Beim "Marktplatz Mittelhessen" ist Geld ein Tabu

Wetzlar/Gießen (chl). Geld ist tabu - so lautete die oberste Regel beim "1. Marktplatz Mittelhessen" am Mittwoch im Casino der Sparkasse Wetzlar. Absicht dieser vom Freiwilligenzentrum Mittelhessen und einer heimischen Unternehmensberatung initiierten Veranstaltung ist es, gemeinnützige Organisationen und Vereine mit Unternehmern zusammenzubringen, damit diese gemeinsame Projekte und Tauschgeschäfte miteinander aushandeln können.

Wetzlar/Gießen (chl). Geld ist tabu - so lautete die oberste Regel beim "1. Marktplatz Mittelhessen" am Mittwoch im Casino der Sparkasse Wetzlar. Absicht dieser vom Freiwilligenzentrum Mittelhessen und einer heimischen Unternehmensberatung initiierten Veranstaltung ist es, gemeinnützige Organisationen und Vereine mit Unternehmern zusammenzubringen, damit diese gemeinsame Projekte und Tauschgeschäfte miteinander aushandeln können. Nach dem festgelegten 90-minütigen "Markttreiben" waren dann auch 45 "Gute Geschäfte" vertraglich festgehalten.

Beispielsweise hat die Gießener Geschwister-Scholl-Schule (integrierte Privat-Schule in Trägerschaft der Lebenshilfe) mit einem Beratungsbüro im Bereich Fundraising eine Vereinbarung getroffen: Das Unternehmen berät die Schule, wie sie an Firmen gelangt, welche die neue benötigte Innenausstattung finanzieren. Im Gegenzug verpflichtete sich die Schule, für das Beratungsbüro in Pressemitteilungen zu werben sowie von den Schülern gestaltete Weihnachtskarten zur Verfügung zu stellen.

Im Allgemeinen ging es darum, sich in punkto Sachleistungen, personelle Unterstützung, fachliches Wissen und andere Dienste auszutauschen. Insgesamt haben 23 Organisationen und 22 Wirtschaftsunternehmen aus Wetzlar, Gießen und Umgebung am "Marktplatz" teilgenommen. Mit Blick auf die Zahl der Vertragsabschlüsse kam jeder Teilnehmer im Durchschnitt auf zwei Projekte. Bis es dazu kam, galt es, sich in einer Art "Speed Dating" kennen zu lernen. Den Startgong dazu gab Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette als Schirmherr.

Die Unternehmer, gekennzeichnet mit einem Bienchen, konnten nun - von Stehtisch zu Stehtisch ziehend - jede gemeinnützige Organisation (Blumen-Symbol) jeweils eine Minute lang beschnuppern - bis der Gong läutete und neue Paare gebildet werden mussten - und so weiter. Hierbei konnten beide Tischpartner bereits kurz abklären, wer für ein mögliches Projekt in Frage komme. Im Anschluss war dann Zeit, mit dem Wunschpartner in Verhandlungen zu treten und Projekte dingfest zu machen. Die Verträge wurden schriftlich fixiert, damit auch die Motivation bestehen bleibt, die Projekte umzusetzen. Das Organisatorenteam erhielt zusätzlich eine Kopie, um im Nachhinein so genannte Projektpaten auszusenden, welche die Einhaltung der Vereinbarungen "überwachen".

Den ersten Vertrag haben an diesem Mittwochabend Isolde Zehme und Iris Dickhöfer vom Verein Traumahilfe mit einer Vertreterin des Wetzlarer Einkaufzentrums Herkules-Center abgeschlossen: Das Center stellt voraussichtlich im August bei einem Vereinstag eine Projektionsfläche zur Verfügung. Der Verein verpflichtet sich dafür, auf seiner Internetseite für die Vereinbarung und den Aktionstag zu werben sowie Vorträge an diesem zu halten.

Weiteres Beispiel: Die Gießener Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt" erhält von der Volksbank Mittelhessen Sachleistungen in Form von Aktenschrank, Besprechungstisch und Bürostuhl. Im Gegenzug stellt die Erziehungseinrichtung im August einen Praktikumsplatz für einen Bankkaufmann-Auszubildenden. "In acht bis zehn Tagen soll der Auszubildende der Bank einmal einen Blickrichtungswechsel erfahren", erzählt die Petra Leymann, Leiterin der Kindertagesstätte. Imagegewinn, Steigerung des Bekanntheitsgrades, Erweiterung des Netzwerkes, Perspektivenwechsel, nachhaltige Kooperationen oder die Erschließung neuer Ressourcen sind einige der möglichen Gewinne der "Guten Geschäfte".

"Dabei ist hier kein einziger Cent geflossen", bestätigt Ute Ketter, Mitinitiatorin und Leiterin des Freiwilligenzentrums Mittelhessen. Um sie hatte sich ein 16-köpfiges Marktplatz-Vorbereitungsteam versammelt, das seit April vergangenen Jahres die Veranstaltung geplant hat. Das Konzept "Gute Geschäfte" - ein Marktplatz für Unternehmen und gemeinnützige Organisationen - hat die Bertelsmann-Stiftung entworfen; es ist nun erstmals nach Mittelhessen übertragen worden.

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