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Beschwingt in die Nacht

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Von: Marion Schwarzmann

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Trompeter Till Brönner beim RMF-Konzert im Kurpark Wiesbaden. Foto: Schwarzmann
Trompeter Till Brönner beim RMF-Konzert im Kurpark Wiesbaden. Foto: Schwarzmann © man

Es ist heiß, viel zu heiß. Und dann ? welche Erlösung ? kommt im Kurpark Wiesbaden ein Windchen auf und Till Brönner, der wohl smarteste Trompeter, den Deutschland zurzeit zu bieten hat, betritt die Konzertmuschel.

Ich hatte es mir heimlich gewünscht, hier mal aufzutreten«, begrüßt der Star-Trompeter die rund 3000 Gäste im idyllischen Kurpark. Seit seiner »Fokus Jazz«-Residenz vor zwei Jahren fühlt Till Brönner sich dem Rheingau Musikfestival verbunden und bringt diesmal seine »ziemlich besten Freunde« mit: sieben Spitzenmusiker, die dem entspannten Publikum mit viel Verve demonstrieren, wie sich ein gutes Leben – »The Good Life« – anfühlen kann.

Aus dem Nähkästchen

Der 47-Jährige plaudert gern aus dem Nähkästchen an diesem lauschigen Hochsommerabend. Er erzählt von seiner beeindruckenden, aber kurzen Begegnung mit Catherine Deneuve im Pariser Olympia, als diese ihm in seiner Garderobe zurief: »You are wonderful.« Oder von seinem Klassenkameraden, der eines Tages mit einem riesigen Saxofonkasten in der Schule auftauchte und er mit seiner kleinen Trompete einpacken konnte. »Einfach das falsche Instrument«, schmunzelt der charismatische Mann und zollt dem Gitarristen Bruno Müller, der lässig auf dem Barhocker sitzen darf, neidvoll seine Bewunderung.   Lockerer Bandleader   Das falsche Instrument? Wohl kaum, denn Brönner wandelt mit traumhafter Sicherheit zwischen den musikalischen Welten und bietet von impulsiven Filmkompositionen bis zu rassigen lateinamerikanischen Rhythmen alles, was das swingende Herz begehrt. Dabei wechselt er nicht nur in Perfektion zwischen Flügelhorn und Trompete. Er zeigt auch, dass seine gesanglichen Qualitäten nicht ohne sind, wenn er beispielsweise Michel Legrands Ballade »Once Upon A Summertime« erklingen lässt. Die Stücke für diesen mitreißenden Abend hat Brönner aus verschiedenen Alben gewählt. »The Good Life« natürlich, der Titelsong seiner vorletzten CD, geschrieben von Sascha Distel, oder die Eigenkomposition »Her Smile« vom gleichen Album. Aber auch von der ganz neuen Platte »Nightfall«, die Brönner puristisch nur mit dem Kontrabassisten Dieter Ilg aufgenommen hat, wird das eine oder andere geboten. So gibt es gleich nach der Pause Leonard Cohens »A Thousand Kisses Deep« im Duett mit Christian von Kaphengst am Kontrabass.

Exzellente Musiker

Auch als Bandleader beweist Brönner Format. Immer wieder tritt er an den Rand der geschmackvoll ausgeleuchteten Musikmuschel, um seinen exzellenten Musikern genügend Raum für ihre Soli zu lassen. Neben Kaphengst und Müller brillieren Mark Wyand am Saxofon, Jasper Soffers am Piano, David Haynes am Schlagzeug und Jo Barnikel am Keyboard, der seit vielen Jahren auch mit Konstantin Wecker tourt. Als Zugabe erklatscht sich das begeisterte Publikum nach zweieinhalb Stunden eine rasante Version von »Happy« mit einem schweißtreibenden Schlagzeugsolo von Haynes. Derart beschwingt, lassen sich die ganz eingefleischten Fans noch am Verkaufsstand ihre CD von Till Brönner signieren, bevor sich ihre Spur in der mediterranen Nacht von Wiesbaden verliert.

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