Beim Duschen alles gestanden?

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Frankfurt- Der Brief eines Untersuchungshäftlings in der Frankfurter Justizvollzugsanstalt machte im vergangenen Jahr nach der Postkontrolle auch die Polizei neugierig: Ein Mittäter mit Bezug zu einem "Minister oder Präsidenten" sei auch mit ihm in der Untersuchungshaft, schrieb der aus den Niederlanden stammende Mann an seine Frau. "Er hat mir beim Duschen alles gestanden." Der Häftling war einer der wenigen, die Kontakt zu Markus H. hatten, der wiederum im Prozess um den Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wegen Beihilfe angeklagt ist. Am Donnerstag sagte er als Zeuge vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt aus. Wie schon bei der vorangegangenen Zeugenvernehmung eines anderen Mithäftlings ging es darum, ob sich H. zu dem Mordfall geäußert habe.

In einer polizeilichen Vernehmung im vergangenen Dezember hatte der Briefschreiber angegeben, dass sich H. Sorgen mache, dass die Polizei auf seinem Rechner Gesprächsprotokolle einer Unterhaltung mit dem mutmaßlichen Lübcke-Mörder Stephan Ernst finde. Dieses Gespräch über ein verschlüsseltes Programm sei zwei Wochen vor der Tat geführt worden. H. habe sich auch gesorgt, dass die Polizei seine DNA "in einem der beiden Fahrzeuge" finden werde.

Schon vorher habe er sich Notizen über die Angaben von H. gemacht, sagte der Zeuge. Nach der Vernehmung durch die Polizei habe er das alles noch einmal zusammengestellt. Die handschriftlichen Notizen wurden auch im Gerichtssaal in Augenschein genommen - insgesamt 28 Notizpunkte in sorgfältiger Schrift - etwa, dass H. eine Waffe an Ernst verkauft habe. Auch habe H. davon gesprochen, dass Ernst mehrere nicht aufgeklärte Verbrechen begangen habe, unter anderem "gegen Menschen wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit", hieß es in einem dieser Notizpunkte. Im Verhandlungssaal konnte sich der Zeuge nicht daran erinnern, dass in den Gesprächen konkretere Angaben gemacht wurden. dpa

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