bb_eismann - A_084405_2

  • schließen

Jeden Tag werden in Deutschland Straftaten begangen. Das reicht vom einfachen Diebstahl bis zum Gewalt- verbrechen. Die meisten Menschen bleiben zwar ihr Leben lang verschont, kennen Gesetzesverstöße nur aus den Medien. Aber jeder kann Opfer werden. Dann brauchen diese Menschen Hilfe. Erste Anlaufstelle ist die Polizei. Und die ist gut vorbereitet.

Ruth Eismann ist Polizeibeamtin. Sie weiß, was Opfer fühlen, wenn zum Beispiel Einbrecher alle Schränke durchwühlt und die Wohnung auf den Kopf gestellt haben. Wenn Kriminelle rücksichtslos in private Bereiche eingedrungen sind. Dann ändert sich das Leben schlagartig. Die Sorglosigkeit ist weg, die Angst ist da. Und die kann zu einem ständigen Begleiter werden. Wer Opfer wird, ist meist völlig unvorbereitet auf so eine Situation – und damit hilflos.

An dieser Stelle kommt Ruth Eismann ins Spiel. Sie ist die verantwortliche Polizeibeamtin beim Polizeipräsidium Mittelhessen für den Opferschutz. Ihr zur Seite stehen die Opferschutzkoordinatoren der vier Polizeidirektionen Gießen, Wetterau, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf. Im Vogelsbergkreis ist das Polizeipräsidium Osthessen zuständig. Erste Hilfe für die Geschädigten leisten aber Eismanns Kollegen, die am Tatort sind. "Opferschutz", sagte Eismann, "ist also grundsätzlich die Aufgabe jedes Polizeibeamten." Die Opfer sind aber meist geschockt und können gar nicht alles erfassen, was da auf sie einwirkt. Deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen wissen, an wen sie sich mit etwas Abstand wenden können. Die Beamten verweisen deshalb bei Bedarf auf Eismann und ihre Kollegen. Und überreichen Broschüren mit Kontaktdaten.

Polizeihauptkommissarin Eismann weiß um die Schwierigkeiten, die ihr Job mit sich bringt. "Wir können nicht verhindern, dass es Opfer von Straftaten gibt. Jedoch können wir den Menschen eine große Hilfe sein, wenn wir als Polizisten empathisch mit ihnen umgehen." Der polizeiliche Opferschutz schließe sämtliche Gefahrenabwehrmaßnahmen ein. Dazugehöre aber auch ein einfühlsamer Umgang mit Zeugen, Geschädigten und deren Angehörigen. "In diesem Kontext ist es nicht zu vermeiden, dass wir unangenehm empfundene Maßnahmen durchführen oder Fragen stellen. Das wiederum kann zu erneuten Belastungen bei den Betroffenen führen. Wir versuchen, diese Belastungen zu minimieren."

Ruth Eismann ist keine Therapeutin, berät also nicht. Sie informiert die Betroffenen über die verschiedenen Hilfemöglichkeiten und die große Zahl an Opferhilfeeinrichtungen. Alleine im Bereich des Präsidiums Mittelhessen sind das Dutzende. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben, manche haben sich spezialisiert. So gibt es Einrichtungen, die kümmern sich vor allem um Opfer häuslicher Gewalt. Eismann sagt: So verschieden die Menschen im ganz normalen Alltag sind, so unterschiedlich reagieren sie auch, wenn sie Oper einer Straftat werden." Es gebe aber Muster und Verhaltensweisen, die sich immer wieder zeigten: "Vor allem eine gewisse Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Verschlossenheit. Viele Menschen ziehen sich zurück, andere weinen viel." Eismann weist darauf hin, dass beispielsweise ein Einbruch bei einem Betroffenen zu schwersten Problemen führen kann, ein anderer aber findet schnell wieder zurück in den Alltag.

Wie viele Menschen sich an die Polizeibeamten wenden, wird statistisch nicht erfasst. Es sind viele, weil lapidar gesagt, auch viele Straftaten begangen werden. Die Hilfe für die Opfer, sagt Eismann, werde kontinuierlich verbessert und erweitert. "Geschädigte, die so einen bitteren Einschnitt in ihr Leben psychisch nicht verarbeiten können, werden von uns auf Opferhilfeeinrichtungen hingewiesen. Die allgemeinen und spezialisierten Hilfeeinrichtungen leisten dabei eine wertvolle Unterstützung für die Polizei."

Die Opferschutzstelle will Betroffenen das Sicherheitsgefühl zurückgeben. Ein großes Ziel. Ob das immer gelingt, kann niemand genau sagen. Was sichtbar ist: Eismann und ihre Kollegen bringen sich nicht nur mit ihrem Verstand ein. Sie nehmen Anteil am Schicksal der Menschen, die sie betreuen. "Auch ich als Polizeibeamtin bin ein Mensch mit Gefühlen und Emotionen. Es gibt immer wieder Situationen, die einen sehr bewegen, dennoch sollte die Professionalität gewahrt werden." (Foto: Syda Productions/Fotolia)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare