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Landwirt Andreas Fritsch hatte im vergangenen Jahr auf eine bessere Sojaernte gehofft. Dennoch bleibt er dran und baut in diesem Jahr zwei unterschiedliche Sorten an.

Batterie für die Böden

Soja liegt bei Lebensmitteln im Trend - und auch der heimische Anbau boomt. Werden im Ausland teils Regenwälder für die Hülsenfrucht gerodet, wirkt sich die Aussaat hier sogar positiv auf die Äcker aus.

Auf dem Acker steigt hochgewirbelte Erde auf. Der junge Bauer Andreas Fritsch walzt den Boden auf seinem Feld im südhessischen Groß-Zimmern. Gerade hatte er die Soja-Saat ausgebracht, nun verdichtet er den Acker. Der 24-Jährige baut in diesem Jahr zum zweiten Mal Soja an. Tofu, Milch, Soßen, Öl, Tierfutter oder Kraftstoff - die Pflanze ist vielfältig, boomt, steht aber auch in der Kritik.

Wegen der immensen Nachfrage werden zum Beispiel in Brasilien im Amazonas-Gebiet Regenwälder gerodet, um Soja anzubauen. Doch mittlerweile setzen auch die heimischen Bauern zunehmend auf die viel nachgefragte, energiebringende Hülsenfrucht. Hier ist es ein Gewinn für die Landwirtschaft.

»Es gibt eine deutlich steigende Tendenz«, sagt der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber, über den Soja-Anbau. Sei die Frucht 2018 noch auf 640 Hektar angebaut worden, habe sich die Fläche bis 2020 mit 1800 Hektar in Hessen fast verdreifacht. Der Anbau werde gefördert, das werde von den Landwirten offensichtlich gut angenommen. »Das heimische Soja ist eine tolle Sache.« Im Vordergrund stehe die Tierfutter- erzeugung, es gebe aber eine zunehmende Tendenz hin zu Ersatzprodukten wie Tofu.

Sortenunterschiede im Vergleich

»Mal was anderes machen«, beschreibt Bauer Fritsch die Idee dahinter, im vergangenen Jahr auch Soja auf die Felder zu bringen. »Wir haben uns die Ernte besser vorgestellt«, sagt der 24-Jährige, der den Beruf aus Leidenschaft ausübt und von der Pike auf gelernt hat. Den Hof im Kreis Darmstadt-Dieburg führt er zusammen mit seiner Mutter. 2,5 Tonnen habe er im vergangenen Jahr pro Hektar geerntet, bis zu vier Tonnen seien möglich.

»Es ist interessant, auch mal Sortenunterschiede im direkten Vergleich zu sehen«, sagt Fritsch, der in diesem Jahr zwei unterschiedliche Soja-Sorten anbaut. Wenn im September, Oktober geerntet wird, wandern seine Erträge nicht in die Tierfutterproduktion. Er und seine Mutter haben auf ihrem gut 100 Hektar großen Familienbetrieb auch eine Bullenmast mit rund 230 Tieren, dazu mästen sie Geflügel. Das, was er im vergangenen Jahr geerntet habe, sei als Tierfutter zu wenig gewesen. »Außerdem muss es getoastet und gelagert werden.« Fritsch ließ seine Ernte stattdessen zu Öl pressen, das er zusammen mit dem gemästeten Geflügel vermarktete. So will er es auch in diesem Jahr wieder halten, eine weitere Möglichkeit wären Hofläden.

Die Vorteile des Soja-Anbaus liegen für den 24-Jährigen auf der Hand. Aussaat, Walzen, das Feld einmal mit Herbizid gegen das Unkraut behandeln - dann kann die Frucht bis zur Ernte wachsen. Aber: »Ich muss darauf vertrauen, dass es regnet.« Der Hof der Fritschs arbeitet konventionell. Ein Bioanbau lohne sich bei Soja wegen des Aufwandes nicht.

Produktion in Europa hat Vorteile

Ein weiterer großer Vorteil: Soja liefert nicht nur große Eiweißmengen pro Hektar, sondern wirke bei der Fruchtfolge wie eine Batterie für die Böden. Die sogenannte Leguminose kann Luftstickstoff binden und in die Böden bringen. Sie dient so auch den anderen Pflanzen, die Böden müssen weniger gedüngt werden. »Als Fruchtfolgeglied könnte Soja alle fünf Jahre kommen«, sagt Fritsch. Auf dem Hof werden neben der Hülsenfrucht auch Mais, Zuckerrüben, Gerste, Roggen, Weizen und Erbsen angebaut. Auf Soja folge meist Weizen. Die Umweltorganisation WWF bemängelte unlängst, dass der größte Verursacher für Tropenwaldabholzungen durch EU-Importe mit 31 Prozent der gerodeten Fläche Soja war. Das sei zunehmend auch gentechnisch verändert und lande als Tierfutter schließlich auch in den Nahrungsmitteln der Menschen.

Die heimische Produktion sieht der WWF indes positiv. Auf der Homepage heißt es: »Soja aus Europa und Deutschland hat die Vorteile, dass keine gentechnisch veränderten Sojapflanzen angebaut werden dürfen, die Produktion den nationalen/europäischen Pflanzenschutz- und Düngeverordnungen unterliegt und neben ökologischen Mindeststandards auch soziale Standards eingehalten werden müssen.«

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