Mit Leidenschaft dabei: Klaus Klepper, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Historischer Bergbau Dreieich-Götzenhain, ist einer der wenigen, die in die Schwerspatgrube Anna hinabsteigen dürfen. FOTO: DPA
+
Mit Leidenschaft dabei: Klaus Klepper, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Historischer Bergbau Dreieich-Götzenhain, ist einer der wenigen, die in die Schwerspatgrube Anna hinabsteigen dürfen. FOTO: DPA

Bergbauschacht wie in alten Zeiten

  • vonDPA
    schließen

Eine kleine Grube in Südhessen gibt Einblicke in den historischen Bergbau. Wie viele andere Höhlen und Bergwerke muss auch die Grube Anna auf ihre Sicherheit hin überprüft werden. Für Neugierige ist der unterirdische Bau allerdings tabu.

Es ist finster in der Grube Anna. Im Licht einer kleinen Lampe schimmert das Wasser an den Wänden, an denen die Reste von Schwerspat zu sehen sind. Bis vor rund 100 Jahren wurde das vielseitige Mineral, das zur Herstellung von Lacken, Farben oder Strahlen dämmenden Beton benutzt wird, in dem kleinen Bergwerk im südhessischen Dreieich abgebaut.

Der fast 13 Meter tiefe Schacht läuft binnen Wochen mit Wasser voll. Ein kleiner, schlammiger Stollen von fast zwölf Metern Länge zeugt hiervon und verdeutlicht, wie damals im kleinen Stil Bergbau betrieben wurde. "Bei dem Stollen handelt es sich noch um den Originalausbau, der von uns aus Sicherheitsgründen ergänzt wurde", sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Historischer Bergbau Dreieich-Götzenhain, Klaus Klepper.

"Außer diversen Wartungsarbeiten und Reparaturen hat sich in den letzten Jahren nichts mehr ereignet und wir versuchen nun, die kleine Grube als Industriedenkmal zu erhalten", sagt Klepper. Hin und wieder macht die örtliche Feuerwehr dort noch Übungen, dann wird das Wasser abgepumpt. Neugierige haben aber keine Chance, einen Einblick in die dunklen unterirdischen Räume zu bekommen. Der Einstieg ist vergittert und in der überwiegenden Zeit des Jahres würde man sehr schnell nasse Füße bekommen. "Da hat keiner was drin verloren", stellt Klepper klar.

Auch wenn keine Besucher in den tiefen Schacht und den alten Stollen dürfen, braucht Meikel Hecker von der Bergaufsicht des Regierungspräsidiums Darmstadt für einen Betriebsplan einen Sicherheitscheck. "Die Bestimmungen müssen eingehalten werden", sagt der 31 Jahre alte Technische Amtmann. Da gehe es um Standschutz der Streben, ob etwas von den Wänden oder der Decke bröckele und auch um die Arbeitssicherheit. "Aber es ist ja keine Besucherhöhle, da gibt es höhere Ansprüche."

Bergaufsichten machen Kontrollen

Solche Höhlen, Gruben und Bergwerke gibt es in fast allen Landesteilen Hessens. Einige sind für Besucher zugänglich und müssen auch von den Bergaufsichten der zuständigen Regierungspräsidien unter die Lupe genommen werden. So gibt es im Regierungsbezirk Darmstadt mit der Grube Anna vier Höhlen und Bergwerke. Außer dem kleinen Schacht in Dreieich können in Nicht-Corona-Zeiten alle besucht werden, wie zum Beispiel die rund 2,5 Millionen Jahre alte Teufelshöhle bei Steinau im Main-Kinzig-Kreis. Dort gelten höhere Sicherheitsstandards. "Es muss eine normale Beleuchtung, Notausgänge, Tafeln mit der aktuellen Zahl der Besucher und auch Telefone geben", erläutert Hecker die Vorgaben.

"Die Geltungsdauer der Betriebspläne hängt von dem Gefährdungspotenzial des Betriebes und den Betriebsabläufen ab und variiert von zwei bis zu fünf Jahren", heißt es bei der Behörde im Regierungsbezirk Gießen. Hier gibt in Nicht-Lockdown-Zeiten mit den Gruben Fortuna und Ypsilanta, der Kubacher Kristallhöhle und Tropfsteinhöhle Herbstlabyrinth für Neugierige vier Möglichkeiten, sich unter Tage umzusehen. Im Regierungsbezirk Kassel werden sechs Besucherbergwerke jährlich gecheckt, wie etwa das Bergwerk Christine in Willingen oder Bertsch bei Bad Wildungen.

Stollen und Schacht meist geflutet

In der Grube Anna gibt es nur noch vereinzelt Forschungsarbeit. Sie gibt Einblicke in die Zeit der Wende vom vorindustriellen Bergbau hin zu den späteren Großbetrieben.

Die überwiegende Zeit sind Stollen und Schacht aber geflutet, was Klepper zufolge auch Stabilität für die unterirdischen Räume bringt. Schwerspatvorkommen wurden der Interessengemeinschaft Historischer Bergbau Dreieich-Götzenhain zufolge schon Mitte des 19. Jahrhunderts festgestellt. Einen richtigen Abbau des Minerals gab es aber nur für kurze Zeit in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der 2002 gegründete Verein mit heute sieben Mitgliedern pachtete schließlich die bereits zugeschüttete Grube und legte Schacht und Stollen wieder komplett frei. Klepper ist seine Faszination für den Altbergbau förmlich ins Gesicht geschrieben. "Wer einmal in einem Altbergbau drinnen war, der hat einen Virus."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare