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Algermissen

Vom Bischof zum Aushilfspfarrer

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Fulda (dpa/lhe). Ruhestand? Nein, so empfindet der emeritierte Bischof Heinz Josef Algermissen seine aktuelle Lebensphase nicht. Der 75-Jährige ist zwar seit bald einem Jahr nicht mehr in Amt und Würden als katholischer Ortsbischof von Fulda. Der Papst hatte am 5. Juni 2018 seinen altersbedingt eingereichten Rücktritt angenommen. Aber Ruhestand? "Das kann man wirklich nicht sagen. Das wäre auch furchtbar", betont Algermissen.

Algermissens Kalender ist noch immer voll. Er hält Vorträge, ist ein gefragter Gesprächspartner. Vor allem als Seelsorger ist er tätig. Der Job als Bischof war "nicht vergnügungssteuerpflichtig", wie er sagt. "Aber ich will deswegen ja jetzt keine Ruhe vor Menschen und ihren Nöten." Wenn Algermissen Gottesdienste hält, dann staunen die Besucher über den hohen Besuch. Und der Bischof bekommt an der Basis einen ungeschönten Eindruck vom Bedeutungsverlust seiner Kirche.

Aber Algermissen hat Erklärungen für die Misere. Mit etwas Abstand zu seinem Amt redet er nun Klartext: "Die katholische Kirche hat sich beim Krisenmanagement in den vergangenen Jahren nicht immer glücklich verhalten." Beim Skandal um sexuellen Missbrauch habe die Kirche sich zu sehr um die Täter gekümmert. "Das war ein großer Fehler. Wir wollten die Täter schon raussondieren, aber wir wollten, damit das nicht so bekannt wurde, im Grunde die Kirche schützen. Und das geht heute natürlich wahnsinnig nach hinten los." Der Missbrauch sei nicht richtig aufgearbeitet worden. Wenn die Täter versetzt und behandelt worden seien, sei es wenig später "wieder schiefgegangen". "Pädophilie ist nicht zu kurieren." Ob er auch selbst Fehler gemacht hat? "Nein, das kann ich nicht sagen." Er sei mit aller Härte und Entschiedenheit gegen die Täter vorgegangen.

Klare Vorstellungen hat Algermissen auch zur Diskussion um Reformen. Dies auf die Themen Priestertum für Frauen, Zölibat und Sexualmoral zu konzentrieren, kann Algermissen nicht nachvollziehen. Leider gebe es da eine Reihe von "Mitbrüdern, die dann mit einstimmen. Ich habe da immer meine großen Probleme gehabt."

Mit Blick auf die evangelische Kirche sagt Algermissen: "Wenn die Frauenordination, also das Priestertum für Frauen, und Lösung des Zölibats das Problem lösen würden, dann müsste die protestantische Kirche blühen. Aber blüht sie denn? Nein! Sie blüht nicht. Ganz im Gegenteil. Sie ist noch viel mehr am Boden als die katholische."

Von zentraler Bedeutung sei: "Wir müssen eine neue Gottes-Vergewisserung haben." Das bedeutet: Die Menschen müssten sich wieder mehr mit Gott und der Kirche identifizieren. "Wenn wir das nicht schaffen, nützt uns alles andere überhaupt nichts. Wir sollten keine Symptome versuchen zu kurieren - darunter eitert es weiter." (Foto: dpa)

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