderen Charme verleiht.

Rund 800 Besucher im ausverkauften Lahnauer Kulturtempel schwelgten in Walzer- und Polkaseligkeit, lagen Frau Musica bedingungslos zu Füßen und honorierten die Darbietungen wiederholt mit stehenden Ovationen.

Ausführende dieses gut fünfstündigen Programms waren die hierzulande bestens bekannten "Fidelen Münchhäuser" sowie "Wilfried Rösch und seine böhmischen Freunde", beides absolute Spitzenensembles und nach den Worten von Moderator Helmut Kiefer die jeweiligen Branchenführer von Hessen und Baden-Württemberg. Die Rösch-Kapelle kommt aus der Bodenseeregion.

Romantische Stimmung

Natürlich galt zunächst das Hauptaugenmerk der Besucher dem Gastspiel der "Fidelen Münchhäuser" unter der bewährten Leitung von Andreas Germann. Diesen Vollblutmusikern blieb der erste Teil vorbehalten. Sie rollten einen Klangteppich aus, der kaum einen Wunsch offenließ. Schon gleich mit dem alten Klassiker vom "Böhmischen Wind" erzeugten sie jenes Gemisch aus romantischer Stimmung und Gänsehaut-Feeling, das als unverzichtbare Ingredienz dieser Folkloregattung gilt. Und die Klangfragmente purzelten in bunter Vielfalt und ergreifender Musikalität von der Bühne und in die Herzen der Volksmusikfans.

Altmeister Ernst Mosch hätte seine helle Freude gehabt, nicht nur wegen der Meisterschaft, mit der man auch seine Schöpfungen interpretierte. Auch Reminiszenen an jene Zeit, "da Böhmen noch bei Österreich" war, hatten ihr Auskommen im Programm. Da jauchzten die Trompeten, schmetterten die Hörner und trillerten die Klarinetten, als wollten sie Zeugnis ablegen von der Inbrunst und Begeisterung, mit der die Orchestermitglieder bei der Sache waren.

Hübsches Beiwerk verkörperten auch die Gesangseinlagen des Duos Christina und Andreas Germann. Doch die "Münchhäuser" beließen es nicht nur bei böhmischen Klängen. Ihre Vielseitigkeit unterstrichen sie vor allem mit ihrem musikalischen Hexenkessel "vom Egerland nach Russland", einem Ausflug in das Musicalreich des "Königs der Löwen", wo Michael Bückling mit "Can you feel the love tonight" ein eindrucksvolles Solo am Baritonhorn einstreute. Extraklasse verriet der Klangkörper auch mit James Lasts "Orange blossom special".

Als Solist Daniel Hammer am Flügelhorn die Titelmelodie einer tschechischen Fernsehserie intonierte, wäre der Fall der berühmten Stecknadel zu vernehmen gewesen.

Der zweite Teil gehörte dann Wilfried Rösch, der seine "böhmischen Freunde" temperamentvoll und engagiert zu ungeahnten musikalischen Höhenflügen führte. Auch im Repertoire der Männer vom Bodensee fanden sich viele Egerländer Klassiker, die zeitweise mit originellen Showeffekten aufgebürstet waren. So garnierten donaumonarchistische Pickelhauben auf den Köpfen der Musiker ein schwungvolles Marschpotpourrie, Sängerin Jasmin schlüpfte nahezu professionell in die Rolle von Whitney Houston und ein Alphorn fand sich ebenfalls in der ausgefallenen Raritätenkiste der süddeutschen Gäste. Begeisterungsstürme, lautstarke Ovationen und zahlreiche Zugaben entließen sie erst weit nach Mitternacht von der Bühne, auf der die Egerländer Juwelen gut fünf Stunden funkeln durften.

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