Bahnpolizist warnt Schüler vor Leichtsinn an Gleisen

Nidderau (pm). "Ollis Chance" heißt der zehnminütige Film der Bahnpolizei, der mit wenigen Worten, dafür umso eindringlicheren Bildern und Geräuschen die Kinder des Jahrgangs 5 der Bertha-von-Suttner-Schule für die Gefahren sensibilisierte, mit denen sie sich auf ihrem Schulweg mit und an der Bahn auseinanderzusetzen haben.

Bahnfahren ist völlig ungefährlich, aber nur, wenn man sich auskennt und richtig verhält, so lautet die Botschaft, mit der Polizeihauptkommissar Frank Dönges, Präventionsbeauftragter der Bundespolizei, auf Einladung der Stufenleitung der Bertha-von-Suttner-Schule durch die Klassenzimmer zieht und den Kleinsten im täglichen Pendlerstrom warnend und aufklärend zur Seite steht. Mit seinen Methoden ist er dabei durchaus nicht zimperlich. Denn nicht nur die drei unglücklichen Trickfilmfiguren haben reale Vorbilder, auch die Beispiele, mit denen Dönges den Kindern die direkten und indirekten Gefahren der Bahnumgebung nahebringt, stammen aus der selbst erlebten Praxis. Da ist zum Beispiel der 15-jährige Jonas, der seiner neuen Freundin imponieren wollte und beim Herumklettern auf Waggons der Oberleitung zu nahe kam. Jonas lag sechs Wochen im künstlichen Koma, die schrecklichen Vernarbungen seiner zu 70 Prozent verschmorten Hautoberfläche werden ihn sein Leben lang kennzeichnen und haben auch die Freundin vergrault, der er so gerne zeigen wollte, was für ein toller Kerl er war.

Noch schlimmer traf es die drei Mädchen an der Frankfurter Station "Sportfeld", denen der Weg durch die Unterführung zu weit schien und die deshalb den direkten Weg über die Gleise wählten. Gegen den Intercity hatten sie keine Chance. Die 16-Jährige, die miterlebte, wie ihre beiden Freundinnen vom Sog des vorbeirasenden Zuges erfasst und zerfetzt wurden, wird noch lange psychologische Betreuung benötigen, weiß der Polizeihauptkommissar zu berichten.

Auch von 900 Unfalltoten an Bahnhöfen und Gleisen, die die Bundespolizei jedes Jahr verzeichnet – die meisten davon durch Leichtsinn und falsches Verhalten verursacht.

Und er erzählt von den lebensgefährlichen Spielen und Mutproben, mit denen sich Schulkinder auf Bahnhöfen die Wartezeit gerne verkürzen und die Zugreisende besonders in der Umgebung von Schulen nahezu täglich beobachten können: Herumfläzen auf den Bahnschwellen, Fußballspielen im Schotterbett, Platzieren von Münzen, Steinen, Betonbrocken oder auch Metallstangen auf den Gleisen – nur um zu sehen, ob etwas passiert. Letzteres könne bis zum Entgleisen des Zuges führen, so Dönges warnend.

Gefährdet sei aber auch, wer in seine MP3-Welt abtauche und, taub für die Umgebung, nicht mehr in der Lage sei, herannahende Züge rechtzeitig wahrzunehmen. Immer mehr Unfälle dieser Art verzeichnet die Polizei jedes Jahr.

Je nach Geschwindigkeit benötigt eine Lok einen Bremsweg von ein bis zwei Kilometern, rechnet der Präventionsbeauftragte vor. Kein Lokführer hätte also eine reelle Chance, seinen Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen, wenn er spielende Kinder im Gleisbett oder träumende Spaziergänger auf dem Bahnübergang entdecke.

Was die mit Aufklärung und Information voll gepackte Schulstunde den Fünftklässlern der Bertha-von-Suttner-Schule an Erkenntnis gebracht hat, fasste ein Schüler am Ende in schlichter Klarheit überzeugend zusammen: "Wenn man einmal Scheiße baut, kann man sich das ganze Leben versauen." Zu ergänzen blieb dem Polizeihauptkommissar da nur noch ein trockenes: "…oder sogar beenden."

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