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Blick mit dem Tablet ins Innenleben einer Maschine: Das sehen hier Rojin Eser (von links) und Etienne Janson von der Kasseler Heinrich-Schütz-Schule, gezeigt von VW-Azubi Cengiz Defterli.

Wird Frist verlängert?

VW in Baunatal: Sorgen um den Nachwuchs - Zu wenige bewerben sich

Volkswagen wird die Bewerbungsfrist für den Ausbildungsstart 2020 möglicherweise bis zum Jahresende verlängern.

Baunatal/Kassel – Grund für die Überlegung seien rückläufige Bewerberzahlen, erläutert Jens Dembowski, Leiter der VW-Akademie in Baunatal. Eine Entscheidung über die Verlängerung werde nächste Woche in Wolfsburg getroffen. Von einer solchen Entwicklung sei VW nicht allein betroffen, so der Ausbildungschef. Bundesweit gingen die Bewerberzahlen in der Branche um 20 bis 25 Prozent zurück, so Dembowski. Ursprünglich galt bei VW ein Bewerbungsschluss zum 31. Oktober.

Auch andere Betriebe im Raum Kassel hätten mit Rückgängen zu kämpfen, ergänzt Klaus Denn, verantwortlich für das Schulmarketing bei VW in Baunatal. „Das ist überall so.“

Ziel sei es weiterhin, die jährliche Bewerberzahl für Baunatal von rund 1800 wieder zu erreichen, so Dembowski. „Wir machen uns keine Sorgen, die 219 Ausbildungsstellen mit hochqualifizierten Bewerbern zu besetzen.“

Neuer Beruf an der VW-Akademie: Azubi Patrick Klaus (links) informiert Noah Bonn von der Carl-Bantzer-Schule in Schwalmstadt.

Bis Freitag informiert die Akademie jedenfalls bei den Berufsinformationstagen über die Ausbildung an dem nordhessischen Standort. Erwartet werden rund 2000 Schüler aus der ganzen Region. Der Autokonzern sucht inzwischen neben den klassischen Berufen wie Industriemechaniker und Mechatroniker Interessenten für IT-Berufe und den Bereich der Digitalisierung. 

So habe man mit dem Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung einen weiteren Beruf in diesem Segment geschaffen, erläutern Denn und Karsten Roth von der Akademie. Acht Plätze werden für die neuen Fachinformatiker eingerichtet. Die Azubis lernten beispielsweise, selbst Software-Programme zu schreiben, so Roth. 

Neben dem IT-Systemelektroniker habe man nun einen zweiten IT-Beruf am Standort. Aber auch in den traditionellen Metallberufen, so Roth, halte die Digitalisierung zunehmend Einzug. „Jeder Beruf hat sich deutlich weiterentwickelt.“

Sie verfolge die Entwicklung der Autoindustrie auch im Zusammenhang mit dem Thema Umwelt, sagt Rojin Eser beim Berufsinformationstag. Die 16-Jährige besucht die neunte Klasse der Heinrich-Schütz-Schule in Kassel. Im Unterricht sei das allerdings kaum ein Thema, sagt die Schülerin. Privat interessiere sie sich aber dafür.

Noah Bonn von der Carl-Bantzer-Schule in Schwalmstadt kann sich vorstellen, sich schon bald bei VW in Baunatal für eine Ausbildung zu bewerben. „Ich habe schon lange Interesse an Autos“, sagt der 15-Jährige.

Die Ausbildungsberufe bei VW

In diesen Berufen wird ausgebildet: Elektroniker für Automatisierungstechnik, Mechatroniker, IT-System-Elektroniker, Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, Fachkraft für Lagerlogistik, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Gießereimechaniker, Werkzeugmechaniker, Werkstoffprüfer, Werkfeuerwehr. Fünf junge Frauen und Männer sind Studenten im Praktikum (Stips), sie studieren an der Uni parallel zur klassischen Ausbildung.

Bewerbungen für den Ausbildungsstart 2020 sind vorerst bis zum 31. Oktober möglich: www.volkswagen-karriere.de

Von Sven Kühling

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